Radsport
Der 33. Kalmit-Klapprad-Cup hebt ab
„Flieger, grüß’ mir die Sonne! – Vom Nordpol zur Kalmit ist nur ein Katzensprung! – Wir treten das Klapprad bei jeder Witterung!“
Am Samstag ertönt das Fliegerlied am Ortsrand von Maydaykammer. „Wir gucken, dass wir am Samstag am Start auch gemeinsam singen“, kündigt Holger Gockel vor dem 33. Rennen um den Kalmit-Klapprad-Cup an. Schließlich sei dies gemeinschaftsfördernd. Er ist „nur zweiter Vorsitzender“ des Pfälzer Klappvereins, der das Rennen ab dem neuen Maikammer Vineyard International Airport MKR ausrichtet. Gockel ist zudem Pressesprecher und Fachwart für Klapprad-Ästhetik sowie Oberlippenfrisuren. Und dass das Liedgut zum Motto passt, ist selbstverständlich. „Nur Klappen ist schöner – Ready for klapp off“ lautet diesmal der Slogan. 969 Pilotinnen und Piloten, 30 Doppeldecker, 25 Kinder werden das Rollfeld in Maydaykammer nahe Airdenkoben füllen, darunter „Überflieger, geistige Tiefflieger und Klapperstörche.“
Skandal um Schalterhalle
Im Vorfeld des Rennens auf Klapprädern, an denen laut den strengen Regeln des Pfälzer Klappvereins keine Schaltung geduldet ist, ist es allerdings zu einem riesigen Skandal gekommen: Zwar soll am Samstag der neue Maikammer Vineyard International Airport MKR eröffnet werden. Doch ob der Neubau pünktlich fertig wird, ist fraglich, hat doch der Klappverein den Bau einer Schalterhalle bislang verhindert. „Wenn das gut geht mit der Eröffnung, hat der neue Maikammerer Bürgermeister Markus Sell ganze Arbeit geleistet“, sagt Gockel. Dafür dürfe er am Samstag ein Band durchschneiden.
Diesmal gibt es einen neuen Startmodus, der nicht unbedingt allen die gleichen Bedingungen verschafft. Statt Startnummern erhalten die Teilnehmer Bordkarten. „Wer gewinnen will, muss ganz vorne sitzen“, betont Holger Gockel. Ganz vorne, das heißt in diesem Fall First Class, also in der ersten Klasse. Die reiche, so Gockel, bis Sitzreihe 69 – dort allerdings von A bis Z. Ab Reihe 70 folge die Economy Class, die niedrigste Buchungsklasse. „Man sitzt dort etwas beengt und startet später“, verdeutlicht der Pressesprecher die Nachteile. „Die First Class wird bevorzugt behandelt.“ Wer gewinnen wolle, müsse deshalb etwas investieren. Erste-Klasse-Passagiere zahlten deshalb für ihr Flugticket auf die Kalmit zehn Euro extra. „Dafür dürfen sie Übergepäck mitnehmen und haben auch eine bessere Toilette“, hebt Gockel hervor. „Unser Gag wird sein, dass Leute, die Economy Class gebucht haben, das auch spüren werden.“ Ein kleiner Trost: Nach 32 Klappradrennen wissen die Verantwortlichen im Pfälzer Klappverein aus Erfahrung, dass „hinten meistens die Stimmung besser ist“. Take-off für die Erste Klasse ist um 15 Uhr. Erst um 15.05 Uhr geht die zweite Klasse in die Luft.
