Neustadt
„Die Hambacher ...“: Warum die Zukunft des Blattes ungewiss ist
Benno Zech, der Hambach als Ortsvorsteher über Jahrzehnte geprägt hat, war Initiator der Zeitschrift „Die Hambacher ...“. Es entstand ein Redaktionsteam, dessen Leiter zunächst Paul Habermehl war. Als Uta Müller nach Hambach zog, war die ehemalige Konrektorin einer Grundschule in Pension. „Ich habe damals nach einer Beschäftigung gesucht“, erzählt die inzwischen 80-Jährige. Eine der Betätigungen, die sie fand, war die Mitarbeit bei besagtem Magazin. Zwei Jahre lang habe sie mitgearbeitet und dann die Leitung von Habermehl übernommen, berichtet Müller, die vorher unter anderem Deutsch unterrichtet hatte.
Historische Themen waren bis dahin ein Schwerpunkt des Hefts gewesen. Die sollte es weiter geben, doch für Müller war es wichtig, auch „über das Hambacher Leben zu berichten“. Ihr Mann war Hambacher, von ihm bekam sie einiges an Informationen, über Dinge, die im Ort vorgingen. Um dem Tagesgeschehen möglichst nah zu sein, „bin ich auf jedes Fest gegangen und habe die Leute angequatscht“, verrät Müller. So habe sie jede Menge Leute kennengelernt, viel erfahren und es hätten sich Themen ergeben.
Drei bis fünf Sitzungen pro Ausgabe
„Da hat beispielsweise jemand erzählt, dass er Bilder von Hambacher Ereignissen hat oder dass die Oma zahlreiche Geschichten von früher kennt“, berichtet Müller. Und weiter: „Ich habe zu den Leuten gesagt, schreibe darüber.“ Wenn jemand das nicht konnte oder wollte, hat Müller quasi als Ghostwriter für andere geschrieben – also den Artikel genau mit der jeweiligen Person abgesprochen und dann unter deren Namen veröffentlicht.
Uta Müller hat aber auch zahlreiche Artikel unter eigenem Namen geschrieben, hat recherchiert, hat Hambacher interviewt und Fotos gemacht. Mit viel Arbeit und Organisation sei die Redaktionsleitung verbunden gewesen, erzählt sie. Die Zeitschrift ist zwei Mal pro Jahr erschienen. Einige Zeit nach Erscheinen einer Ausgabe hat Müller dann stets zu einer Redaktionssitzung eingeladen. Dabei wurde über das zuletzt veröffentlichte Heft gesprochen, es wurden Themen für die nächste Ausgabe gesammelt, festgelegt, wer darüber schreibt, es gab Vorschläge für das Titelblatt, die Rückseite und Rubriken wie etwa das Preisrätsel gemacht.
Für jedes Heft habe sich das Redaktionsteam drei bis fünf Mal getroffen, berichtet Uta Müller. Gegen Ende sei es für sie immer stressig geworden, wenn kurz vor Redaktionsschluss noch nicht alle Artikel abgegeben waren, Fotos fehlten und einiges mehr. Bei der letzten Sitzung vor Erscheinen des Hefts sei die ungefähre Reihenfolge der Artikel festgelegt worden. Die endgültige Entscheidung habe bei Gunter Sebastian gelegen, dem stellvertretenden Redaktionsleiter, der seit vielen Jahren für die Gestaltung der Zeitschrift zuständig ist. Das sei mit viel Arbeit verbunden. „Ohne ihn ginge es nicht“, sagt Müller.
Resonanz war durchweg positiv
Und auch ohne die Austräger könne „Die Hambacher ...“ nicht erscheinen. Müller ist es ein besonderes Anliegen, sich bei den 15 bis 20 Ehrenamtlichen zu bedanken, die das Heft im ganzen Ort in die Briefkästen stecken. Ganz nebenbei erwähnt sie, dass auch sie eine dieser Ehrenamtlichen ist. Sie geht mit einigen ihrer Enkel auf Verteiltour. „Wir haben sogar etwa 50 Abonnenten, bis nach Schweden“, berichtet Müller. Das seien überwiegend ehemalige Hambacher.
Gefreut habe sie sich immer darüber, dass die Resonanz durchweg positiv war. „Die Leute haben gefragt, wann die nächste Ausgabe erscheint und wir bekamen Leserbriefe, in denen das Heft gelobt wurde“, erzählt Uta Müller. Sie weiß, dass einige Hambacher jeweils 15 Ausgaben der Zeitschrift binden lassen und so im Lauf der Jahre eine Hambacher Chronik entstanden ist. Ein bisschen stolz sei sie darauf, dass die Zeitschrift dank der Anzeigen immer Gewinn gemacht habe. Den bekam der Förderverein „Die Hambacher ...“ für seine Arbeit im Dorf.
Bislang noch kein Nachfolger gefunden
Das Redaktionsteam blieb viele Jahre weitgehend gleich. Wegen des Alters oder aus anderen privaten Gründen habe mal jemand aufgehört, gelegentlich sei jemand dazu gekommen, so Müller. Ihr habe die Arbeit immer „viel Spaß gemacht“, doch mit 80 Jahren sei es Zeit, aufzuhören. Müller bedauert sehr, dass sich bislang kein Nachfolger gefunden hat. Das Redaktionsteam ist inzwischen etwas geschrumpft und die Jüngsten sind über 60 Jahre alt.
Vielleicht gibt es aber doch eine Fortsetzung, wie Ortsvorsteher Pascal Bender (SPD) auf Anfrage sagt. Beim Hambacher Frühjahrsempfang hatte er vom Ende der Zeitschrift berichtet. Daraufhin hätten sich drei Hambacher gemeldet, „die sich vorstellen könnten“, die Zeitschrift weiterzuführen. Es seien Gespräche geplant. Sie würde das Team mit Rat und Tat unterstützen und auch weiter Artikel schreiben, versichert Uta Müller.