Neustadt
Der aus Neustadt stammende Sänger Heinrich Lüneburg gibt eines seiner seltenen Gastspiel in der alten Heimat
Heinrich Lüneburg lebt und wirkt seit über 35 Jahren als Sänger und Gesangspädagoge im Raum München, seine „musikalische Sozialisation“ aber verdankt er seiner Geburtsstadt Neustadt, wie er im Gespräch gerne betont. Trotzdem waren Konzerte in der Pfalz in den letzten Jahren eher selten – jetzt aber gibt er mal wieder eines: am Samstag, 26. Oktober, in der Benefizreihe für die Haßlocher Turm-Initiative.
Neustadt/Haßloch. Heinrich Lüneburg erinnert sich gerne an die musikalischen Wegbegleiter seiner Jugend – und berichtet äußerst farbig von den Verhältnissen „im vorigen Jahrhundert“. Von dem Mann zum Beispiel, dem er hauptsächlich den Einstieg in die Musik verdankt: „Am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium motivierte mich mein Musiklehrer Jörg Sebastian Schmidt. Ich spielte Cello im Orchester, Schmidt entdeckte auch mein Talent im Gesang“, erzählt er. Dank Schmidts Vermittlung habe er dann Gesangsunterricht bei Rosemarie Bühler-Fey erhalten, die am Nationaltheater Mannheim und später als Professorin an der Musikhochschule des Saarlandes wirkte. „Sie hat mich nach dem Abitur 1980 zu Proben in Bad Hersfeld mitgenommen, dort durfte ich bei den Festspielen in der Hersfelder Stiftsruine eine kleine Rolle spielen. Es war so beeindruckend und faszinierend, plötzlich auf einer richtigen Opernbühne zu stehen“, erinnert er sich. „Das hat bei mir den Funken entfacht, Gesang zu studieren.“ Das setzte Lüneburg nach dem Zivildienst an der Musikhochschule in München dann auch prompt in die Tat um.
„Ich zehre heute noch von dieser Neustadter Basis“, sagt Lüneburg
„Es sind drei musikalische Standbeine, die mich mit Neustadt verbinden“, betont Lüneburg. „Ich zehre heute noch von dieser Basis.“ Neben der Förderung am KRG waren dies der Kammerchor der Neustadter Stiftskantorei unter Leitung von Ulrich Loschky und die Evangelische Jugendkantorei der Pfalz unter Heinz Markus Göttsche. „Im Kammerchor waren viele junge Leute, auch aus Loschkys Orgelseminar. Wir verstanden uns sehr gut und organisierten beispielsweise selbständig eigene Konzerte mit Gesang und Instrumenten in Kirchen der Region“, so Lüneburg. Orgelunterricht hatte er auch bei Gero Kaleschke, bis heute Orgelsachverständiger der Evangelischen Kirche der Pfalz. Als große musikalische Familie empfand er die Jugendkantorei der Pfalz. „Göttsche hat mich sehr gefördert, wir haben alle großen Werke der Kirchenmusik einstudiert und viele Konzertreisen unternommen, das war eine wunderbare Zeit“, kann er sich heute noch begeistern.
Seit über 30 Jahren unterrichtet der Sänger in einem eigenen Studio in München
Die musikalische Prägung führte Lüneburg zum Studium Sologesang in München mit den Abschlüssen Konzertgesang und Gesangspädagogik. „Ich habe gerne Konzerte gesungen, merkte auf der anderen Seite aber auch, dass die Opernbühne nicht meine Sache ist“, so Lüneburg. „Deshalb entschloss ich mich, meinen Schwerpunkt auf den Gesangsunterricht zu legen.“ Lüneburg leitet seit 1987 eine Sologesangsklasse an der Sing- und Musikschule der Stadt Memmingen, war zwölf Jahre als Dozent für Gesang an der Ludwig-Maximilian-Universität München tätig. Seit über 30 Jahren unterrichtet er zudem in einem eigenen Gesangsstudio in München. Zu seinen Schülern zählen Jugendliche, die ihr Abitur mit Additum-Fach Gesang ablegen, er bereitet angehende Gesangsstudenten auf die Aufnahmeprüfung an Musikhochschulen vor, unterrichtet sowohl Laiensänger mit solistischen Ambitionen als auch professionelle Chorsänger und Solisten von namhaften Opernhäusern. Seine jahrelange Chorsängererfahrung unter anderem auch beim Stuttgarter Kammerchor kommt ihm bei der Stimmbildung für Choristen und Ensembles zugute.
Seit Lüneburg seinen Wirkungskreis in München hat, konzertierte er nur noch selten in der Pfalz, auch wenn ihn familiäre Bande regelmäßig hierher führen. So sagte er auch gerne zu, als die Haßlocher Turm-Initiative ihn um Unterstützung ihrer Benefizkonzert-Reihe zugunsten der Turmerhaltung bat. Geistliche Werke von Schütz, Händel und Bach für Singstimme und Orgel sowie Orgelwerke von Buxtehude und Bach, interpretiert vom Bad Dürkheimer Bezirkskantor Johannes Fiedler, setzen die barocken Schwerpunkte. Den Abschluss bildet die Romantik mit den „Vier ernsten Gesängen“ von Brahms.
Termin
Heinrich Lüneburg (Bass) und Johannes Fiedler (Orgel) konzertieren am Samstag, 26. Oktober, um 19 Uhr beim 32. Benefizkonzert der Turm-Initiative in der Haßlocher Christuskirche. Der Eintritt frei, Spenden kommen der Sanierung des gotischen Chorraums der früheren Ulrichskapelle aus dem 14. Jahrhundert zugute.