Neustadt Die Kirche im Weingut

Gespräche über Gott und die Welt führten die Besucher von „Theovino“ im Deidesheimer Weingut Kimich.
Gespräche über Gott und die Welt führten die Besucher von »Theovino« im Deidesheimer Weingut Kimich.

„Wir sind der Meinung, dass die bestehenden Angebote der Kirche nicht mehr für alle Menschen passen“, erklärt Organisatorin Brigitte Deiters von der Pfarrei Heiliger Michael, warum sie Gespräche über Gott in ein Weingut verlagert. Es sei Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Glaube, Hoffnung auf neue Perspektiven oder schlicht Neugierde – 30 Teilnehmer waren zur Premiere von „Theovino“ am Sonntag beim Weingut Kimich in Deidesheim zu Gast.

„Theo“ komme aus dem griechischen und bedeute Gott. „Vino“ hingegen sei mit Wein zu übersetzten. „Wir sprechen heute also über unseren Glauben und lassen es uns währenddessen gut gehen“, leitet Brigitte Deiters den Abend ein. Sie ist eine der acht Organisatoren. Für die nächsten zwei Stunden werden die Anwesenden mit Speisen und hauseigenen Weinen versorgt. Das ist schon der erste Unterschied zur klassischen Kirche: Dort wird nur beim Abendmahl zum Essen und zum Wein gebeten. Bei „Theovino“ hingegen gehört dieser Teil fest zur Veranstaltung. „Wir wollen neue Wege gehen“, formuliert es Deiters. Wobei sie selbst auch weiß: „Das bedeutet immer ein gewisses Maß an Ungewissheit.“ Bei 30 Gästen in der gut gefüllten Stube des Weingutes Kimich scheint das neue Angebot der Pfarrei Heiliger Michael aber gut anzukommen: Der Raum ist von Gesprächen erfüllt. Und auch zwei Urlauber, die zum Abendspaziergang in Deidesheim unterwegs waren, haben sich kurzerhand dazu entschieden, die Veranstaltung zu besuchen. Ideen auf dem Tischtuch Als alle Mägen gefüllt sind, ergreift Deiters erneut das Wort. Denn bisher drehte sich der Abend größtenteils um „Vino“ und noch nicht um „Theo“. Um das zu ändern, erklärt Deiters zunächst die Spielregeln des folgenden Schreibgespräches: „Die Tische sind mit Papiertischdecken verkleidet. Nach der ersten Impulsfrage können die Antworten daher direkt auf den Tisch geschrieben werden. Anschließend werden die Plätze getauscht.“ Alles Gesagte und Geschriebene, so vereinbaren die Anwesenden, solle aber nicht weitererzählt werden. „Was macht dich satt?“ Dann beginnt die erste Runde: „Was macht dich satt?“, lautet die metaphorische Frage. Die eigene Familie, eine intakte Umwelt, offene Gespräche mit guten Freunden und nicht zu vergessen: gutes Essen – das sind einige der Antworten an diesem Sonntagabend. Nach dem Tausch der Sitzplätze schwillt der Geräuschpegel in der Weinstube an. Die zweite Runde stellt die darauf aufbauende Frage: „Was hat dich in der vergangenen Woche satt gemacht, und wo hast du dabei gespürt, dass Gott die Finger im Spiel hatte?“ „Das war ein sehr lebhafter Austausch, auch unter völlig fremden Menschen – sehr persönlich und vertrauensvoll“, so Deiters. Einige der Gäste haben schon lange zu ihrem Glauben gefunden, wie zum Beispiel der Deidesheimer Pfarrer Bernhard Braun. Andere waren auf der Suche nach neuen Perspektiven: „Ich bin heute hier, um neue Blickwinkel zum Thema Glauben zu sammeln“, erklärt Kurt Wilhelm. Mit allen Anwesenden teilt er vor allem eines: Neugierde. Auch der 28-jährige Fabian Kerbeck – ein weiterer Organisator und Angestellter beim Weingut Kimich – ist „ein Freund von neuartiger Kirche“. Ihm zufolge kann „Theovino“ alle Altersgruppen ansprechen. Besonders für die junge Generation sei die Veranstaltung ein wichtiges Angebot: „Wir sprechen eigentlich viel zu wenig über die Sinnsuche im Leben“, sagt Kerbeck. Die Veranstaltung gebe dafür einen entspannten Rahmen und vereinfache es, über den eigenen Glauben zu sprechen. „Die Atmosphäre war von Anfang an toll“, bilanziert Brigitte Deiters am Ende. Die Organisatorin betont: „Wir wollen mit diesen Abenden nicht unbedingt die Kirche, sondern den Glauben an sich und den Austausch über diesen attraktiv machen.“ „Theovino“ wird künftig jeden ersten Sonntag im Monat stattfinden. Einwurf

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