Neustadt
Der Kopfschutz als Aushängeschild
Sie sind etwas klobiger als die Masken, die heutzutage in – und über – aller Munde sind: die Fechtmasken. Christian Lee-Becker und Till Schultz, beide Trainer bei den Pfälzer Schwertlöwen in Neustadt, stülpen sie sich über den Kopf, bevor sie einige Fechtbewegungen demonstrieren.
Lee-Becker und Schultz sind aber keine Fechter, wie man sie aus dem olympischen Fechten kennt. In ihrem 2018 gegründeten Verein wird mit historischen Schwertern trainiert, beispielsweise mit dem Rapir, das aus der Zeit der Renaissance stammt, oder dem Langschwert. „Das kam auf, als das Schwert bürgerlich wurde, etwa 1450“, erklärt Lee-Becker. Ihre Fechttechniken bekämen sie aus historischen Fechtbüchern. Diese würden ins heutige Deutsch übersetzt und dann von den Trainern ausgewertet, die schließlich damit ihre Fechtschüler unterrichten.
Unterschiede zum Olympia-Fechten
Die Schwertlöwen kämpfen nach der spanischen Schule. Lee-Becker erklärt: „Wir fechten im Raum.“ Ein weiterer Unterschied zum Olympia-Fechten, bei dem sich die Gegner nur auf einem schmalen Weg aufeinander zu bewegen.
Wieso macht man das überhaupt? Aus Begeisterung, so Lee-Becker. „Das ist eigentlich das typische Nerdtum“, sagt er und bezieht sich auf das englische Wort Nerd, das für Menschen steht, die ein Spezialinteresse haben. Viele Vereinsmitglieder seien über Fantasy-Reihen auf ihr Hobby gekommen, andere aus Faszination für Geschichte.
Ein Gefühl von Sicherheit
Das schlägt sich auch in der Gestaltung der Masken nieder: Diese bestehen aus einem Stahlgitter, einem Latzschutz und einem Schutz für den Hinterkopf. Und sie sind bei den Schwertlöwen fast ausnahmslos bemalt. Die Motive sind etwa ein pfälzischer Löwe oder ein Fantasy-Monster. „Da geht es dann um persönliche Vorlieben, um Wiedererkennungswert“, meint Lee-Becker, der selbst Streifen auf der Maske hat. „Wie bei Rittern mit ihrem Wappen.“
Die Maske gibt einem ein Gefühl der Sicherheit, sagt Lee-Becker: „Aber die Wahrnehmung von Gefahr lässt ein bisschen nach.“ Natürlich sei das Sichtfeld etwas eingeschränkt, und es würde schnell mal warm – trotzdem sei die Maske das wichtigste Teil der Ausrüstung. „Wir empfehlen, die Maske als erstes anzuschaffen, die meisten Leute kaufen sich aber trotzdem erstmal ein Schwert“, so der Trainer. Der Preis für eine Fechtmaske liege – je nach Hersteller und Modell – bei etwa 140 Euro.
Die Maske ist allerdings nicht der einzige Schutz, den die Fechter haben. Zunächst einmal gibt es da noch stichfeste Fechtjacken und Handschuhe. Aber das Wichtigste ist laut Lee-Becker: „Respekt, Vorsicht und Grenzen.“ Die Waffen würden behandelt wie scharfe Waffen – obwohl die Spitzen mit einer Schutzvorrichtung aus Patronenhülsen, Fahrradschlauch und Isolierband abgesichert seien. Selbst ein Schlag auf die Maske fühle sich „gar nicht schlimm“ an.
„Es geht außerdem nicht ums feste Hauen, sondern um Technik, um Bewegungsabläufe“, so Lee-Becker. Ein guter Fechter brauche gar nicht viel Kraft – im Gegenteil. In den historischen Fechtbüchern seien rüpelhafte Kämpfer mit Kraft, aber wenig Technikbegabung sogar als „Büffel am Schwert“ verschrien.