Neustadt
Deidesheim: Sonja Hug kennt keine Grenzen
Die Macher aus der zweiten Reihe: Das Boulevardtheater in Deidesheim gehört inzwischen zu den bekanntesten Bühnen in der Region. Dass dies so ist, liegt auch an den vielfältigen Personen, die sich von der ersten Stunde sich dort engagieren. Sonja Hug ist eine der ganz wenigen, die seit der Gründung dabei sind und auf die der jetzige Leiter Boris Stijelja nicht verzichten möchte.
DEIDESHEIM Ihr ist keine Arbeit zu viel. Wenn es um das Theater geht, kann Sonja Hug nicht Nein sagen. Und ist schon seit der Gründung im Jahr 1997 so. Dabei war es doch eher Zufall, dass die Mannheimerin nach Deidesheim kam. Damals war sie noch Gardemädchen bei den Feuerio in der Quadratestadt und dort lernte sie auch Hans-Dieter Willisch kennen. Der umtriebige Theatermacher konnte sie für die Arbeit an dem damals von ihm geführten Oststadttheater begeistern.
„Der Hans war ein sehr rühriger Mensch, der sich nicht nur für eine Sache eingesetzt hat, sondern auch andere dafür begeistern konnte“, erzählt Hug. Das war ihre Geburtsstunde für das Theater. Dabei hatte Hug (noch) keine Erfahrung. Die Neugier, aber auch ihr Interesse an der Kultur hat sie derart motiviert, dass sie nicht am Oststadt-Theater blieb, sondern mit Hans Dieter Willisch den Neustart in Deidesheim wagte.
Boulevardtheater ist zweite Heimat geworden
Das dortige Boulvardtheater ist nach über 20 Jahren auch ihre zweite Heimat oder gar ihr Wohnzimmer geworden. Und sie ist bis heute in ihrem ehrenamtlichen Engagement treu geblieben. Ob als Regie-Assistent, an der Abendkasse, bei der Abrechnung der Tantiemen, beim Aufbau des Bühnenbildes oder als Souffleuse. Sie kennt einfach keine Grenzen. Kein Wunder, dass Boris Stijelja, der das Boulvard-Theaters ganz im Sinne seines Ziehvaters Hans-Dieter Willisch fortführt, Hug die gute Seele des Hauses nennt. „Sie ist immer da, wir müssen sie nicht rufen. Und wir spüren, sie ist gerne bei uns“, sagte Stijelja.
Der Mannheimerin ist keine Arbeit zu viel, ihr macht die Arbeit auch viel Spaß. „So wird es auch bleiben“, erzählt Hug. Es war für sie nicht immer einfach, die sich fast 15 Jahre parallel der Pflege ihrer Mutter widmete. Das Theater und der Förderverein waren für sie in dieser Phase eine Form des Ausgleichs und der Ablenkung. Denn Hug schätzt auch das Miteinander aller Beteiligten, von den Schauspielern auf der Bühne und den Menschen, die sich hinter den Kulissen engagieren. „Man unternimmt oftmals noch gemeinsam was miteinander. Das schweißt uns alle zusammen und es macht auch sehr viel Spaß.“ Und ans Aufhören denkt sie nach diesen vielen Jahren nicht. „Ich habe bis heute diesen Schritt nicht bereut, auch wenn wir Hans-Dieter seit seinem Tod sehr vermissen.“
Willisch hat früh die Weichen gestellt
Der 2015 verstorbene regionale Theater-Profi hatte frühzeitig die Weichen für seine Nachfolge gestellt. Sein einstiger Ziehsohn Boris Stijelja führt bis heute ganz im Sinne von Willisch das Theater weiter. „Ich bin total begeistert, wie Boris das schafft. Ich hätte ihm das zunächst nicht zugetraut“, sagte Hug. Auch sei der Deutsch-Kroate einer derjenigen, der auch junge Künstler inzwischen fördern kann. „Für mich war er anfänglich ein Quatschkopf, ein Clown, der mich mit seiner Art, wie ein Theater geführt wird, inzwischen voll überzeugt hat“, sagt Hug.
Tim Poschmann sei einer der wenigen, der gerade auf dem Sprung zu den Profis ist. „Boris hat es auch verstanden, mit seinem Team das Theater aus den roten Zahlen zu führen.“ Hug weiß, wovon sie spricht, denn sie hat Einblick in die Finanzen des Hauses, außerdem ist sie auch Kassenprüfer im neugegründeten Förderverein.
Ab März zweites Standbein in Maikammer
Auch bei der Erweiterung der Aktivitäten ab 5. März 2020 in Maikammer wirkt sie mit. Im kommenden Jahr wird die 51 Jahre alte Verwaltungsfachkraft, die in der Arbeitsverwaltung tätig ist, noch einmal auf die Bühne zurückkehren. Bei dem von Eva Berlejung verfassten Stück „Acht Frauen“ wird sie als Schauspielerin vertreten sein. Das wird aber eher eine Ausnahme bleiben. „Eva hat mich gefragt, da konnte ich nicht nein sagen“, meinte Hug augenzwinkernd. Ihr liegt das Theater ganz besonders am Herzen. Sie opfert hierfür ihre gesamte Freizeit. Sie fährt deshalb mehrmals in der Woche von Mannheim nach Deidesheim. „Es ist für mich ein Genuss dabei zu sein und mich dort zu engagieren. Das Theater wird sehr familiär geführt, da fühlt man sich auch wohl“, erzählt Hug. „Und das Schöne ist auch, wir haben noch so viele Ideen, die wir gerne noch umsetzen wollen.“ Deshalb ist für sie das „zweite Standbein“ in Maikammer keine allzu große Überraschung. „Mal schauen, wie unser Angebot dort angenommen wird“, blickt die „gute Seele“ des Boulvardtheaters schon einmal in die Zukunft.