Maikammer
Dreharbeiten für „Sliwowitz im Schoppeglas“ im Bürgerhaus
Volker Heißmann sitzt mit stoischem Gesichtsausdruck auf dem Sofa. Zusammen mit seinem Partner Martin Rassau ist der fränkische Comedian am Morgen extra aus Fürth angereist, um an diesem Tag zusammen mit den Pfälzer Kollegen Boris Stijelja und Tim Poschmann in einem Rutsch zwei Folgen für die Comedy-Sitcom „Sliwowitz im Schoppeglas“ in den Kasten zu kriegen. Die Technik steht, wie das im ganzen Saal installierte Equipment belegt, und auch die Kostümierung sitzt: Heißmann hebt sich im geblümten Kleid seiner Bühnenfigur Mariechen kaum vom Muster der Couch ab. „Das ist Camouflage wie bei ,Sherlock Holmes’“, spielt Regisseur Uwe von Grumbkow auf eine Szene im Hollywood-Film mit Robert Downey Jr. an. Vielleicht sagt er das auch, um ein bisschen die Wartezeit aufzulockern.
Boris Stijelja wird noch „verspachtelt“
Denn während wenig später auch Martin Rassau im schrillen Witwen-Outfit in den Raum tritt, hängt Boulevardtheater-Boss Boris Stijelja, der in der Internet-Sitcom – sehr nah am realen Leben – einen kroatischen Tausendsassa spielt, noch in der Maske fest. „Der wird noch verspachtelt“, lästert Bühnenpartner Tim Poschmann, der in „Sliwowitz im Schoppeglas“ den Part eines erfolglosen Jungwinzers übernimmt, der zusammen mit einem lukrativen Erbe auch noch den Sohn der Erblasserin – Stijelja alias Ninoslav Vukanovic eben – aufs Auge gedrückt bekommt.
Die Aufnahmen an diesem Tag bilden den Abschluss der Dreharbeiten – das Endprodukt soll am Sonntag im Netz möglichst viele Comedy-Freunde zum Lachen bringen. Dafür hat das Boulevardtheater-Team keine Kosten gescheut und etliche echte Profis angeheuert. Regisseur von Grumbkow ist vor allem vom Mannheimer Oststadttheater her bekannt, spielte oder inszenierte aber auch schon am Nationaltheater, am Frankfurter Schauspielhaus oder am Speyerer Zimmertheater. Das Drehbuch stammt von dem bekannten Sitcom-Autor Stephan Braun („Schreinerei Fleischmann“). Die technische Seite verantwortet die Schifferstadter Produktionsfirma „Atrium 8“, die unter anderem derzeit auch die Livestreams aus dem „Capitol“ managt. „Am letzten Sonntag haben wir dort das ,Söhne Mannheims’-Konzert gemacht“, berichtet Geschäftsführer Cédric Jankowski, der jetzt in Maikammer als oberster Bildgestalter fungiert.
Während Stijelja hinter den Kulissen weiter in Form gebracht wird, erzählt von Grumbkow, wie sich das Projekt bislang entwickelt hat. Die dritte und letzte Folge der Sitcom, bei der neben Stijelja und Poschmann auch noch die Boulevardtheater-Lieblinge Stefan Beyer und Jutta Barie-Scholl als Pfälzer Ehepaar Dieter und Amanda mit auf der Bühne standen, ist bereits am Vortag abgedreht worden: „Fünf Stunden Material für 15 Minuten“, umreißt der Regisseur mit Zahlen, dass hier richtig geklotzt wurde – oder anders ausgedrückt: ein Terabyte an Daten auf der Festplatte. „Alle waren danach völlig fertig.“
Das Licht ist super, der Ton bereitet Probleme
Dabei werde zunächst immer erst einmal ein kompletter Durchlauf mit Großaufnahmen gedreht, dem danach noch einmal Einzelszenen in Nahaufnahme folgten – „eine totale Zumutung für die Schauspieler“, erklärt von Grumbkow, „denn es geht manchmal ja nur darum, einen Schritt weiter vor- oder zurückzutreten, damit die Einstellung besser wird“. Als großes Problem habe sich dabei der Ton erwiesen. Eine ungedämmte Leitung oder ein Sendemast irgendwo in der Nähe sei wohl verantwortlich dafür, dass ständig ein Pfeifen mitaufgenommen wurde. Deshalb setze man jetzt zusätzlich noch Ansteckmikros ein und lasse alle vier Tonspuren laufen. Sehr zufrieden sind Jankowski und er dagegen mit dem Licht, bei dem sie sich auf einen einzigen Scheinwerfer mit charakteristischem Schirm beschränken können. „Das kommt sehr natürlich rüber“, lobt der Regisseur.
