Neustadt Den quälenden Abstiegsgedanken einfach verjagt

. So schön kann Wasserball sein, auch wenn es „nur“ in den Playdowns der Deutschen Wasserball-Liga (DWL) stattfindet. Für den am Wochenende gastgebenden SC Wedding, Vierter in der B-Gruppe der 1. Bundesliga, und den gastierenden SC Neustadt aus dem aus Richtung der Hauptstadt gesehen tiefen Süden, ging es um „Drinbleiben“ oder Gefahr zu laufen, „rauszufliegen“. Aus nämlicher DWL, die in zwei Achter-Gruppen (A und B) die 16 besten Teams der Sportart hierzulande vereint. Seit zwei Jahren sind die Neustadter nach früheren Intermezzi wieder „drin“, nun – so viel steht nach dem erlebnisreichen Wochenende in der Hauptstadt fest – wird eine weitere Saison folgen. 9:7 hatte der SCN vor Wochenfrist den Heimauftakt der Best-of-Three-Serie gewonnen, allzu viel hatte das aber noch nicht zu sagen. Denn es folgte nun ein Samstag/Sonntag-Doppelspieltag, an dem die Nordberliner zweimal Heimrecht hatten. „Wir sind nicht unbedingt davon ausgegangen, dass wir die Nase vorn haben, aber eins wussten wir – wir werden kämpfen bis zum Ende“, kommentierte Trainer Janusz Gogola, der mit seinem Team schon am Freitag in der Hauptstadt angereist war. Den Vorteil für die Seinen sah er im Druck, den die Weddinger Mannschaft nun hatte. Und Neustadt wusste das schon in der Samstagspartie ganz gut auszunutzen. Zwar verlief die Partie mit wechselnden Führungen lange Zeit ausgeglichen und bis zum 6:6 anfangs des dritten Viertels ziemlich ausgeglichen, aber dann zog Wedding auf 10:7 davon, baute den Vorsprung bis zum Ende auf 12:8 aus. Das hätte psychologisch für die Gäste der Genickbruch sein können, aber er war es nicht. „Im ersten Match hatten wir uns ein bisschen blöd angestellt“, gab Kapitän Matthias Held hinterher zu. Doch am Abend danach, so der 30-jährige, der als Neustadter „Eingeborener“ zu den SCN-Urgesteinen gehört, habe man sich „in die Hand versprochen, noch mal alles zu geben und den Klassenerhalt so schnell wie möglich zu sichern“. Als Kapitän, so fügte Matthias Held an, habe man ja auch gewissermaßen die Pflicht, „vornweg zu gehen, und daran habe ich mich gehalten“. In der Tat: Seine vier Tore beim Neustadter 10:9 (2:3,5:2,2:2,1:2) gestern Nachmittag waren eine der Neustadter Stärken neben Michael Knelangens Klasse-Torhüterparaden, der Abwehr-, Verteiler- und Abschlussübersicht von Oldie Stefan Ehrenklau und der nimmermüden Leidenschaft und Einsatzbereitschaft des gesamten Teams. Zwar sahen sich die Gastgeber immer mal wieder von den Schiedsrichtern benachteiligt, „aber ich denke, das hat beide Seiten getroffen – vor allem in der hektischen Schlussphase“, sagte der sichtlich erleichterte Janusz Gogola, der erst mal eine Zigarette zur Beruhigung brauchte. „Ich bin stolz auf die Jungs. Wir haben unseren Sieg weder den Referees noch der vermeintlichen Weddinger Schwäche, sondern unserem Mut zu verdanken, mit dem wir unser Schicksal in beide Hände genommen haben“, sagte der 40-jährige Ehrenklau, der „mit dieser Truppe nun wohl erst mal noch ein bisschen weitermachen wird.“ Die Saison wird für den SC Neustadt nun mit Platzierungsspielen für Ränge 9 bis 12 fortgesetzt, Gegner ist dabei zunächst Favorit Krefeld 72. Eine Art Ehrenrunde in der Bundesliga. Zuvor aber steht ein lange geplantes Trainingslager in Ungarn an, das ebenso ernst genommen wie zur körperlichen und geistigen Auflockerung genutzt werden soll. Gogola, der seit mehr als 30 Jahren Wasserball-Trainer ist und sich vor den Playdowns in Wedding mit dem Alpgedanken quälte „30 Jahre Trainer, und jetzt steigst Du ab!“, hat diesen mit Hilfe seiner Wasserball-Schützlinge einfach verjagt. Unterstützung hatten Trainer und Mannschaft dabei unter anderem auch vom wohl prominentesten Neustadter Wasserballer Moritz Oeler, der 2005 vom SCN nach Cannstatt wechselte, dort 2006 Meister wurde und danach zu Spandau 04 weiterzog, wo er auch heute aktiv ist. Am Samstag war er vor Ort, als Neustadt 8:12 verlor, am Sonntag schaffte das Team auch ohne ihn den Verbleib in der Bundesliga. Aber positiv gewirkt hat die Visite auch so: „Ich finde es gut, dass solch ein Ausnahmewasserballer heute noch weiß, wo er hergekommen ist“, sagt Matthias Held, der mit Oeler seit Jugendzeiten immer in Verbindung geblieben ist.