Nachklapp
Der schönste Tag des Lebens
Mal ne Frage an alle, die verheiratet sind: War die Hochzeit wirklich der (bislang) „schönste Tag im Leben“? Die Hochzeitsbranche suggeriert es. Oder kennt jemand ein Foto von einer Hochzeit im strömenden Regen? Eines, auf dem ein Fettfleck auf der Krawatte des Bräutigams zu sehen ist?
Hochzeiten sind immer häufiger aufwendige Events, bei denen alles stimmen muss. Einfach mal mit den Trauzeugen zum Standesamt marschieren und dann im Vereinsheim feiern ist absolut uncool. So hundert Gäste dürfen es schon sein, und das Ganze muss ein perfekter Tag am perfekten Ort werden. Letzteres ist die erste große Herausforderung, noch bevor es an die Suche nach einem Brautkleid geht (ganz, ganz schwierig, doch das wäre ein anderes Thema). Die „locations“ (für die Älteren: Räumlichkeiten) für die Trauung und die Feier sollten nicht zu klein, nicht zu groß und nicht zu teuer sein, aber trotzdem authentisch und ein bisschen romantisch. Etwas Besonderes halt.
Kommen wir zum Punkt: Was das Angebot an attraktiven Orten für die standesamtliche Trauung angeht, ist die Region ziemlich gut aufgestellt. Deidesheim hat das historische Rathaus und das Teehaus, Lambrecht das Zunfthaus und Maikammer die „gute Stube“ im Haus Rassiga. Auch für auswärtige Paare sind das attraktive Orte für das Ja-Wort, was auch die aktuelle Statistik des Maikammerer Standesamtes bestätigt.
Ob das historische Ambiente, sei es nun in Maikammer, Deidesheim oder Lambrecht, einen Einfluss auf die Dauer der dort geschlossenen Ehen hat? Wir wissen es nicht. Tatsache ist, dass, statistisch gesehen, die Anzahl der Scheidungen seit 2012 kontinuierlich gesunken ist, mit Ausnahme des Jahres 2019 (warum auch immer). Die oft verbreitete Behauptung, dass in Deutschland „jede zweite Ehe geschieden wird“, ist also keineswegs zutreffend. Knapp drei Viertel der Ehen halten lebenslang.
Na, dann lohnt sich der Aufwand ja! Zumindest in den meisten Fällen. Und die Hochzeitsbranche hat auch etwas davon.