Neustadt Drei Tage im Zeichen des „Leisböhl“
Seit fast 1250 Jahren ist der Weinbau in Haßloch verbürgt: Erstmals urkundlich erwähnt wird Haßloch als weinbautreibende Gemeinde im Jahre 773 in den „Weißenburger Urbaren“. Dort steht, dass die 60 Hübner – also unfreie Bauern – des Dorfes dem Kloster pro Jahr zehn Wagen Wein zu liefern hatten. Zeitweise hatte der Weinbau in Haßloch sogar eine große Bedeutung. Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging es mit dem Weinanbau im Großdorf zu Ende. Die letzten Winzer gaben aus Altersgründen ihren Betrieb auf, die verbliebenen Rebflächen wurden an Winzer aus anderen Orten verpachtet. Jahrzehntelang gab es keine Haßlocher Einzellage mehr: Der Wein, der auf Haßlocher Gemarkung angebaut wurde, wurde unter dem Namen der Großlage „Deidesheimer Hofstück“ verkauft. Das blieb so bis zum September 2007. Auf Einladung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz fand damals eine Besprechung mit den Bewirtschaftern der betroffenen Flächen mit der Gemeinde und der Bauern- und Winzerschaft Haßloch statt. Ziel war es, zu prüfen, ob die Bereitschaft bestand, die einzellagenfreie Fläche, auf der in Haßloch Weinbau betrieben wird, einer bestehenden Einzellage zuzuordnen – oder als eigenständige Einzellage auszuweisen. Die Initiative dazu hatte der damalige Beigeordnete Jürgen Vogt ergriffen. Nachdem sich bei diesem Termin alle Beteiligten für die Einzellage „Leisböhl“ ausgesprochen hatten, stellte die Gemeinde beim Ministerium für Wirtschaft, Verkehr Landwirtschaft und Weinbau den Antrag, den Lagenamen entsprechend zu ändern. Und nachdem Mainz grünes Licht für den Weinanbau auf der 23,5 Hektar großen Fläche südlich der Autobahn, nahe der Gemarkungsgrenze zu Meckenheim, gegeben hatte, durfte sich Haßloch wieder ganz offiziell „Weinbaugemeinde“ nennen. Die Rückkehr zu der jahrhundertealten Weinbautradition wird seit 2008 jedes Jahr mit einem eigenen Haßlocher Weinfest gebührend gefeiert. Ausgeschenkt werden bei den „Leisböhler Weintagen“ natürlich die Weine aus der namensgebenden Lage. Die „Leisböhl-Winzer“ (Weinland Meckenheim, Weinland Königsbach, Wein- und Sektgut Braun sowie Weingut Grundhof) bieten fünf verschiedene Rebsorten unterschiedlicher Qualitätsstufen und Geschmacksrichtungen an, die mit einem eigens von der Neustadter Künstlerin Doris Gaab-Vögeli gestalteten Etikett auf die Flasche kommen. Angebaut werden im „Leisböhl“ Portugieser Weißherbst, Dornfelder, Riesling, Weißburgunder und mittlerweile auch die traditionelle rote Rebsorte Gänsfüßer. Bei den „Leisböhler Weintagen“ werden außerdem Secco und Sekt aus der Lage angeboten. Eröffnet wird das Haßlocher Weinfest am Freitag, 20. Mai, um 17 Uhr. Neben Wein und einem vielseitigen kulinarischen Angebot gibt es auch in diesem Jahr ein unterhaltsames Rahmenprogramm. Live-Musik kommt am Freitag vom „A-Team“ (Akustik-Team Mußbach). Am Samstag steht ein Auftritt der „Anonyme Giddarischde“ auf dem Programm, und am Sonntag sorgen ab 11 Uhr die „Leisböhler Seemöven“ mit maritimen Klängen und ab 15 Uhr „Good Times“ für die musikalische Unterhaltung. Am Freitag und Samstag sind die Ausschankstellen von 17 bis 0.30 Uhr geöffnet, am Sonntag von 11 bis 21 Uhr. Damit niemand hungrig oder durstig nach Hause gehen muss, kümmern sich Weingüter aus der Region sowie Haßlocher Vereine um die Bewirtung der Besucher. Zudem wird es in der Langgasse kleine Weinprobierständchen geben. Auch der Haßlocher Einzelhandel sorgt am kommenden Wochenende für Leben im Ortskern. Am Samstag findet ab 11 Uhr eine Autoschau der Haßlocher Autohäuser auf dem Rathausplatz statt. Tags darauf schließt sich ein verkaufsoffener Sonntag an. Die Läden sind von 13 bis 18 Uhr geöffnet. In vielen teilnehmenden Geschäften erwartet man die Kunden mit kleinen Überraschungen und besonderen Angeboten. Nach Angaben des Gewerbevereins war der verkaufsoffene Sonntag zur Maikerwe aufgrund des Maifeiertags am 1. Mai rechtlich nicht möglich, und am geplanten Termin 8. Mai fand ein Deutsch-französischer Bauernmarkt in Neustadt statt. In den nächsten drei Jahren soll der erste verkaufsoffene Sonntag in Haßloch immer zusammen mit den „Leisböhler Weintagen“ stattfinden. Ein weiterer verkaufsoffener Sonntag ist zum Andechser Bier- und Straßenfest am 25. September geplant. (guh)