Kerosin- und Gummigeruch
Ob HB-Männchen, Pfälzer Klappwings, Hair Berlin, Klapp Air, Luftpumpenhansa oder SpeyAir Wings & Wheels: Es wird laut beim Start, wenn die Jets abheben, warnt Holger Gockel. Auch Kerosin- und Gummigeruch würden zu riechen sein. „Wir kennen keine Flugscham, lassen unseren Flug-Riesling über dem Pfälzerwald literweise ab und malen Kondensstreifen in den Pfälzer Himmel“, droht der Klappverein an. Und erklärt den Sinn der Fliegerei: „Im letzten Jahr kam es an der Kalmit zu großen Staus im Ziel. Mit der quälenden Kurbelei-Tieffliegerei ist es jetzt vorbei! Wir gehen in die Luft und düsen Luftlinie ohne Warteschleife auf die Kalmit hinauf.“
84-jähriger Pilot
Wenn Flieger abheben, sind nicht nur Piloten im Einsatz. Auch Stewardessen werden an Bord sein und vor dem Start die vorgeschriebenen Sicherheitshinweise geben und die richtige Verwendung der Schwimmwesten erklären. Die Saftschubsen werden ebenfalls den obligatorischen Tomatensaft ausschenken und gegebenenfalls Kotztüten verteilen. Denn im Kurzstreckenflug auf die Kalmit müsse mit Turbulenzen gerechnet werden, warnt der Klappverein. Ob die Stewardessen der Grund dafür sind, dass der Frauenanteil im Teilnehmerfeld am Samstag bei hohen 19 Prozent liegt, sei dahingestellt. „Aber es werden immer mehr Frauen“, betont Gockel. Wichtig ist ihm, dass wieder viele Kinder mitmachen, „immerhin liegt der Altersschnitt bei 46 Jahren“. Die jüngste Copilotin sei zwei Jahre alt, der jüngste Selbstflieger sieben. Ältester Pilot ist ein Mußbacher mit 84 Jahren. „Er war mindestens schon sechsmal dabei“, überlegt Gockel.
Der Mußbacher darf sich ebenso wie der schnellste Pilot und die schnellste Pilotin auf ein Unikat freuen: Der Freiburger Oliver Baur recycelt Fahrradschrott und schweißt daraus Pokale zusammen. Der Frauenpokal sei eine Figur, die drei Schnüre in der Hand halte mit jeweils einem Vogel am Ende – sie lasse sich auf ihrem Klapprad auf die Kalmit fliegen, erzählt Gockel. Der Herrenpokal stelle einen Fallschirmspringer dar. Der älteste Pilot erhalte einen König, der auf einem Thron sitze. „Die Pokale sind unbezahlbar, passen immer zum Motto“, hebt Gockel hervor.
Fluglotsen streiken
Außer Turbulenzen während des Flugs droht den Fliegern übrigens noch ein folgenreicher Fluglotsenstreik: Der Rückflug fällt aus. Stattdessen gibt es ersatzweise einen Fußmarsch für alle gemeinsam zurück zum Abflughafen.
Und noch ein Übrigens: Bevor vor knapp zwei Wochen die Deutschland-Tour für Radprofis über die Kalmit geführt hat, hat der ehemalige Profi und jetzige Tourchef Fabian Wegmann vom Klappverein ein Klapprad geschenkt bekommen. Im Tiefflug auf die Kalmit wird er am Samstag aber nicht dabei sein. „Er muss erst noch lernen, nur mit einem Gang zu fahren“, erklärt Holger Gockel dies. Als früherer Profi habe Wegmann schließlich jahrelang Schaltungsmissbrauch getrieben.
Informationen/Zeitplan
Klapprad-Cup im Internet unter https://shorturl.at/oK6yb und https://shorturl.at/qbrwW
auf Instagram unter https://www.instagram.com/kalmit.klapprad.cup
Zeitplan: 11 bis 14 Uhr: Check-in an den Nicht-Schaltern. Sicherheitskontrolle, Gepäckabgabe und Ausgabe der Bordkarten. Pilotinnen und Piloten, mit besonderen Fluggeräten können vor einer Jury eine Flugnummer vorführen und Preise gewinnen. Fototermin: Planespotting der tollkühnen Klappradlern in ihren fliegenden Kisten.
14.30 bis 18 Uhr: Sperrung des Luftraums über der Kalmit für alle Autos und Fahrräder ohne Scharnier.
14.30 Uhr: Boarding Gate K1, First Class – Sitzreihe 1 bis 69.
14.40 Uhr: Boarding Gate K1, Economy Class – Sitzreihe 70 bis 300.
14.45 Uhr: Pre-flight Safety Instruction Demonstration, Scharnier-Check und Sicherheitsbelehrung.
14.55 Uhr offizielle Flughafeneröffnung des Maikammer Vineyard Airport International mit Bürgermeister Markus Sell. 15 Uhr: Take-off First Class.
15.05 Uhr: Take-off Economy Class.
15 bis 18 Uhr: Musik. Die Hot-Four-Jet-Streams-Band spielt am Abflughafen und unterhält Bodenpersonal und Planespotter. Im Ziel spielen die Zielmusikanten.1
8 Uhr Siegerehrung am Abflughafen.