Neustadt Die Fichte gibt den Ton an
Ein echtes Pfälzer Didgeridoo, Klangmöbel, Kistentrommeln, das hölzerne Innenleben einer Orgel, eine Mandoline aus Olivenholz und vieles mehr sind seit Sonntag in Johanniskreuz am Haus der Nachhaltigkeit in der neuen Ausstellung „Holz ist Klang“ zu bestaunen. Die Erkenntnis, dass der verstorbene Sänger Prince auf einer Pfälzer Gitarre spielte, gibt es obendrein.
Holz, das klingen will, muss höchsten Anforderungen genügen: hohe Schallgeschwindigkeit, keine Spannung, keine Astlöcher, enge Jahresringe und natürlich eine Resonanz zum Dahinschmelzen. Beim Rundgang durch die Ausstellung wird deutlich: Unter den Geigen und den Gitarren ist die Fichte absolut tonangebend. Die klingende Fichte wächst aber nicht unbedingt im Pfälzerwald, da ist sich Michael Leschnig, Leiter am Haus der Nachhaltigkeit und Kopf der neuen Ausstellung, sicher. Klangholz erfordere langsames Wachstum. „Solche Bäume wachsen daher eher in den höheren Alpenregionen“, sagt er. Dafür stammen die meisterlichen Hände, die das Naturprodukt in Szene setzen, aus der Region und drücken der Ausstellung einen beeindruckenden Stempel auf. Es sind Handwerksbetriebe wie der des Orgelbaumeisters Andreas J. Schiegnitz aus Albisheim/Grünstadt, der Holzblasinstrumentenmacher Frank Bernhard aus Lambrecht und Volker Dilg aus Göllheim oder der Geigenbaumeister Ernst Käshammer aus Fußgönheim, die in Johanniskreuz vom schlicht aussehenden Holzstück bis zum fertigen Instrument faszinierende Stücke zeigen. Christian Dörr aus Neustadt und Jens Ritter aus Deidesheim beweisen mit ihren Handwerksgitarren, dass jeder Klang vom Holz abhängt. Pfälzer Handwerkskunst wusste auch der Sänger Prince zu schätzen. Er spielte eine „Ritter“-Gitarre, ist auf der Ausstellung zu erfahren. Achim Schnorrenberger aus Erfweiler baut echte Pfälzer Didgeridoos. Die klingen tief und satt und warm. Das stellt die Gruppe „Treeangel“ um den Erbauer bei der Ausstellungseröffnung gleich unter Beweis. Normalerweise leisten Termiten die Hauptarbeit beim Bau eines Didgeridoos. Sie fressen sich durch das Innere eines Eukalyptusstammes, und die Luft hat Platz für viele Töne. Schnorrenberger nimmt das grüne Holz der Buche, der Birke oder auch schon mal vom Obstbaum, spaltet es, höhlt es aus, verleimt es wieder und lässt das Holz trocknen. So geht es in der Pfalz. Brigitte Mannert, Präsidentin der Handwerkskammer, verweist in ihrem Grußwort darauf, dass die Handwerksordnung neun Berufe im Musikinstrumentenbau kennt und dass in der Pfalz genau 30 solcher Betriebe in die Handwerksrolle eingetragen sind. „Vom zarten Pflänzchen bis zum Klangholz verstreichen ganze Generationen“, betont Hermann Bolz, Direktor der Zentralstelle der Forstverwaltung, dass nachhaltiges Denken auch in Zukunft notwendig ist. Ohne lang gewachsenes Klangholz klingt es nur halb so schön. Die Ausstellung ist noch bis zum 25. August geöffnet. Termin In der Ausstellung „Holz ist Klang“ bietet das Haus der Nachhaltigkeit am Sonntag, 26. Juni, 10 bis 16 Uhr, einen Workshop zum Selbstbau eines Cajóns, einer Kistentrommel, an. Anmeldung: www.hdn-pfalz.de, Telefon 06306/9210-130.