Neustadt Deidesheimerin promoviert zum Thema Weinmarketing
Katharina Hauck geht in ihrer Dissertation an der Hochschule Geisenheim der Frage nach, wie Winzer ihren Wein erfolgreich im internationalen Markt platzieren können.
Ihre Worte sind deutlich, auch wenn der eine oder andere Berufskollege in der Weinbranche diese Sätze nicht gerne hört. Katharina Hauck blickt bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit nicht nur über den Tellerrand, sondern auch mal durch das Weinglas. Die 28-jährige Doktorandin am Institut für Wein- und Getränkewirtschaft an der Hochschule in Geisenheim ist auf der Suche nach Fakten und Informationen, die die Branche weiterbringen. Dabei schreibt die Deidesheimerin ihre Dissertation noch nicht einmal über Social Media, ihr Lieblingsthema, sondern analysiert die Vermarktung von Bio-Wein in Deutschland. Hauck gilt jetzt schon als Expertin bei der Positionierung, der Erstellung des Marketingplans und der Umsetzung der Marketingmaßnahmen mit Schwerpunkt Soziale Medien. Aber nicht nur praktisch ist Hauck eine gefragte Ansprechpartnerin in der Branche. Jüngst gewann sie mit der Vorstellung ihrer Forschung über Social Media und Wein den Nachwuchswissenschaftlerpreis des Wine Graduate’s Forum im Fachbereich Marketing. Mit ihrer Forschung möchte sie nützliche Empfehlungen für die Praxis entwickeln. Ein Grund, weshalb die junge Frau stets mit den Betrieben, aber auch mit dem Endverbraucher im Dialog steht. „Mir ist es wichtig zu wissen, was sich auf dem nationalen und internationalen Weinmarkt tut, und zu verstehen, wie der Konsument denkt und handelt“, erzählt Hauck.
Der Schlüssel zum Erfolg
„Der Winzer muss wissen, dass der internationale Weinmarkt ein Verdrängungswettbewerb ist und er als Betrieb nur mit einer klaren Positionierung erfolgreich sein wird“, sagt Hauck. „Wenn man forscht, ist es von Vorteil, die Strukturen der Branche zu kennen. Nur so kann man realitätsnahe Lösungen für die Winzer finden.“ Bei ihrer Beratung geht es darum, die Dinge herauszukristallisieren, die einen Betrieb einzigartig machen. „Viele wissen das gar nicht“, so Hauck. „Man sollte es aber wissen, um Strategie und Zielgruppe zu definieren.“ Worte, die nicht jeder Winzer gern hört. „Ansonsten ist jeder Betrieb austauschbar“, erklärt Hauck. Die klare Positionierung ist für sie das A und O, und daraus sollten alle anderen Marketingmaßnahmen abgeleitet werden. Der Schlüssel zum Erfolg sei neben der Positionierung die Kommunikation. So ist Social Media nicht nur Haucks Steckenpferd geworden – sie nennt es das wichtigste Informations- und Kommunikationsmedium der heutigen Zeit. Kommunikation spielt auch in ihrer Dissertation eine Rolle, bei der sie sich mit der Vermarktung von Bio-Weinen auseinandersetzt. Keine einfache Angelegenheit. „Wie werden Bio-Weine vom Produzenten und dem Handel kommuniziert? Was versteht der Konsument unter Bio-Weinen? Ist er dazu bereit, mehr pro Flasche zu bezahlen?“ Fragen, denen Hauck bis Ende 2020 nachgeht.
Konzepte von anderen nicht nachahmen
Rund zehn Prozent der gesamten deutschen Rebfläche werden biologisch bearbeitet, Tendenz steigend. Allerdings ist dies nicht auf eine steigende Nachfrage zurückzuführen. Laut ihrer Ergebnisse ist die eigene Überzeugung der Winzer ausschlaggebend für eine Umstellung und nicht der steigende Bedarf am Markt. Diese ersten Erkenntnisse wird sie im Januar auf der AWBR (Academy of Wine Business Research) in Stellenbosch, Südafrika, vorstellen. „Darauf freue ich mich sehr. Es ist meine erste Reise nach Südafrika und eine tolle Möglichkeit, andere internationale Forscher kennenzulernen und sich auszutauschen.“ Neben ihrer intensiven wissenschaftlichen Arbeit findet Hauck noch Zeit, nebenberuflich Winzer-Kollegen im eigenen Unternehmen „Von und Zu Wein“ zu beraten und auch Weiterbildungsseminare anzubieten. Sie warnt davor, Konzepte von Berufskollegen einfach nachzuahmen. „Das wird gerne getan, ist aber selten erfolgreich.“ Entscheidend sei das Finden der eigenen Stärke und eine Positionierung, die zum jeweiligen Winzertyp passt.
2017 eigenen Wein produziert
Die Deidesheimerin hat nicht nur ihren Bachelor in Weinbetriebswirtschaftslehre in Heilbronn gemacht, sondern auch berufsbegleitend ihren Master in Internationalem Weinmarketing an der Fachhochschule Burgenland in Österreich abgeschlossen. Damit sie auch bei der Weinherstellung weiß, wovon sie redet, schloss sie sich mit dem Weingut Hammel in Kirchheim und zwei seiner Angestellten zusammen und produzierte 2017 einen eigenen Wein, genannt Dreifaltigkeit. Carla, Katharina und Tim liest sich auf dem Etikett. Neben den drei Weinfreunden stecken die drei Rebsorten Sauvignon Blanc, Scheurebe und Grüner Veltliner in dem Wein, der über ein Jahr in drei unterschiedlichen Fässern, zwei Barriques aus amerikanischer und deutscher Eiche und einem Tonneau aus französischer Eiche, ausgebaut wurde. Hauck sammelte zuvor auch bei den Betrieben Von Winning in Deidesheim, Wine & Partners in Wien sowie am Weincampus in Neustadt berufliche Erfahrungen, ehe sie dem Ruf an die Hochschule Geisenheim an den Lehrstuhl von Prof. Dr. Gergely Szolnoki folgte.