Neustadt Die Herrschaft der Wenigen
«Neustadt». Um 2.30 Uhr, mitten in der Winter-Nacht und nach zweieinhalb Stunden großer Gefühle und atemberaubender Kampfszenen zeigt sich das Premierenpublikum von „Die letzten Jedi“ im Neustadter Roxy-Kino aufgewühlt: „Super“, „überraschend“, „klasse“, „anders als erwartet, aber gut“ – kurz, aber eindeutig sind die Kommentare des überwiegend jungen und männlichen Publikums zwischen 20 und 30 Jahren. Es sind aber auch einige ältere Semester darunter, die vielleicht schon beim allerersten „Star Wars“-Film 1978 im Kino saßen.
Wie unzählige andere „Star Wars“- Fans fieberte zuvor auch Michael Kaltenegger, der Chef des Roxy-Kinos, dem achten Teil der Weltraum-Saga entgegen und sorgte in Begleitung von als Sturmtruppen verkleideten Mitarbeitern schon vor dem frühest möglichen Aufführungstermin Donnerstag 0:01 Uhr mit einer Verlosung von Filmplakaten für Stimmung im Kino. Natürlich wurde wie bei jeder Fortsetzung auf strenge Geheimhaltung geachtet. „Wir haben am Tag vor der Premiere zwar den Film bereits da, aber der Zugang ist mit einem Code verschlüsselt, der uns erst kurz vor dem Filmstart zugeschickt wird. Wir Kinobetreiber werden also von dem Film genauso überrascht wie alle anderen auch“, so Kaltenegger. Sicher trägt die 3D-Version, die einen unmittelbar in den Weltraum befördert, zur Faszination bei und doch ist es, bei gleichzeitig vielen Anspielungen und Parallelen zu älteren Filmen der Reihe wie „Das Imperium schlägt zurück“, das Erlebnis von etwas Neuem, was überzeugt. Die zweigeteilte Handlung, einmal haben Rey und der flauschige Chewbacca Luke in seinem Versteck gefunden, zum anderen müssen die Rebellen einmal mehr einen Stützpunkt vor dem herannahenden Feind evakuieren, knüpft genau an den Moment an, an dem sie im letzten Teil aufhörte, weswegen die Idee einer Doppelfilmnacht in einem der Säle nahe lag, die denn auch rege angenommen wurde. Geschmälert wird die Freude über eine aufregende Filmnacht allerdings ein wenig durch die Bedingungen, die der Walt-Disney-Konzern den Kinobetreibern für die Vorführungen aufzwingt. Dazu Michael Kaltenegger: „Disney nutzt seine Machtstellung aus, sie wissen, dass die Kinobetreiber ihren Kunden einen Film wie ,Star Wars’ nicht vorenthalten können und legen einseitig die Bedingungen fest. Verhandlungen gibt es keine.“ Ähnlich hatte sich im Vorfeld auch sein Bruder Christian Kaltenegger geäußert, der das Kino in Frankenthal betreibt. Tatsächlich verlangt Disney 53 Prozent der Einnahmen – ein Spitzenwert in der Branche. Auch wird festgelegt, wann, wie oft, wie viele Wochen und in welchem Kino-Saal der Film gezeigt werden muss. Verstößt ein Kino auch nur einmal gegen eine der Auflagen, werden Strafzahlungen fällig. Dennoch bleibe gerade „Star Wars“ wirtschaftlich interessant, so Kaltenegger. Bei anderen Disney-Filmen sei das nicht unbedingt so. Aber auch die könne er nicht ablehnen, sagt der Kino-Chef. „Disney hat nun einmal diese Machtstellung innerhalb der Herrschaft der Wenigen im Filmgeschäft. Wenn ich mit Coca-Cola Streit bekäme, könnte ich ja noch zu Pepsi-Cola wechseln. ,Star Wars’ aber gibt es nur einmal.“ Über diesen Goldesel verfügt Disney allerdings nur, weil der Konzern 2012 die Firma „Lucas Film“ von Star-Wars-Erfinder George Lucas für über 4 Milliarden Dollar übernahm. Zusammen mit anderen Übernahmen wie der des Trickfilmstudio Pixar 2006 und der „Marvel Comic Universum Studios“, älteren Film- und Markenrechten, einem eigenen TV-Imperium, den bekannten Freizeitparks und der „Disney Music Group“ akkumuliert sich das zu einer gigantischen wirtschaftliche Macht, von der aber auch Altstars wie Marc Hamill sehr profitieren. Der bekam für einen einminütigen Auftritt im ersten Teil der neuen Trilogie, bei dem er stumm auf seiner Felsinsel herumstand und Daisy Ridley alias Rey anstarrt, 5 Millionen Dollar Gage. Die junge Hauptdarstellerin erhielt viel weniger. Diese Größenordnungen sind nur zu verstehen, wenn man die Einnahmen betrachtet: Star Wars VII spülte weit über 2 Milliarden Dollar in die Kinokassen, davon in der ersten Woche die Rekord-Summe von 529 Millionen Dollar. Allerdings scheinen die Verantwortlichen bei Disney gegenüber den Kinos dabei nur noch die Unterwerfung unter die von ihnen gestellten Bedingungen zu kennen. Kommt einem das nicht ein wenig wie bei der dunklen Seite der Macht vor? Dennoch: Die Wahrscheinlichkeit, dass „Die letzten Jedi“ das bisherigen Top-Ergebnis an den Kinokassen noch übertreffen, ist groß.