Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Deutschlandtour: Wo Fans die Radprofis sehen können

Die meiste Zeit verbringt Simon Engelhart an der Uni Mainz. Im Pfälzerwald eine Radstrecke zu erforschen, ist ein schöner Ausgle
Die meiste Zeit verbringt Simon Engelhart an der Uni Mainz. Im Pfälzerwald eine Radstrecke zu erforschen, ist ein schöner Ausgleich.

Noch knapp drei Wochen, dann startet die letzte Etappe der Deutschlandtour in Annweiler. Für die RHEINPFALZ hat sich Simon Engelhart aufs Rad gesetzt und ist einen Teil der Strecke, darunter die Bergwertung auf der Kalmit, abgefahren.

Nach einigen Kehren auf der Kalmithöhenstraße ist es so weit: Zum ersten Mal, seit ich in Annweiler losgeradelt bin, höre ich keinen Verkehrslärm mehr – jedenfalls für ein paar Momente, bevor das nächste Auto vorbeifährt. Weniger idyllisch dürfte es an der Kalmit am 25. August werden. Weitaus mehr Rennradfahrer sind dann unterwegs: Die Deutschlandtour startet ihre letzte Etappe in Annweiler.

Zunächst führt die Route durch die Weindörfer um Edenkoben, dann fährt das Peloton die Kalmit hinauf. Dort wird die erste Bergwertung abgenommen. Weiter geht es über Johanniskreuz in Richtung Saarbrücken ins Ziel.

In Albersweiler Bergbeine auspacken

Ein Rennen mit Weltklassefahrern direkt vor der Haustür? Grund genug, sich das anzuschauen: die Orte, die durchfahren werden – selbstverständlich auf dem Rennrad. Also schwinge ich mich in Annweiler aufs Rad. Nach kurzem Einrollen durch Queichhambach werden im Straßenlabyrinth von Albersweiler und Frankweiler die Bergbeine ausgepackt: Hoch und runter geht es – im Rennen ideal für eine frühe Fluchtgruppe.

Ich fahre langsamer. Dafür habe ich den Blick für die charakteristischen Ölpumpen um Nußdorf. Weiter geht es nach Roschbach, wo mit dem RV Edelweiß ein Traditionsverein des pfälzischen Radsports sitzt. Über Hainfeld erreiche ich Flemlingen, wo der kurvige Charakter der Straßen seinen bisherigen Höhepunkt erreicht. Drei fast 90 Grad scharfe Kurven kurz nacheinander: Zum ersten Mal bin ich froh, nicht im hektischen Peloton zu fahren, sondern allein mein Tempo wählen zu können. Wenn die Profis dieselbe Route wie ich nehmen, kann der Weg durch die kleine Gemeinde schnell zum Risiko werden.

Der Tageshöhepunkt: Kalmit

Bergab geht es für mich weiter nach Edenkoben. Noch einmal habe ich Gelegenheit, meine Wasserflasche aufzufüllen, bevor es an meinen Tageshöhepunkt geht. Am Ortsausgang von Edenkoben sehe ich, dass die Straße nach Maikammer gesperrt ist. Kein Problem, dann suche ich mir einfach eine Alternative über die Feldwege, denke ich. Am Ortsausgang wartet ein Schild mit dem Hinweis „geringe Fahrbahnbreite“. Das kann ja heiter werden, wenn im August weit über 100 Radprofis, Mannschaftswagen von 20 Teams, Ärzte, Kommissäre und Journalisten die Kalmit hochjagen. Die Kalmithöhenstraße hat es in sich. Hin und wieder mache ich auf dem steilen Anstieg eine kleine Pause, um meinen Notizblock zu befüllen. So bleibt auch Zeit, die Aussicht zu genießen. Um diese Jahreszeit ist zwar ein großer Teil des Gebüschs bereits zugewachsen. Löcher im Gestrüpp geben jedoch immer wieder den weiten Blick in die Rheinebene frei. Ach die sich windende Straße ist ein Erlebnis. Wer im Rennen auf wertvolle Abstände zu seinen Kontrahenten aus ist, könnte hier auf seine Kosten kommen. Die schmale Straße mit vielen Kehren scheint dem Radsportkenner wie gemacht für frühe Attacken. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreiche ich die Bergwertung auf ziemlich genau 600 Höhenmetern. Einen Höhenunterschied von knapp 400 Metern habe ich seit dem Ortsausgang Maikammers auf fünf Kilometern geschafft. Gut möglich, dass sich im August einige Schaulustige an der Bergwertung versammeln werden.

