Neustadt
Drei preisgekrönte Bäume
Die Pandemie macht erfinderisch. Denn wie soll man Preise in einer Situation überreichen, in der sich größere Zusammenkünfte gewissermaßen verbieten? Umweltdezernentin Waltraud Blarr und Mitarbeiterin Petra Konrad haben den Spieß daher umgedreht und nicht die drei Gewinner des Umweltpreises zu sich eingeladen, sondern sind selbst quer durch die Stadt gefahren, um Siegerurkunden sowie Preisgeld zu übergeben.
Diese Form der Ehrung passte perfekt zum Thema Bäume. Denn um die ging es in diesem Jahr. „Wir wollen das Bewusstsein für alte Bäume wecken und die Bürger dafür begeistern, diese zu pflegen und stehen zu lassen“, betont Waltraud Blarr. Sie verweist dazu auch auf die neue Baumfördersatzung der Stadt: Hier können sich Bürger melden und eine kostenfreie Begutachtung und Beratung bekommen. 40 Bürger hätten sich bisher gemeldet.
1500 Euro hat die Stadt für den Umweltpreis ausgelobt. Tatsächlich mussten sich die Preisträger aber mit jeweils 500 Euro begnügen. Der Grund? Die Bäume wurden in die Gruppen Obst-, Laub- und Nadelbäume unterteilt – und in jeder Kategorie wurde ein Sieger gekürt. Dass 29 Bewerbungen eingegangen waren, ist für Petra Konrad aus der Umweltabteilung ein sehr erfreuliches Ergebnis. Die Resonanz zeige: „Es gibt noch etliche erhaltenswerte alte Bäume in Neustadt.“
Nicht einfach neu pflanzen
Aus Sicht von Waltraud Blarr soll das auch so bleiben. Daher wolle sie verwaltungsintern bei Ausschreibungen und Projekten künftig stärker darauf achten, dass alter Baumbestand nach Möglichkeit geschützt wird. „Man kann nicht einfach sagen, man sorgt für Nachpflanzungen. Wegen des Klimawandels weiß man nicht, ob eine Nachpflanzung wie erhofft wächst, und junge Bäume haben einen hohen Pflegebedarf.“ Mit Blick auf Klima (Luftqualität, Schatten) und Biodiversität (Lebensraum für Insekten und Vögel) sei die Bedeutung von alten Bäumen nicht zu unterschätzen.
Die drei Sieger veranschaulichen, was die Beigeordnete damit meint. Im Garten von Christa Lührmann in Gimmeldingen steht der Gewinner-Obstbaum. Es handelt sich um eine gut 70 Jahre alte und rund zwölf Meter hohe Birne. Der Baum sei zwar etwas schwach, werde aber von benachbarten Bäumen vor starken Westwinden geschützt, sagt Lührmann. Alle zwei Jahre werde eine Baumpflege vorgenommen. Fällen kommt für Lührmann nicht infrage: „Das Umfeld bei uns ist so schön.“ Und sie könne jedes Jahr Birnen ernten: „Manchmal ist die Menge einfach zu viel, dieses Jahr war es eher wenig.“ Für Lührmann ist zudem klar: Sie wird ihre 500 Euro an den Naturschutzbund (Nabu) spenden.
Ein Paradies bei 35 Grad
Im Garten von Sandra Müller auf der Hambacher Höhe steht der Gewinner-Laubbaum: eine etwa 100 Jahre alte Linde. Da das Grundstück am Hang liegt, ist von der Straße aus eigentlich nur die Baumkrone zu sehen – und damit das Ausmaß des prächtigen, 30 Meter hohen Gewächses nur zu erahnen. Sandra Müller möchte den Baum nicht missen: „Wenn er voller Blütenpracht ist, ist er ein perfekter Schattenspender. Bei 35 Grad haben wir hier im Garten ein Paradies.“ Damit spricht die Gewinnerin Waltraud Blarr förmlich aus der Seele: Genau diese Aspekte müssten viel stärker ins öffentliche Bewusstsein, ergänzt sie. Dass der Laubbaum im Herbst über Wochen mit sechs großen gefüllten Säcken Laub pro Woche auch viel Arbeit macht, nimmt Müller locker: „Das gehört eben dazu.“
Der Sieger-Nadelbaum steht auf der Haardt im Garten von Katharina Barth: Der Mammutbaum ist etwa 35 Meter hoch und rund 150 Jahre alt. Schon seit 1955 steht der Baum unter Schutz. Für Barth gehört er seit der Kindheit einfach zum Leben dazu. Für Petra Konrad ist dieser Baum ein „Beispiel dafür, dass sie ein Ortsbild prägen können, so wie ein schönes Möbelstück eine Wohnung ziert“. Barth bestätigt diese Einschätzung: „Viele Passanten bleiben stehen und schauen sich den Baum an.“ Für sie ist daher auch klar, wofür sie die 500 Euro verwendet: Die nächste Baumpflege steht an. Dabei soll auch ein Bewässerungssystem installiert werden. Denn bei den heißen Sommern habe der Mammutbaum doch glitten.
