Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Deidesheimer erinnern an Wohltäter und Opfer des NS-Terrors Oswald Hugo Feis

Die neue Tafel am Eingang zur ehemaligen Synagoge in Deidesheim erinnert an Oswald Hugo Feis.
Die neue Tafel am Eingang zur ehemaligen Synagoge in Deidesheim erinnert an Oswald Hugo Feis.

Zu Ehren von Oswald Hugo Feis und in Erinnerung an sein Wirken enthüllten Mitglieder des Freundeskreises ehemalige Deidesheimer Synagoge mit Stadtbürgermeister Manfred Dörr eine Gedenktafel vor dem Eingang und benannten den Vorraum der Synagoge in „Oswald-Hugo-Feis-Hof“.

Trotz zeitweilig strömenden Regens gedachten am Montagabend viele Deidesheimer Bürger des jüdischen Mitbürgers und ehemaligen Stadtrats und Weinhändlers Oswald Hugo Feis, der 1940 von Nationalsozialisten in der Euthanasieanstalt Schloß Hartheim bei Linz ermordet worden war.

In seiner Begrüßung ging Professor Dr. Georg Maybaum, Vorsitzender des Freundeskreises, auf das Wirken Feis’ näher ein. Dieser führte zu Lebzeiten mit seinem Bruder Richard in Deidesheim die von den Eltern geerbte Weingroßhandlung und das Weingut Louis Feis im Kathrinenbild 1. Der Kaufmann hatte in den 1920er Jahren des letzten Jahrhunderts auf einer Geschäftsreise in London eine Marienstatue entdeckt und ersteigert. Er hatte sie dann der katholischen Pfarrei St. Ulrich in Deidesheim gestiftet. Dort steht sie heute noch. „Das letzte Lebenszeichen von Oswald Hugo Feis stammte vom 11. September 1940, als er an die in der Heumarktstraße 1 wohnende jüdische Familie Reinach die flehentliche Bitte richtete, sich zu melden“, sagte Maybaum, der heute gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Birgit Franz dieses Objekt bewohnt.

„Auf das Tiefste gedemütigt“

„Es muss eine bizarre Situation gewesen sein, als am 10. November 1938 eine Meute Nazis die Wohnung von Oswald Hugo Feis verwüstet, ihn ausgeraubt und auf das Tiefste gedemütigt hatte“, sagte Stadtbürgermeister Manfred Dörr. Was damals einem verdienten Mitbürger geschah, der 28 Jahre ununterbrochen im Stadtrat gesessen und bei den Deidesheimern als Wohltäter gegolten habe, sei in höchstem Maße verwerflich, unmenschlich, entwürdigend und menschenverachtend gewesen. „Hier zeigte sich die Fratze der Macht und die Gesinnung der Nazi-Schergen, die später zu millionenfachem Elend, Leid und Tod führte“, erinnerte Dörr. „Was Oswald Hugo Feis geschehen ist, der ein ganz normaler Bürger war, wie Historiker Berthold Schnabel treffend recherchiert und beschrieben hat, das darf sich nie mehr wiederholen“.

„80 Jahre nach den Deportationen und 75 Jahre nach dem Ende des NS-Regimes ehren wir stellvertretend für die vielen Opfer einen Mann, dessen Wirken lange Zeit im Verborgenen lag“, sagte Stadtrat Achim Schulze und erinnerte an die Diskussionen im Stadtrat. So habe der Freundeskreis mit finanzieller Unterstützung der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungsinitiativen zur NS-Zeit in Rheinland-Pfalz eine Gedenktafel erstellen lassen. „Man sichert sich die Zukunft, wenn man die Vergangenheit ehrt. Man ehrt also die Vergangenheit, wenn man sich kritisch damit auseinandersetzt, indem man abwägen lernt, was richtig sein kann und falsch sein muss“, so Schulze. „Die Anbringung der Platte zum Andenken an den jüdischen Mitbürger und an das jahrzehntelange Stadtratsmitglied hat eine hohe Symbolkraft und steht für alle, die unter dem Nationalsozialismus zu leiden hatten und mit dieser Diktatur nicht einverstanden waren“, sagte Schulze.

„Wir müssen wachsam sein, wir müssen genau hinschauen und hinhören, wenn um uns herum Unrecht geschieht und wir müssen aktiv Stellung beziehen“, rief Dörr zu Wachsamkeit auf. „Lassen wir nicht nach, durch Erinnern und Gedenken, aber auch durch mutiges Handeln den verbrecherischen Umtrieben entgegenzustehen“.

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