Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Deidesheim: Turner wollen Ehrenmal los werden

Dieses Schild steht an dem Zufahrtsweg zum Turnerehrenmal.  Foto: Mehn
Dieses Schild steht an dem Zufahrtsweg zum Turnerehrenmal.

Der Turngau Rhein-Limburg, der zum Pfälzer Turnerbund gehört, unterbreitet der Stadt Deidesheim ein ungewöhnliches Angebot: den Kauf des Turnerehrenmals. Dahinter steckt ein Konflikt um die Nutzung der Zufahrt.

Die Stimmung ist gereizt im Turngau Rhein-Limburg. Die Turner fühlen sich von der Stadt Deidesheim im Stich gelassen. Der Grund: ein Schild an der Zufahrt zum Turnerehrenmal oberhalb der Stadt und zur nahegelegenen Alois-Jung-Hütte. Das Schild, das die Weiterfahrt untersage, sei vor etwa zwei Jahren aufgestellt worden, erzählt Walter Benz, Vorsitzender des Turngaus Rhein-Limburg. „Seitdem eskaliert die Situation.“

Turngau nutzt Weg

Der Weg wird vom Turngau genutzt, der das Haus unter anderem für Lehrgänge nutzt und dort sein Bergturnfest organisiert, außerdem von den Gästen der Wallberghütte, die etwas weiter südlich liegt. Inzwischen sei die Zufahrt so „erschwert und blockiert“, dass sie „eigentlich verboten“ sei, heißt es in einem Schreiben des Turngaus an Deidesheims Stadtbürgermeister Manfred Dörr (CDU). Der Zustand des Weges sei „miserabel schlecht“, die Nutzung daher gefährlich. Der Turngau vermisst die „schon von 90 Jahren“ zugesicherte Unterstützung der Stadt und schlägt der Kommune vor, die beiden Objekte, Ehrenmal und Alois-Jung-Hütte, zu kaufen. Verhandlungspreis: 400.000 Euro. „Bitte befassen Sie sich in Ihrem Stadtrat mit dem Angebot“, heißt es abschließend in dem Brief.

Dörr sieht die Sache anders

Der Stadtbürgermeister sieht die Sache vollkommen anders. Der Weg, so Dörr, sei ein Waldweg. „Es war rechtlich noch nie möglich, dass jeder einfach hochfahren kann.“ Deshalb habe man nach einer Lösung gesucht. Diese bestehe darin, dass Fahrten nun beim Förster angemeldet werden müssen. Es sei nötig, dass der Forst die Kontrolle über die Nutzung habe. Die Ver- und Entsorgung der Einrichtungen sei aber möglich, und auch gehbehinderte Gäste erhielten eine Zufahrtserlaubnis. Die Nutzung des Haardtrands sei mit den Jahren intensiver geworden, die Auflagen gleichzeitig strenger. „Die Natur geht vor“, sagt Dörr. Die Regelung sei im Übrigen schon zweimal gerichtlich überprüft und für rechtens erklärt worden.

Dörr spricht damit ein Verfahren an, das der Betreiber der Wallberghütte, Uli Knecht, angestrengt hatte. Knecht, der sich zu der Sache nicht äußern will, hat die Wallberghütte vor sechs Jahren gekauft. Zuvor war er viele Jahre lang Pächter, die Hütte gehörte der TSG Deidesheim. 2013 entschloss sich der Verein, sich von der Immobilie zu trennen, weil Renovierungen in Höhe von über 300.000 Euro anstanden. Knecht hat nach dem Kauf mit den Investitionen begonnen. Zunächst legte er, teils in Eigenleistung, eine Abwasserleitung.

Lage „fatal“

Der nächste Schritt war die Renovierung der Toiletten. Weitere Schritte seien geplant, sagte er der RHEINPFALZ vor drei Jahren. Turngau-Vorsitzender Benz bezeichnet die Lage Knechts als „fatal“. Aber auch sein Verein habe in jüngster Zeit Geld in die Hand genommen und das Turnerehrenmal saniert. „Uns blutet das Herz“, sagt Benz.

Dass der Vorschlag des Turngaus Rhein-Limburg, Ehrenmal und Alois-Jung-Hütte der Stadt zu verkaufen, umgesetzt wird, kann Bürgermeister Dörr sich nicht vorstellen. Er werde das Thema aber in den Stadtrat bringen. Und er setze auf ein Gespräch, sagte Dörr.

Einwurf

Es kommt immer häufiger vor, dass am Haardtrand Naturschutz und Interessen von Gruppen oder Einzelnen aufeinanderprallen. Das ist beim Mountainbiken so und auch im Falle der Zufahrt zum Turnerehrenmal, zur Alois-Jung-Hütte und zur Wallberghütte. Und noch eine Parallele: Hier wie dort ist offenbar die Bereitschaft, aufeinanderzuzugehen und Kompromisse zu finden, zu wenig ausgeprägt.

Der Vorschlag des Turngaus, Ehrenmal und Hütte der Stadt Deidesheim zu verkaufen, ist keine Lösung. Die Kommune wird kaum eine größere Summe in die Hand nehmen, um die beiden Vereinsobjekte zu übernehmen. Das ist dem Turngau wohl auch bewusst. Aber durch den Vorstoß wird Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt. Vielleicht hilft das ja dabei, einer Lösung näher zu kommen, mit der alle Beteiligten leben können. Vorausgesetzt, sie reden miteinander.

Zur Sache: Turnerehrenmal und Turngau

Das Turnerehrenmal westlich von Deidesheim ist 1928 eingeweiht worden. Es erinnert an die 1018 Mitglieder des Turngaus Rhein-Limburg, die im Ersten Weltkrieg fielen. Der Entwurf stammt von den Architekten Georg Hoch aus Neuhofen und Philipp Blaumer aus Ludwigshafen. Ein Gedenkstein, der 1957 einige Meter davon entfernt aufgestellt wurde, erinnert an die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Turner.

Etwas weiter liegt ein Sportgelände, das bereits 1926 fertig gestellt wurde. Jedes Jahr findet dort an Christi Himmelfahrt das Bergturnfest des Turngaus Rhein-Limburg statt, 2019 zum 92. Mal.

Der Turngau Rhein-Limburg ist einer der vier Turngaue im Pfälzer Turnerbund. Er ist Fachverband für Turnen für die Land- und Stadtkreise Ludwigshafen, Rhein-Pfalz, Frankenthal, Bad Dürkheim und Kirchheimbolanden. Gegründet wurde er 1893 in Ludwigshafen. Nach eigenen Angaben hat er über 42.000 Mitglieder und ist damit einer der größten Turngaue im Deutschen Turnerbund.

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