Neustadt
Deidesheim: Weingut Reichsrat von Buhl trennt sich von Kellermeister Kauffmann
DEIDESHEIM. Das Deidesheimer Weingut Reichsrat von Buhl kommt derzeit nicht zur Ruhe. Knapp zwei Wochen nach der Trennung von Geschäftsführer Richard Grosche hat die Eigentümerin Jana Seeger sich überraschend auch von Kellermeister und Geschäftsführer Mathieu Kauffmann (53) getrennt. Hintergrund sind unüberbrückbare Differenzen in der Rollenverteilung, bei der Weinstilistik und damit in der zukünftigen Ausrichtung des Weingutes. Die jüngste Entscheidung teilte Geschäftsführer Peter Hüftlein-Seeger gemeinsam mit seiner Ehefrau den Mitarbeitern mit.
[aktualisiert am Montag, 17 Uhr]
Von Jochen Willner
Deidesheim. Es war der Paukenschlag auf der Deidesheimer Weinkerwe. Die Kündigung für Kauffmann folgte nach Worten von Seeger aufgrund seines Verhaltens in den vergangenen Tagen. Denn der gebürtige Elsässer hatte nach dem Weggang von Grosche die alleinige Verantwortung für den Ausbau der Weine und Sekte eingefordert. Einen Schritt, den Seeger aus wirtschaftlichen Gründen nicht mitgehen wollte.
„Wir sind bei Buhl in einer schwierigen Situation. Da können und wollen wir auch nicht mehr so wie bisher weitermachen“, sagte Seeger. Das sei auch der Grund gewesen, weshalb man sich bereits Ende Juli von Richard Grosche getrennt habe, der für den Vertrieb und den kaufmännischen Bereich verantwortlich gewesen sei. „Der Absatz verlief nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben“, nannte Seeger die Ursache, weshalb „die Zahlen nicht stimmten“. „Das Weingut ist betriebswirtschaftlich in schlechtes Fahrwasser geraten. Ich hatte keine andere Wahl, als diese Entscheidung zu treffen“, sagte Seeger. Während der Sektabsatz seit 2013, als Grosche und Kauffmann, der auch Winzer des Jahres 2019 ist, das Zepter übernommen hatten, gesteigert werden konnte, lagern derzeit zu viele Stillweine in den Kellern, die noch nicht vermarktet werden konnten. Die Ursache liegt aus ihrer Sicht darin, dass die Weinstilistik im mittleren und Basisbereich bei den Konsumenten nicht gut genug ankommt. „Wir können nicht über viele Jahre Weine lagern, ohne dass wir einen ausreichenden Absatz haben“, erklärte Seeger. Gerade diese Strategie habe auch dazu geführt, dass das Weingut ohne ein finanzielles Engagement der Inhaberfamilie in wirtschaftlichen Schwierigkeiten geraten würde. Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, hätten Jana und Peter Hüftlein-Seeger entschieden, die Rollen beim Ausbau der Weine neu zu ordnen.
„In der Region stärker unsere Weine präsentieren“
Kauffmann sollte nach deren Willen noch stärker die Produktion der Sekte vorantreiben. „Wir halten Herrn Kauffmann für einen absoluten Fachmann, und wir hätten ihn gerne für unsere Sektproduktion gehalten“, sagte Hüftlein-Seeger. Eine Aufgabe, die der Elsässer offensichtlich nicht akzeptierte. Kauffmann, der sich noch tief enttäuscht von diesen Ereignissen zeigte, wollte sich auf RHEINPFALZ-Nachfrage aktuell zu dem Sachverhalt nicht äußern. Dabei sollte an seiner Seite Gregor Hofer sich um eine ansprechendere Stilistik der Stillweine kümmern. Der 39 Jahre alte Südtiroler aus Gröden, der seit zehn Jahren in der Pfalz lebt und zuletzt im Weingut von Winning sowie bei Kirks Total Wine einen exzellenten Eindruck hinterlassen hatte, soll im Weinbereich die Weichen für einen besseren Absatz stellen. Auch da setzen die Eheleute auf frischen Wind.
