Neustadt
Deidesheim: „Wunschtheater“ feiert mit weihnachtlichem Märchentheaterstück „Rumpelstilzchen“ Premiere
Ein Rumpelstilzchen mit grünflauschiger Haarpracht fegte am Sonntag mit viel Spielspaß über die Theaterbühne in der Deidesheimer Stadthalle. Das Team des „Wunschtheaters“ feierte mit einer witzig modernisierten Version des Grimm’schen Märchens Premiere, die aber trotz Happy Ends nicht alle überzeugte, wie die unterschiedlichen Kinderreaktionen zeigten.
Deidesheim. „Auf der Mauer, auf der Lauer sitzt ’ne kleine Wanze …“ singt der große Gaukler (Jutta Barié-Scholl) mit der kleinen Ukulele am Anfang aus voller Brust und fragt die Gäste, ob sie heute sein Publikum sein wollen. Erwartungsvolle Bestätigung der Kinder ermuntert ihn dazu, Teile seines Gauklerprogramms vom Stapel zu lassen. Sein Problem ist allerdings, dass die Witze für die Großen die Kleinen nicht erreichen und das Beiträge wie das „Elefant, -fant, -fantenlied“ für die Kleinsten die Größeren nicht wirklich begeistert. So folgt auf seine Frage, ob er denn witzig sei, auch prompt ein „Net so“ der Älteren. Trotzdem macht er sich unverdrossen auf den Weg zum übellaunigen König (Swen Richter), den er mit seiner Unterhaltung aufheitern will, damit die Bevölkerung nicht mehr so unter ihrem miesepetrigen „Chef“ leiden muss. Der Weg führt ihn durch einen dunklen „Märchenwald“, in dem das „Rumpelstilzchen“ einsam haust.
Comedy, das kann doch jeder, denkt sich das Rumpelstilzchen
Auf den Wald hat Regisseurin Eva Berlejung die jungen Zuschauer bereits vorbereitet. Sie erzählt, dass in alten Zeiten die Leute nach einer Märchendarbietung oft auch deshalb laut applaudiert hätten, um gefürchtete Märchenfiguren wieder in den Wald zurückzuklatschen. Doch bei dem kurz darauf hereinfegenden Rumpelstilzchen, mit mitreißender Spielfreude von Tanja Götemann in Szene gesetzt, besteht dazu kein Grund. Denn Rumpelstilzchen erinnert mit seinen grünen Haaren und seinem Patchworkkostüm mit Klauenfüßen an einen hüpfenden, kleinen Pumuckl in Grün, der sich mit dem Gaukler Wortgefechte liefert, weil der durch seine Wanderung in Rumpelstilzchens Privatreich eingedrungen ist. Nachdem der Gaukler versucht hat, es ebenfalls zu unterhalten, erkennt Rumpelstilzchen nicht nur, wie einsam es ist, sondern beschließt auch, ebenfalls aufs Schloss zu ziehen, um den König aufzuheitern, da es sich für weit witziger hält als der professionelle Spaßmacher.
Zur selben Zeit hat ein Müller seine Tochter (Berlejung) mit der Angeberei, sie könne Stroh zu Gold spinnen, bereits in eine üble Situation gebracht. Denn sie wird nun aufs Schloss abgeführt und vom geldgierigen König dazu „verdonnert“, Berge von Stroh zu Gold zu spinnen. Das ließe ihn möglicherweise wieder lachen, stellt er in Aussicht, wo doch bisher der Gaukler erwartungsgemäß ziemlich versagt hat. Im Gegensatz zur Probenversion hat sich das Team nun dazu entschieden, den König nicht direkt mit den Gauklerkünsten zu konfrontieren, was schade ist, da Richter sich nun nicht ganz so spielstark und witzig zur Geltung bringen kann, wie in den Vorjahren. Außerdem scheint den Kindern der Glamour einer Liebesgeschichte zwischen Prinz und Prinzessin zu fehlen. Denn das Märchen zeigt stattdessen einen berechnenden, gierigen König, der so muffig und unfreundlich, wie er ist, gar nicht zur Müllerstochter passen will.
Der Goldglitzer auf der Bühne kommt gut an
Dass es schließlich tatsächlich klappt, Stroh zu Gold zu spinnen und sie gar zur Königin wird, verdankt die Müllerstochter natürlich den Zauberkräften des Rumpelstilzchens. Allerdings will der Kobold im Gegenzug dafür auch drei Geschenke von ihr, darunter, ganz klassisch, ihr erstgeborenes Kind, das sich das kleine Männlein so sehr als Gesellschaft im einsamen Wald wünscht. Hier scheint der Zeitsprung für viele Kinder zu groß geraten, die auf der Bühne plötzlich Berlejung im königlichem Kleid sehen, die von ihrem Kind spricht, das jedoch nirgends zu sehen und zu hören ist. Es wird getuschelt und den Nachbarn gefragt. Gut kommt dagegen der beeindruckende Goldglitzer auf der Bühne an, der jedoch nicht die gleiche Begeisterung entfachen kann, wie sie sich beispielsweise bei der Dornröschenromantik im Vorjahr gezeigt hatte.
Da das Rumpelstilzchen nur auf das versprochene Kind verzichten will, wenn die Müllerstochter seinen Namen in drei Tagen errät , wird es nun ganz schwierig, die Kinderschar über die relativ lange Erzählstrecke der Namenssuche daran zu hindern, ständig durch Zurufe zu helfen. Wie dann aber doch noch alles zu einem überraschend guten Ende führt, können Zuschauer in den weiteren Aufführungen sehen.
Termine
Weitere Aufführungen von „Rumpelstilzchen“ gibt es im „Boulevardtheater“ in der Deidesheimer Stadthalle an den folgenden Sonntagen bis 5. Januar ebenfalls jeweils um 11 Uhr. Am 8. und 15. Dezember wird zusätzlich auch noch um 14 Uhr gespielt. Das Stück ist für Kinder ab drei Jahren gedacht. Karten (5,50/8 Euro) unter 0172-4008201, 0176-84799779, info@boulvard-deidesheim.de oder www.reservix.de.