Über Iggelbach

Für das Fahrerfeld geht es nach der Kalmit auf eine Abfahrt in Richtung der zweiten Bergwertung über Iggelbach nach Johanniskreuz. Für mich geht es in Richtung St. Martin zurück ins Tal. Während der Abfahrt auf der Totenkopfstraße bin ich vorsichtig: Der schnelle Wechsel zwischen Sonne und Schatten auf der Straße gilt unter Radlern als Risikofaktor, weil Feinheiten des Bodenbelags schwerer zu erkennen sind.

Fest steht: Nicht nur landschaftlich, sondern auch sportlich ist das Terrain der Südpfalz reizvoll. Bleibt abzuwarten, wer hier einen Vorsprung herausfahren und vielleicht bis ins Ziel in Saarbrücken halten kann.

Zeitplan

Auch auf der letzten Etappe der Deutschland-Tour von Annweiler nach Saarbrücken am 25. August planen die Organisatoren mit drei unterschiedlichen Geschwindigkeiten im Fahrerfeld und damit mit drei unterschiedlichen Zeitpunkten, an denen die Radprofis bestimmte Orte erreichen. Nach dem scharfen Start in Annweiler um 12.10 Uhr erreichen die Profis Maikammer voraussichtlich um 13.02 Uhr bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 44 Stundenkilometern. Oder um 13.04 Uhr mit durchschnittlich 41 Stundenkilometern. Oder aber um 13.06 Uhr bei im Schnitt 40 Sachen.

  • Kalmit: 13.13 Uhr, 13.15 Uhr oder 13.17 Uhr;
  • Helmbach: 13.30 Uhr, 13.33 Uhr, 13.36 Uhr;
  • Appenthal: 13.34 Uhr, 13.37 Uhr, 13.40 Uhr;
  • Elmstein: 13.35 Uhr, 13.38 Uhr, 13.43 Uhr;
  • Iggelbach: 13.40 Uhr, 13.43 Uhr, 13.47 Uhr;
  • Johanniskreuz: 13.55 Uhr, 13.59 Uhr, 14.04 Uhr.

Quelle: www.deutschland-tour.com

Zur Sache: Was am Renntag geplant ist

Bis ein Radrennen in einer südpfälzischen Kleinstadt gestartet werden kann, ist einiges zu planen. Schließlich fahren die Profis nicht in einem Stadion oder einer Sporthalle, sondern quer durch den Alltag der Pfälzer. Kurzfristige Straßensperrungen, Parkplätze für Mannschaftsbusse oder V.I.P.-Gäste, Streckenposten – alles will vorbereitet sein.

Dazu kam es in Annweiler zu einem Treffen zwischen der veranstaltenden Gesellschaft zur Förderung des Radsports und Vertretern von Stadt und Verbandsgemeinde. DIE RHEINPFALZ war dabei.

Um 12.10 Uhr sollen die Fahrer am 25. August in der Hauptstraße losrollen – direkt vor dem Rathaus. Neutralisiert fährt das Peloton über Queichhambach bis nach Albersweiler, wo gegen 12.35 Uhr der sogenannte scharfe Start erfolgt. Ab hier dürfen die Fahrer attackieren. Vor dem Start müssen sie sich ab 11.15 Uhr auf einer Bühne am Markt einschreiben, um starten zu dürfen.

1500 Zuschauer in Annweiler

Auch Stadt und Verbandsgemeinde möchten ein Programm anbieten, welches gerade finalisiert wird. Etwa 1500 Zuschauer werden in Annweiler erwartet. Verbandsbürgermeister Christian Burkhart sieht neben dem sportlichen Aspekt auch „den Effekt für die Region“. Immerhin wird das Rennen nicht nur im Fernsehsender ARD gezeigt, sondern auch in 190 weiteren Ländern übertragen.

Dass die Stadt unterm Trifels Etappenort ist, hängt mit einem anderen Radrennen zusammen, das in der Südpfalz Fuß gefasst hat: dem Großen Preis der Südlichen Weinstraße. Die Deutschlandtour sei danach auf den Kreis SÜW zugekommen und habe gefragt, ob man mit einer Stadt teilnehmen wolle. Landrat Dietmar Seefeldt habe dann den Kontakt zu Annweiler vermittelt, heißt es.

Wer die Deutschlandtour vor Ort verfolgen möchte, kann sich eine Stelle auf dem detaillierten Streckenplan aussuchen, der im Internet unter https://shorturl.at/gV4Yj zu finden ist. Eine Idee: die erste Bergwertung auf der Kalmit. Dort soll es ebenfalls ein kleines Programm mit Moderation und Musik geben.

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