Claus Raschka hat vor zwei Wochen das Vertriebsgeschäft übernommen. „Wir müssen uns auch in der Region stärker mit unseren Weinen präsentieren. Dazu gehört, dass wir den Markt genau beobachten und darauf auch reagieren“, sagte der gebürtige Schwabe, der in Speyer lebt. Hüftlein-Seeger: „Ein Weingut muss auch Geld verdienen und sollte nicht subventioniert werden.“ Er verwies auch auf die Finanzspritzen der Inhaberfamilie im mittleren siebenstelligen Bereich vor sechs Jahren, die bisher nicht einmal ansatzweise zurückgeflossen seien. „Uns war klar, dass wir die Weingüter zunächst subventionieren müssen, bis sie sich wirtschaftlich tragen. Und das ist bei Bassermann-Jordan und von Winning sehr schnell geschehen. Dieses Ziel haben wir auch bei Buhl“, sagten die Eheleute. „Wir wollen unsere Standorte ausbauen, alle Mitarbeiter halten, ihnen pünktlich die Löhne zahlen und mit ihnen gemeinsam den Weg aus der Talsohle schaffen“, blicken sie sehr optimistisch in die Zukunft.
Weitere Zusammenarbeit mit Kauffmann möglich
Am Montag sei Mathieu Kauffmann wieder in das Weingut zurückgekehrt und habe das Gespräch mit ihnen gesucht, erklären Geschäftsführer Peter Hüftlein-Seeger und seiner Ehefrau Jana. Kauffmann sei nach ihrer Einschätzung ebenfalls an einer einvernehmlichen Lösung bezüglich seines künftigen Engagements im Weingut Reichsrat von Buhl interessiert.
„Wir waren überrascht, aber auch erfreut, dass Herr Kauffmann von seiner Seite das Gespräch mit uns gesucht hat. Wir werden gemeinsam darüber beraten, wie wir ihn in unserem Weingut in der aktuellen Situation einbinden können. Wir haben immer wieder betont, dass wir keinesfalls an seiner Kompetenz zweifeln. Wir würden uns über eine weitere Zusammenarbeit sehr freuen. Unsere Entscheidung am vergangenen Freitag lag einfach an der Rollenverteilung und Neustrukturierung, die wir aus wirtschaftlichen Gründen einleiten mussten“, erklärte Jana Seeger abschließend.
Kommentar: Situation wäre vermeidbar gewesen
Von Jochen Willner
Das Ausscheiden von Mathieu Kauffmann, dem Winzer des Jahres 2019, beim traditionsreichen Weingut Reichsrat von Buhl sorgte für einen nicht erwarteten Paukenschlag in der Weinszene. Denn seine Fachkompetenz und seine Erfahrung sind unbestritten. Kaum jemand wird da widersprechen. Das taten auch die Verantwortlichen der Inhaberfamilie nicht. Auch wenn Kauffmann jetzt aus dem Weingut ausscheidet, liegt das nicht an seinem Fachwissen, sondern offensichtlich daran, dass die stilistisch von ihm ausgebauten Weine (bisher) nicht die Buhl’schen Verbraucher haben überzeugen können. Zumindest ist dies die Feststellung der Inhaberfamilie, die derzeit über volle Lager und kaum Absätze dieser Weine berichtet. Das brachte Buhl in ein wirtschaftlich schwieriges Fahrwasser.
Diese Situation wäre bestimmt vermeidbar gewesen. Nicht Kauffmann ist gescheitert, sondern die kaufmännische Leitung hätte viel früher die betriebswirtschaftliche Situation erkennen und auch auf die ersten Warnsignale reagieren müssen. Darauf hätte sicherlich so ein erfahrener und vorbildlicher Weinfachmann wie Kauffmann eine Antwort gefunden. Das scheint jetzt offensichtlich zu spät zu sein. Die Weine scheinen kaum zu vermarkten zu sein und müssen abgeschrieben werden. Das ist mehr als ärgerlich.
Unbestritten ist aber, dass ein Weingut auch Geld verdienen muss. Da wäre ein Blick in die Schwester-Weingüter Bassermann-Jordan und von Winning durchaus hilfreich gewesen, die wohl ihre Häuser wirtschaftlich auf gesunden Boden gestellt haben. Und dort sind auch mit Ulrich Mell und Kurt Rathgeber zwei erfahrene Kellermeister, die gemeinsam mit ihren kaufmännische Leitung wie Gunter Hauck und Stephan Attmann den richtigen Weg gefunden haben. Ein Austausch untereinander hätte da mehr gebracht als das Personalkarussell zu drehen.