Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Die „Classic Mobil“-Tour führt ein Cello-Quartett des SWR-Sinfonieorchesters durch soziale Einrichtungen im Landkreis Bad Dürkheim

Klassische Musik zu den Menschen bringen – am Dienstag zum Beispiel zu den Bewohnern der „Lebenshilfe“ in Bad Dürkheim.
Klassische Musik zu den Menschen bringen – am Dienstag zum Beispiel zu den Bewohnern der »Lebenshilfe« in Bad Dürkheim.

Abseits der Metropolen, Menschen Klassik näherbringen – das ist die Idee hinter dem Format.

„Classic Mobil“ heißt ein Format, bei dem das SWR-Sinfonieorchester seit 2017 regelmäßig in kleinen Besetzungen durchs Sendegebiet tourt und in sozialen Einrichtungen spielt – jetzt war erstmals der Kreis Bad Dürkheim mit 14 Auftritten eines Cello-Quartetts an vier Tagen an der Reihe. Der Besuch bei der „Lebenshilfe“ in Bad Dürkheim am Dienstag zeigte: Das Angebot stieß auf echte Neugier und Begeisterung!

Abseits der Metropolen, Menschen Klassik näherbringen, die sonst aus verschiedensten Gründen wenig Gelegenheit zu Konzertbesuchen haben: weil sie zu weit weg wohnen, nicht (mehr) mobil sind oder einfach bislang noch keinen Bezug zur Musik hatten – das ist die Idee hinter dem Format. Zielorte sind Seniorenheime, Kindergärten, Schulen, aber auch ganz spezielle „Einrichtungen“ wie Gefängnisse. Jeder soll mal live das Klassik-Angebot des Fernseh- und Radiosenders kennenlernen, um dann künftig vielleicht öfter auch das „normale“ Programmangebot zu nutzen. An diesem Tag haben die Cellisten Christoph Hegsch, Wolfgang Düthorn, Markus Tillier und Alexandru Richtberg am Vormittag schon zwei Grundschulen in Dirmstein und Wattenheim besucht. Die „Lebenshilfe“ ist am frühen Nachmittag dran. Danach wird noch das Bürgerspital in Wachenheim angesteuert.

Mission Klassik – zum Beispiel bei der „Lebenshilfe“

Der große Speisesaal der „Lebenshilfe“ füllt sich. Man spürt Spannung und Vorfreude. Werkstattleiter Paul Friedek erklärt, dass er sich freue, den Zuschlag auf seine Bewerbung im Februar erhalten zu haben. „Vielleicht hört man hier danach nicht mehr nur Helene Fischer“, schmunzelt er. Dann beginnt Jasmin Bachmann, Projektmanagerin beim SWR für „Musikvermittlung“, als Moderatorin mit der Vorstellung der Cellisten und zeigt ein Bild des Sinfonieorchesters. „Sooo viele Leute“ - die haben natürlich nicht überall Platz, da aber alle Konzerte aufgezeichnet werden, könne sie jeder im Radio hören.

Und dann geht’s auch gleich musikalisch los: Bachmann erklärt, dass man mit Musik malen könne. Die Zuhörer sollen die Augen schließen und hören, wie ein Cello eine Frage stellt– und ein anderes darauf antwortet. Dann entführt sie die Zuhörer auf eine Fantasiereise in den Sommer und lässt dabei dunkle Wolken und Gewitter aufziehen. Dazu hört man Vivaldis „La Folia“, unterbrochen durch das Mitmach-Kinderlied „Tzadik Katamar“, was ursprünglich mal ein israelischer Tanz war: „Es regnet, es regnet, es blitzt und es donnert, ich schaue und sehe den Regenbogen“. Bei „Blitz“ werden alle dazu animiert, in die Hände zu klatschen, beim Donnern auf die Schenkel. Beim Schauen wird die Hand als Sonnenschutz über die Augen gehalten. Darauf folgt auf „Regenbogen“ eine weit ausschweifende Armbewegung. Durch Steigerung des Rhythmus entsteht ein Tanz. Die meisten im Saal machen – im Sitzen – mit, manche singen sogar, weil sie das Lied kennen. Einige filmen mit ihren Handys. Dann geht die Reise weiter aufs weite Meer: Die wunderschöne Filmmusik von „Fluch der Karibik“ ertönt, und Jasmin Bachmann merkt an, dass man im Hintergrund von Filmen oft ein Sinfonieorchester hören könne. Das sei eine seiner Aufgaben, weil man mit Musik Stimmungen erzeugen könne.

„Wann kommt ihr wieder?“

„Wollt ihr wissen wie ein Schwan klingt?“ Die Cellisten spielen das entsprechende Stück von Camille Saint-Saëns. Dann geht der Auftritt ins Finale: Die Bögen rennen nur so über die Saiten: „Path“ heißt das Stück von „Apokalyptika“, einer finnischen Musikgruppe, die Heavy-Metal-Stücke auf dem Cello spielt. Auf Fingerzeig soll das Publikum „ja“ rufen – statt des üblichen Headbangens. „Ja“ zu klassischer Musik. Die Mission ist gelungen, auch wenn am Ende doch eine Zuhörerin fragt: „Könnt ihr auch Helene Fischer spielen?“ Und: „Wann kommt ihr wieder?“

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