Wasserball RHEINPFALZ Plus Artikel Die U18 des SC Neustadt und ihr engagierter Trainer im Spiel gegen Neukölln

Matteo Ananias (links) steuerte einen Treffer zum Neustadter Sieg gegen Neukölln bei.
Matteo Ananias (links) steuerte einen Treffer zum Neustadter Sieg gegen Neukölln bei.

Als nach neun Minuten der Kapitän wegen einer dritten Zeitstrafe aus dem Wasser muss, wird Peter Jacqué nachdenklich. Der Coach des U18-Bundesligisten SC Neustadt ruft gegen Neukölln Berlin mit heiserer Stimme seinen Jungs Anweisungen zu.

Peter Jacqué engagierte sich bis zur letzten Sekunde beim Wasserball-Heimspiel der U18-Bundesliga zwischen seinem SC Neustadt und der SG Neukölln Berlin. Er kassierte in den Schlusssekunden die Gelbe Karte. Dabei führte sein Team 30 Sekunden vor Schluss deutlich mit 17:7 (3:1, 4:1, 5:0, 5:5) gegen die Berliner. Doch der Sieg hätte noch höher ausfallen können. Jacqué war genervt von den Schiedsrichtern.

„Sorry, das ist doch schon wieder ein Stürmerfoul. Der Berliner hat doch beide Arme eingesetzt“, raunte er dem Unparteiischen in der Schlussminute zu. Dafür gab es Gelb, was letztlich ohne Folgen blieb. Jacqué hatte aber seine schwierigsten Minuten im ersten Viertel zu überstehen, als die Gäste aus Berlin erfolgreich auf Konter lauerten und die Neustadter einige Male in Bedrängnis brachten. Nothelfer war dann mehrmals SCN-Keeper Kristof Meszaros. Er parierte sogar zwei Fünfmeter.

Berliner Personalnöte

Berlin war nur mit zehn statt 13 möglichen Akteuren angereist. Vielleicht hakte der SCN-Nachwuchs bereits bei der Mannschaftspräsentation die Partie als gewonnen ab. Doch die anfängliche engagierte Gegenwehr der Gäste brachen die Neustadter im zweiten und dritten Viertel erfolgreich. Robert Stübert, der Neuköllner Trainer, erzählte resigniert: „Drei unserer Spieler wechselten jetzt, also mitten in der Saison, zu Spandau Berlin. Ein Spieler hat ganz aufgehört. Weitere Spieler konnten die Fahrt nach Neustadt aus unterschiedlichen Gründen nicht mitmachen.“ Stübert hat kein Verständnis, dass seine ehemaligen Spieler die zweite Wechselgelegenheit nach dem Sommer, im Zeitfenster vom 1. bis zum 31. Januar, genutzt und so das Team im Stich gelassen hätten.

„Viele junge Damen im Bad“

Über 70 Zuschauer sahen die Partie der Junioren, eine erstaunlich hohe Zahl für ein Jugendteam. SCN-Herren-Trainer Thorsten Preuß stellte schmunzelnd fest: „Es sind besonders viele junge Damen im Bad.“ So verfolgte auch die 16-jährige Vanessa Fleischmann mit ihren Freundinnen entspannt die Partie. Ihr Freund Alex Chaloupka spielt seit über einem Jahr im Team, seit diesem Zeitpunkt kommt sie zu jeder Begegnung. Sie steckt es locker weg, dass Alex fünf- bis sechsmal in der Woche mit dem Ball im Wasser trainiert. „Es macht mir Spaß zuzuschauen. Und wir sehen uns ja in der Schule und am Nachmittag“, erzählte sie. Ihre Freundin Martyna Kawulok begleite sie jetzt regelmäßig. „Ich wusste vorher gar nichts von der Sportart und kannte Wasserball überhaupt nicht. Ich gehe mit, weil man nie weiß, was passiert. Es ist interessanter als Fußball oder Basketball“, schwärmte die.

Großer Neustadter Kader

Auch Peter Jacqué wusste in den ersten zehn Minuten noch nicht wirklich, wie seine Jungs die Partie beenden werden. Denn bereits nach neun Minuten musste SCN-Kapitän Alexandros Vlantoussis nach der dritten Zeitstrafe aus dem Becken. „Das war schon eine Schwächung für uns, da wurde ich kurz nachdenklich“, gestand Jacqué. So rief er in typischer Manier seine Anweisungen mit heiserer Stimme über das Wasser. „Bleib hinten“ – „zurück“. Denn die Berliner wollten Kräfte sparen und ließen immer einen Angreifer in der SCN-Hälfte „stehen“, um auf Konter zu lauern und den Kräfteverschleiß durch emsiges Hin- und Herschwimmen zu vermindern. Doch die Rechnung ging letztlich nicht auf. Jacqué konnte auf seinen großen Kader setzen.

„Hätte der Kristof aber nicht zwei Strafwürfe gehalten, hätte es auch noch anders ausgehen können“, überlegte der Coach. Im letzten Viertel kam auch Joona Vagts zum Einsatz. Der Keeper der U16 hatte somit Premiere in der U18-Bundesliga. Vagts löste seine Aufgabe mit mehreren Paraden ausgezeichnet. Auch Männer-Trainer Thorsten Preuß war zufrieden. Er hatte ein Auge auf die Spieler des Jahrgangs 2005, die im kommenden Jahr ins Herrenteam aufrücken können. Für Jacqué lag der Grundstock für den Erfolg im Wintercamp: „Es zahlte sich aus, dass wir nach Weihnachten so hart trainiert haben.“ Er beorderte gar zwölf Spieler ins Regionalliga-Team der SCN-Herren II für ein Spiel in Saarbrücken.

Zweimal auswärts

Am nächsten Wochenende haben die SCN-Junioren einen Doppelspieltag: Am Samstag treten sie um 15.30 Uhr in Hamburg an, am Sonntag gastieren sie um 11 Uhr in Rostock.

So spielten sie

SCN: Meszaros, Joona Vagts – Chaloupka (2 Tore), Laux, Giese (2), Reinig (1), Engin (2), Vlantoussis (2), Catauro (3), Welke, Matteo Ananias (1), Ljubic, Schuler (4).

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