Derweil ist endlich Stijelja eingetroffen – kaum wiederzuerkennen mit gegeltem Haar und Schnurrbart. Jetzt muss allerdings erst noch einmal Poschmann optisch aufgefrischt werden. „Das geht alles von eurrrer Zeit ab“, knurrt Volker Heißmann im markanten Franken-Idiom mit rollendem R in den Raum. Ob tatsächlich genervt oder sich nur schon mal auf „Mariechen“-Modus einstimmend, ist nicht zu sagen. Er und Rassau sind Fernsehprofis, gestählt von vielen Aufnahmestunden vor allem mit dem Bayerischen Rundfunk. Klar, dass sie auch den Text im Nu intus hatten.
Als dann auch Poschmann wieder auftaucht, der schon zuvor berichtet hat, wie sehr er sich auf die Szenen mit den beiden erfahrenen Kollegen aus Franken freut, ist gerade der Tontechniker beim Mittagessen. Das Catering, das von allen Beteiligten über den grünen Klee gelobt wird, stammt vom Maikammerer Freundeskreis des Boulevardtheaters. Dessen Leiter Christian Baumann fungiert im Bürgerhaus gewissermaßen als Hausherr. Er lässt es sich deshalb natürlich auch nicht nehmen, selbst den Dreharbeiten beizuwohnen.
„Aber ich verrsteh’ doch euerr Hessisch auch“
Die kommen, nachdem der Tontechniker mit noch halbgefülltem Teller aus dem Foyer zurückbeordert wurde und Poschmann und Stijelja mit Mikros „verdrahtet“ hat, nun mit etwa einstündiger Verspätung tatsächlich in Gang. Zunächst ist Winzer Poschmann allein auf der Bühne, dann steht unverhofft das angekündigte „Baby“ aus Kroatien in Person von Stijelja vor der Tür, dem kurz darauf die beiden fränkischen Witwen Waltraud und Mariechen folgen, um ein Ebay-Geschäft abzuwickeln, bei dem es – so viel kann man verraten – zu einem leichten Missverständnis zwischen den Generationen kommt.
Alle Schauspieler auf der im Stil „Spießbürger-Wohnzimmer“ eingerichteten Bühne ziehen ihr Programm souverän durch. Regisseur von Grumbkow muss kaum eingreifen – ein Klappern im Ansteckmikro hier, ein kleiner Betonungsfehler da. Ansonsten läuft alles wie am Schnürchen. Und auch die gute Laune ist zurück. „Aber ich verrsteh’ doch euerr Hessisch auch“, neckt Martin Rassau, als ihm bedeutet wird, dass er ein bisschen zu schnell mit dem Mundwerk war. Knapp 25 Minuten Handlung müssen an diesem Tag nun noch aufgenommen werden. Danach folgt die Post-Production mit Schnitt und Co. in Schifferstadt. Ob es geklappt hat, kann das Publikum am Sonntag erfahren – am Bildschirm auf dem heimischen Sofa, das hoffentlich nicht ganz so scheußlich aussieht wie jenes von Jungwinzer Tobias.
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