Neustadt
Die Vorbereitungen für „Jugend musiziert“ laufen – trotz Pandemie
Die drei Regionalwettbewerbe in der Pfalz sind 2021 alle auf das Wochenende 30./31. Januar terminiert. „Es ist ganz normal ausgeschrieben, und wir hoffen, dass es irgendwie stattfinden kann“, sagt Susanne Roth-Schmidt, die den Südpfalz-Wettbewerb in Germersheim organisiert, an dem unter anderem junge Musikerinnen und Musiker aus Neustadt teilnehmen. „Wir planen, es wie immer bei uns im Haus durchzuziehen“, unterstreicht auch ihre Kollegin Angela Bauer, die in der Musikschule Ludwigshafen die Vorderpfalz-Konkurrenz leitet, zu der auch der Landkreis Bad Dürkheim gehört. Beide betonen, dass die Räumlichkeiten in ihren Musikschulen gute Voraussetzungen für die Einhaltung der coronabedingten Hygiene- und Abstandsregeln bieten. „Wir haben erst jetzt bemerkt, dass wir eine sehr leistungsfähige Abluftanlage in unserem großen Konzertsaal haben“, sagt Roth-Schmidt. Trotzdem seien ihr Sorgen im Bezug auf die Aerosole etwa bei den Bläsern zugetragen worden. Bauer verweist auf Überlegungen, die Veranstaltung möglichst stark zu entzerren. Auch ob Publikum zugelassen werden könne, sei noch nicht entschieden.
Auch die Motivation ist ein großes Problem
Große Probleme bereiten die Gruppenspiele, insbesondere die Kategorie „Klavier vierhändig“, weil hier der geltenden Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen zwei nicht verwandten oder im gleichen Haushalt lebenden Teilnehmern nicht eingehalten werden kann. Die Bundesgeschäftsstelle lässt den Regionalverbänden freie Hand, wie sie sich in dieser Frage verhalten wollen. Sowohl in Ludwigshafen als auch in Germersheim setzt man in dieser Kategorie nun auf eine Lösung mit zwei Klavieren. „Für die Ensembles ist es aber auch deshalb sehr schwer, weil die Probenmöglichkeiten in diesem Jahr so eingeschränkt waren“, erinnert Roth-Schmidt an ein weiteres Problem. Wie viele Anmeldungen es letztlich gibt, könne sie aber erst in der kommenden Woche sagen, weil die zentral beim Landesverband zusammenliefen und erst zum Schluss an die Regionalverbände weitergeleitet würden. Angela Bauer rechnet aber damit, dass es diesmal „ein kleiner Wettbewerb werden wird“, zumal es bei Lehrern wie Schülern auch in puncto Motivation nicht zum Besten bestellt sei. „Viele befürchten, dass die Vorbereitungen letztlich dann doch wieder umsonst sind.“
Die Corona-Krise trifft den „Jugend musiziert“-Wettbewerb in einer ohnehin kritischen Phase
So verhielt es sich in diesem Jahr: Die Regionalwettbewerbe im Januar fanden zwar noch statt – aber dann kam das Virus. Marina Kammerloch, Leiterin der Musik- und Kunstschule Juphi in Neustadt erinnert sich noch gut, wie enttäuscht die vier Eleven ihrer Schule waren, die das Ticket nach Mainz gelöst hatten. „Sogar die Urkunden wurden dann nur per Post zugesandt.“ Die Juphi schickt normalerweise jedes Jahr 7 bis 8 junge Musiker ins Rennen. Für 2021 seien es nur die Hälfte. Kammerloch führt das auch auf die schwierige Vorbereitung zurück. Als Bildungseinrichtungen sind die Musikschulen zwar nicht vom aktuellen Teil-Lockdown betroffen, aber Musikunterricht mit Mindestabstand sei eben kurios. „Wir versuchen, das Beste draus zu machen“, sagt sie, betont aber zugleich, dass sie die „Jumu“-Teilnahme zurückziehen werde, falls man wegen eventueller Corona-Auflagen auf einen Online-Wettbewerb umstellen sollte. Bei der Bundesgeschäftsstelle von „Jugend musiziert“ behält man sich dies ausdrücklich vor. In etwas verklausulierter Form ist da von einer „alternativen Form“ bei der Durchführung des Wettbewerbs die Rede.
Bislang noch gar keine Teilnehmer für das nächste „Jugend musiziert“ hat Tatjana Geiger, die Leiterin der Musikschule Haßloch, gemeldet. Dies könne sich aber noch ändern. Allerdings seien die Lehrer sehr zögerlich – aus Furcht vor der Enttäuschung im Falle einer Absage. Mit diesem Gefühl mussten die Haßlocher auch bei ihrem eigenen Musikzierwettbewerb umgehen lernen, der eigentlich jetzt im November angestanden hätte.
Zehn und damit sogar etwas mehr Teilnehmer als üblich hat dagegen Lucia Firus, die Leiterin der Kunst- und Musikschule Neustadt, zu vermelden. „Die Kinder wollen das machen“, sagt sie und berichtet lachend davon, dass ihre Schüler noch nie so intensiv geübt hätten wie während des ersten Lockdowns im Frühjahr. „Vielleicht, weil die Eltern daneben standen.“ Gleichwohl sieht auch sie Einschränkungen durch die besondere Probensituation. „Ob ich das Niveau halten kann, das wir sonst bieten, kann ich nicht sagen.“
Die Corona-Krise trifft den „Jugend musiziert“-Wettbewerb dabei in einer ohnehin kritischen Phase. Denn schon seit einigen Jahren gehen landauf, landab die Teilnehmerzahlen kräftig zurück – auch in Ludwigshafen und Germersheim. Dass die jungen Musikerinnen und Musiker, die 2020 ausgebremst wurden, nun zum Teil 2021 nicht zum Zuge kommen, weil die Kategorien sich turnusgemäß ändern, ist daher vielleicht nicht die glücklichste Lösung.