Am Rande der Bande RHEINPFALZ Plus Artikel Der SC Neustadt, ein kleines gallisches Wasserball-Dorf

Miraculix’ Zaubertrank brauchte der SCN nicht.
Miraculix’ Zaubertrank brauchte der SCN nicht.

Was die U18-Wasserball-Mannschaft des SC Neustadt mit Asterix, Obelix und Miraculix verbindet. Und warum sie keinen Zaubertrank braucht.

Er möchte keinen Druck aufbauen. Sagte er. Sie sollen mit Spielfreunde in die Partie gegen Spandau gehen. Sagte er. Der erfahrene Jugendtrainer der U18-Wasserballer des SC Neustadt, Peter Jacqué, hat als Coach schon viele Erfolge gefeiert. Doch in der wichtigen Partie in der Vorrunde um die deutsche Meisterschaft in der B-Gruppe gegen Spitzenreiter Spandau 04 Berlin ging es um Platz zwei und damit um das Weiterkommen für das Relegationsturnier. Danach könnten weitere Spiele, sogar erneut um die deutsche Jugendmeisterschaft, folgen.

Vor vielen Jahren war Jacqué mit den Männern in der Wasserball-Bundesliga erfolgreich vertreten. Mit der Vorgängermannschaft der aktuellen U18 belegte er zunächst Platz drei in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Dann holte er sogar 2021 den Vizemeistertitel mit ihr. Doch der grandiose 17:4-Heimsieg am vergangenen Sonntag in einem Rundenspiel der U18-B-Gruppe gegen den bis dahin noch unbesiegten B-Gruppen-Tabellenführer Berlin war ein ganz besonder Erfolg.

So was gab’s noch nie zuvor

Nach dem Spiel versammelte sich das Team zum Mannschaftsfoto. Manager Michael Heinz, der den SCN gerne als kleines „gallisches Wasserballdorf“ vorstellt, das sich im Haifischbecken der großen und bekannten Mannschaften aus den deutschen Wasserballzentren tummelt und dort manchen Coup leistet, freute sich: „Wann hat es schon einmal ein solches Ergebnis gegen Spandau 04 gegeben? Noch nie. In den 80er- und 90er-Jahren holten wir uns gegen Spandau oft eine Klatsche ab. Insofern feiern wir diesen Tag und hoffen, dass unsere Jugendarbeit weitere Früchte trägt.“

Meister der Psychologie

Und wenn wir gerade bei Asterix und den Galliern sind: Vielleicht ist Jugendcoach Peter Jacqué der Miraculix im SCN. Der 75-jährige Pädagoge braut zwar keinen Zaubertrank, aber er ist ein Meister der Psychologie und der jugendgerechten Pädagogik. Wie er für das Match gegen die scheinbar unschlagbaren Spandauer den Schalter bei den SCN-Jungs umlegte, um sie mental auf die schwierige Aufgabe einzustellen, begeisterte alle Zuschauer im Stadionbad. So nahm die SCN-Abwehr die beiden starken Torjäger der Berliner fast völlig aus dem Spiel. Maximilian Borisovkiy und Jermaine Krannich erzielten jeweils nur einen Treffer. Bis zum Spiel in Neustadt hatten sie 42 und 40 Tore auf dem Konto. Und standen auf Platz drei sowie vier der Torjägertabelle. Für Neustadt wirbelten dagegen nicht nur die beiden Neuzugänge Maksim Bahchevanov (6 Tore), und Michail Wolgin (5 Tore), sondern auch der Jüngste des Teams, Matteo Ananias, vor des Gegners Tor. Der 15-Jährige empfahl sich mit vier Treffern für höhere Einsätze, zumal er bereits mit der süddeutschen U16-Landesauswahl im Turnier um den Itze-Gunst-Pokal mit fünf Toren seinen Beitrag zur deutschen U16-Meisterschaft der Ländermannschaft beigesteuert hat.

Verwunderte Fans

Während der Partie gegen Spandau schauten sich die Neustadter Fans immer wieder verwundert an, mit welcher Power, Spielfreude und Harmonie die SCN-Jungs durch das Wasser glitten. Es war eine Neustadter Sternstunde. Nicht nur der Angriff war erfolgreich. Auch in der Abwehr gab es neben etlichen Paraden des SCN-Keepers Kristof Meszaros zahlreiche starke Aktionen zu sehen, mit denen die Jungs den Ball aus der Luft vor den Berlinern herunterpflückten und so die Konter einleiteten. Spandau wirkte dabei von Minute zu Minute hilfloser.

Das Neustadter Publikum erlebte an jenem Sonntag einen wahrlich magischen Nachmittag im Stadionbad. Miraculix und seine Gallier dürfen daher gerne weiter erfolgreich zaubern.

Sie setzten ein Ausrufezeichen gegen Spandau: die U18-Wasserballer des SC Neustadt und ihr Trainer Peter Jacqué (Dritter von lin
Sie setzten ein Ausrufezeichen gegen Spandau: die U18-Wasserballer des SC Neustadt und ihr Trainer Peter Jacqué (Dritter von links).
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