Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Deidesheim: Witziges Kunstprojekt in der ehemaligen Synagoge startet

Christoph Steeger (57) aus Helmenzen (links) und Johannes Göbel aus Bonn haben gemeinsam das Kultursommer-Projekt „verloren/gefu
Christoph Steeger (57) aus Helmenzen (links) und Johannes Göbel aus Bonn haben gemeinsam das Kultursommer-Projekt »verloren/gefunden – heimat« für die ehemalige Synagoge in Deidesheim entworfen.

Rollende kleine Könige, die selbstvergessen ihrer Wege ziehen, sich an- und abstoßen, zusammenrotten und dann wieder auseinanderstreben, bevölkern derzeit die ehemalige Synagoge in Deidesheim. Sie sind Teil des Kunst-Projekts „verloren/gefunden – heimat“, das die Künstler Christoph Steeger und Johannes Göbel exklusiv für die Synagoge entworfen haben.

Deidesheim. Mit der Kunstinstallation beteiligt sich der „Freundeskreis ehemalige Deidesheimer Synagoge“ an diesem und dem folgenden Wochenende am Kultursommer Rheinland-Pfalz – und feiert zugleich sein 25-jähriges Bestehen. Der Verein knüpft damit bewusst an das große Kunstprojekt der griechisch-amerikanischen Künstlerin Andromahi Kefalos an, mit dem er kurz nach seiner Gründung Ende der 90er Jahre zum ersten Mal die damals noch nicht vollständig renovierte Synagoge „bespielte“.

Christoph Steeger arbeitete einst bei „Der Schuh des Manitu“ und „Raumschiff Surprise“ mit

Das aktuelle Projekt nun ist ein Gemeinschaftswerk des im Westerwald lebenden Künstlers Christoph Steeger (57), von Haus aus Bildhauer und Bühnenbildner, und seines Bonner Kollegen Johannes Göbel (67), der auf ganz unterschiedlichen künstlerischen Feldern unterwegs ist und erstmals 2017 mit einem Kästner-Ringelnatz-Abend beim Freundeskreis zu Gast war. Steeger, der in einem früheren Leben unter anderem an den Kulissen für Filme wie „Der Schuh des Manitu“ und „Raumschiff Surprise“ beteiligt war, steuert dazu jenen Teil bei, der sicher ganz besonders die Blicke der Besucher auf sich ziehen wird, die kinetische Kunstinstallation „Living in Turmoil“ („Leben in Aufruhr“). Die besteht aus sechs Mini-Robotern mit Kronen und Körpern aus Stacheldraht, die in der Mitte der Synagoge auf einem 5,5 x 3 Meter großen Feld als Symbole einer egomanischen Betriebsamkeit ohne tieferen Sinn ihre Bahnen ziehen. Dies greift den Psalm 2,1 auf, den Steeger über Händels „Messias“ entdeckte: „Warum rasen die Nationen so wütend umeinander? Warum bilden sich die Leute eitle Dinge ein?“ „Kann man die heutige Zeit in ihrer Verwirrtheit und Fehlgeleitetheit besser ausdrücken?“, fragt Göbel dazu rhetorisch.

Sechs Mini-Roboter ziehen bei Christoph Steegers kinetischer Installation egomanisch ihre Kreise. Die Buchstaben-Installation mi
Sechs Mini-Roboter ziehen bei Christoph Steegers kinetischer Installation egomanisch ihre Kreise. Die Buchstaben-Installation mit dem großen Ü stammt von Johannes Göbel.
Auch eine Text- und Soundinstallation mit lauter Wörtern mit dem Präfix Über steuerte Johannes Göbel bei. Foto: Pöschl
Auch eine Text- und Soundinstallation mit lauter Wörtern mit dem Präfix Über steuerte Johannes Göbel bei.
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