Neustadt
Deidesheim: Protest-Initiative „Maria 2.0“ in Pfarrei Heiliger Michael

Altertümliche Machtstrukturen, mangelndes Verantwortungsbewusstsein beim Missbrauchsskandal und keine Gleichberechtigung von Frau und Mann – gegen diese Punkte demonstrieren katholische Frauen deutschlandweit zurzeit unter dem Motto „Maria 2.0“. Auch in der Pfarrei Heiliger Michael rund um Deidesheim hat sich eine Initiative formiert, die diese Themen aufgreifen will.
Während Frauen in anderen Orten Deutschlands in den Streik treten und für eine bestimmte Zeit keine Gotteshäuser betreten und ihre Ehrenämter niederlegen, haben sich rund zehn Frauen aus der Pfarrei Heiliger Michael für einen anderen Weg entschieden. „Wir solidarisieren uns auf jeden Fall mit der Bewegung ,Maria 2.0’. Und wir finden die Idee mit dem Streik ebenfalls gut, für uns war sie allerdings nicht das Richtige“, sagt Brigitte Deiters, die sich in der Pfarrei rund um Deidesheim engagiert.
Frauen gestalten Gottesdienste
Stattdessen haben sich die ehrenamtlichen Helferinnen dazu entschieden, die Gemeindegottesdienste an diesem Wochenende entsprechend zu gestalten. „Die wesentlichen Inhalte dafür haben wir selbst ausgewählt“, berichtet Deiters. „Dabei werden auch Themen wie der Missbrauchsskandal und die Machtstrukturen in der katholischen Kirche aufgegriffen.“
Mit ihrem Engagement wollen die Frauen „für eine lebendige Erneuerung der Kirche, in der Frauen und Männer gleichberechtigt ihre Charismen und von Gott geschenkte Berufung einbringen können“ eintreten, heißt es in einer Ankündigung.
Weißes Oberteil als Zeichen
Bei dem Vorabendgottesdienst am Samstag, 18. Mai, 18 Uhr, in Meckenheim sowie bei den Gottesdiensten am Sonntag, 19. Mai, in Ruppertsberg (9 Uhr), Niederkirchen (9 Uhr), Deidesheim (10.30 Uhr) und Forst (10.30 Uhr) werden nicht wie sonst die Pfarrer die Predigten halten, sondern jeweils eine der ehrenamtlichen Frauen.
Bereits im Vorfeld hat die Initiative mit anderen Gemeindemitgliedern über ihr Vorhaben gesprochen. „Wir haben da viel positive Rückmeldung erhalten. An den Gottesdiensten werden auch nicht nur wir zehn Frauen, sondern noch andere Leute mitwirken“, informiert Deiters. Auch auf ein gemeinsames Zeichen habe man sich geeinigt. „Alle, die uns unterstützen, werden ein weißes Oberteil tragen. Und da sind auch Männer dabei, nicht nur Frauen.“
Regelmäßiges Montagsgebet
Neben den Gottesdiensten ruft die Initiative außerdem zu einem regelmäßigen 15-minütigen Gebet auf, das künftig immer montags um 18 Uhr vor einer der Kirchen der Pfarrei stattfinden soll. Beten wollen die Frauen dabei für Veränderungen in der katholischen Kirche. Los geht es damit ab dem kommenden Montag, 20. Mai, vor der Deidesheimer Kirche an der Treppe zum Marktplatz. Die Örtlichkeiten sollen monatlich wechseln – im Juni veranstalten die Frauen die Montagsgebete auf der Wiese bei der Kirche in Niederkirchen.