Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Deidesheim: Oenoflight-Vortrag holt Champagne in die Pfalz

Die Teilnehmer des Vortrags lauschen den Ausführungen der Referenten. Foto: Privat
Die Teilnehmer des Vortrags lauschen den Ausführungen der Referenten.

Über den Tellerrand zu schauen. Das war das Ziel zahlreicher Winzer, Weinfreunde und jene, die sich sowohl im Handel, im Vertrieb als auch in der Gastronomie mit Wein und Sekt auseinandersetzen. Sie waren der Einladung der Diplom-Önologen Martin und Caroline Briegel gefolgt, die sich auf die Fahne geschrieben haben, den Weinanbau vor Ort voranzubringen.

Nach der erfolgreichen Premiere der als Reihe angelegten Veranstaltung Oenoflight im April mit dem Weinanbaugebiet Burgund hatten Martin und Caroline Briegel diesmal die Champagne in die Pfalz geholt. „Uns ging es konkret darum, herauszuarbeiten, wo qualitativ der Hammer im Schaumweinbereich hängt, und was davon sich auf die hiesige Sektproduktion in der Pfalz übertragen lässt“, sagte Martin Briegel. Dabei unterstrich er, dass es sein Ziel sei, mit einer Seminarreihe stets weitere internationale Anbaugebiete nach Deidesheim zu holen, um deren Besonderheiten auch den einheimischen Winzern und den Weinfachleuten näher zu bringen.

Mathieu Kauffmann stellt Winzersekte vor

„Es ist in der Tat nicht so, dass der französische Weinbau für uns der einzige Maßstab bei der Förderung des Ausbau von Wein und Sekten ist“, ergänzte Briegel, der diesmal Mathieu Kauffmann als Gast willkommen hieß. Der gebürtige Elsässer war vor seinem Wirken beim Weingut Reichsrat von Buhl, Kellermeister und Oenologe bei Bollinger in der Champagne. Das Haus Bollinger ist heute einer der wenigen großen Champagner-Hersteller in Privatbesitz. Die Champagner des Hauses Bollinger gelten als „Grand-Cru Classé“-Weine der Region. Auch deswegen, weil Bollinger mit einer hauseigenen Ethik-Charta im Zuge des Champagnerbooms einer Ausweitung der Gebietsfläche und kürzeren Mindestlaufzeiten entgegentrat.

Genau diese Strategie setzt Kauffmann in der Pfalz um. Nach einer Einführung in die weinbaulichen Strukturen und Besonderheiten der Champagne und deren historische Entstehung startete die Verkostung mit drei Schaumweinen weithin bekannter Champagnerhäuser. Die drei folgenden Winzer-Sekte aus kleineren Familienbetrieben sorgten mit ihrer recht eigenwilligen und fordernden Stilistik für kontroverse Diskussionen im Publikum. Mathieu Kauffmann beantwortete alle aufkommenden Fragen – nicht selten mit einem ironischen Zwinkern. Bei der Präsentation der Sektkollektion aus dem Deisdesheimer Weingut Reichsrat von Buhl gewährte er Einblicke in seine Arbeitsmethoden und in die Herausforderungen, die die hiesigen Rebsorten und klimatischen Bedingungen an ihn und sein Kellerteam stellen. Der Elsässer erklärte, wie er die Böden und Rebsorten der Pfalz „französisch“ interpretiert und das Maximum an Qualität herausholt. Die Grundlage hierfür sind aber die Rebsetzlinge, die dort angepflanzt werden.

Drei Premium-Cuvées im kritischen Fokus

Seinen Erfahrungsschatz in der Beratung mit den renommiertesten Betrieben der Champagne (aber auch im Burgund und in Bordeaux) gab Christophe Lacaille den Winzern mit auf den Weg. Es wurde auch diskutiert und philosophiert. Nicht nur das: Auch die sensorische Bewertung, die Martin Briegel gemeinsam mit den beiden französischen Wein- und Sektexperten vornahm, kam keinesfalls zu kurz. Zum Abschluss der moderierten Verkostung kamen drei der derzeit gefragtesten und kostspieligsten Premium-Cuvées auf den Tisch und wurden von den anwesenden Experten kritisch unter die Lupe genommen. Als einhelliges Fazit kann verzeichnet werden: Qualität kennt (fast) keine Grenzen.

Von zahlreichen sensorischen Eindrücken inspiriert, mündete der Abend in eine offene Gesprächsrunde, in der die Teilnehmer auch ihre eigenen Sekte und die ihrer direkten Kollegen den französischen Pendants gegenüberstellten. Es wurde angeregt diskutiert, gefachsimpelt und verkostet.

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