Neustadt Dem Elefanten eine kleben
Feinsäuberlich sortiert und von durchsichtigen Folien geschützt lagen sie da, die Briefmarken, Münzen und Kataloge. Wurden begutachtet, verkauft und gehandelt. Beim dritten Briefmarken-Großtauschtag des BSV Neustadt in Lachen-Speyerdorf schlugen deshalb viele Sammlerherzen höher.
Es ist ruhig in der Alten Turnhalle in Lachen-Speyerdorf. Die Tische liegen voller Briefmarken, Münzen und Kataloge. Sammler stehen versunken an Kartons voller Postkarten mit Briefmarken oder Wertstempeln, sogenannten Ganzsachen, und nur zum Sammeln erstellten Ersttagsbriefen. Aussteller sortieren ihre Alben, und an einzelnen Tischen sitzen Kunden, leise murmelnd in Gespräche vertieft. Es ist der dritte Briefmarken-Großtauschtag in Lachen-Speyerdorf, den der Briefmarkensammlerverein (BSV) Neustadt an wechselnden Orten und unter verschiedenen Bezeichnungen bereits seit den fünfziger Jahren organisiert. Vereinsmitglieder dürfen dort ihre Stände kostenlos aufstellen, tauschen und handeln, wie Uwe Diehlmann, der erste Vorsitzende des Vereins, erläutert. Eines der teuersten Angebote der Ausstellung sind vier Briefmarken, Nothilfeblock, 1933 gestempelt, mit einem Handelswert von über 5000 Euro, berichtet zweiter Vorsitzende Valentin Munz. Auf der Jagd nach Schätzen in Wühlkisten, die sein Sammlerherz höher schlagen lassen, ist der langjährige Sammler Heiko Lenz aus Dannstadt-Schauernheim. Er steht mit Johannes Maurer am Stand von Burkhard Magin aus Worms. Maurer ist 18 Jahre alt, aus dem Ortsverein Haßloch des BSV und mehrfacher Ausstellungspreisträger, wie Ausstellungsleiter Reinhard Lingenfelder erklärt. „Im Moment ist ein weiterer Teil meiner Sammlung in Finnland ausgestellt“, berichtet Maurer, wo er ebenfalls auf gute Bewertungen hofft. Voraussetzung für einen solchen Wettbewerb ist, ein Thema auszuwählen und dazu einen passenden Ausstellungsbeitrag zusammenzustellen. Eine Fachjury bewertet diesen anschließend. In Neustadt zu sehen gab es die besten Beiträge von Kindern und Jugendlichen in der Jugendecke bei Alois Schneider. „Für Motivsammler gibt es immer etwas zu tun“, lacht Schneider. Sie sammelten Briefmarken motivgenau zu Themen wie Walt Disney, Wappen der Bundesländer, Uhrzeittieren oder Zivilisationskrankheiten und stellten sie von Zeit zu Zeit aus. Die Landesherkunft sei dabei gleichgültig. Ein paar Schritte weiter steht ein Pappmaché-Elefant, dem ein junger Gast gerade wieder „eine geklebt hat“ – Briefmarke nämlich auf den flächigen, grauen Köper. Wenn das Ausstellungsstück keine „nackte Haut“ mehr zeige, soll der „Briefmarkenelefant“ in einer der nächsten Ausstellungen versteigert werden, sagt Schneider. Auch Münzen sind ausgelegt, die ein davorsitzendes Ehepaar allerdings nicht kaufen möchte. Es hat eigene Münzen zum Schätzen mitgebracht, während ein weiterer Interessent sich einen Stand weiter zahlreiche Einzelmarken zusammen stellen lässt, um Lücken in seinen Alben zu füllen. Anderswo erwecken auch die nach Themen sortierten und frankierten Postkarten das Interesse – echt gelaufen, ohne Gefälligkeitsstempel, die neben Allgemeinplätzen wie „Landschaften“ oder „Pflanzen“ auch „Akt“, „Erotik“ und „Alkohol“ nicht auslassen. Denn auch beim Briefmarkensammeln gibt es Trends, wie Magin erzählt. Briefmarken zum Dritten Reich beispielsweise hätten mittlerweile auch international mehr Interessenten, in Frankreich und Amerika zum Beispiel, sagt Helmut Buchinger aus Rodalben: „Wenn ich in Florida bin, bekomme ich die förmlich aus der Hand gerissen.“ Noch auf der Suche nach den richtigen Marken ist dagegen Nischensammler Bernd Pickert. Der Zweibrücker sieht sich beim Großtauschtag nach Inflationsgeldscheinen um. Ob er welche unter den Ausstellungsstücken gefunden hat?