Neustadt
Deidesheim: Motorrad-Rennsportler Ralf Weitlauff kurz vor Gesamtsieg
MOTORSPORT: Seit vier Jahren ist der Deidesheimer Ralf Weitlauff auf den schnellsten Rennstrecken Europas unterwegs. Jetzt winkt dem Motorrad-Rennsportler der erste Sieg in der Gesamtwertung um den Deutschen Langstreckencup (DLC). Er lebt wie ein Profi für seinen Sport, bezahlt aber alles selbst.
DEIDESHEIM. Der 22-Jährige ist kein Mann der großen Worte. Und im Mittelpunkt zu stehen, das ist auch nicht sein Ding. Der gelernte Industriemechaniker ist eher etwas schüchtern, konzentriert sich auf das Wesentliche. Und das tut er dann professionell. Seine Passion ist der Motorrad-Rennsport. Dort ist Ralf Weitlauff nicht nur einer der jüngsten Akteure, sondern auch einer der schnellsten. Mit seiner BMW S 1000 RR muss er national in seiner Klasse keiner Konkurrenz fürchten. Weitlauff hat sich in den vergangenen Jahren sportlich nicht nur weiterentwickelt, sondern auch in der Szene etabliert. Im vergangenen Jahr landete er seinen ersten Sieg im DLC im tschechischen Most – am 50. Geburtstag seiner Mutter. Zuletzt war er mit seinem Team im französischen Dijon ebenfalls siegreich.
Sein Team MG Racetec ist in diesem Jahr leistungskonstanter als je zuvor. Die Rennbetreuung liegt inzwischen in professionellen Händen. Eine Mechanikercrew um Steven May, einem Unternehmen aus Neustadt am Rübenberge, das sich der Fahrwerkstechnik verschrieben hat, kümmert sich um jedes kleinste Detail. Weitlauff kann sich ganz auf seinen Sport konzentrieren.
Der Vater ist Mädchen für alles
Nicht von seiner Seite weicht sein Vater Franz. „Ohne meinen Vater wäre ich nicht soweit“, sagt Weitlauff. Sein „Dad“ ist Ratgeber, Motivator und Seelentröster. Oder wie der 54 Jahre alte Techniker der Mess- und Regeltechnik selbst sagt: „Ich bin das Mädchen für alles.“
In der Tat: Franz Weitlauff kümmert sich um jedes kleinste Detail, auch um Speis und Trank in den Rennpausen seines Sohnes. Er ist stets in der Box in der Nähe von Ralf, denn er hat ebenfalls Benzin im Blut. Vater und Sohn teilen nicht nur die Motorsportleidenschaft, sondern sie verstehen sich sowohl in der Werkstatt in der Niederkirchener Straße, wo fast täglich getüftelt wird, als auch an den Rennstrecken blind.
Ralf Weitlauff setzt immer mehr auf Professionalität. Während der 22 Jahre alte Rennsportler noch im vergangenen Jahr im deutschen Langstreckencup (DLC) und ebenso im BMW-Cup gleich in zwei Serien vertreten war, konzentriert er sich in diesem Jahr ganz auf den DLC. Eine kleine Ausnahme machte er allerdings: Beim Regio-Cup auf dem Hockenheimring war er am Start und wurde nur um 1,1 Sekunden geschlagen. Die Konzentration auf den DLC war auch aus wirtschaftlichen Gründen ein vernünftiger Schritt. „Manchmal ist etwas weniger etwas mehr“, meint Weitlauff.
Neben einigen kleineren Sponsoren finanziert er seinen Sport ausschließlich aus der eigenen Tasche. Aber sein Ziel, zur deutschen Spitze zu stoßen und doch eines Tages bei der Langstrecken-WM am Start zu sein, verliert er nicht aus den Augen. Dafür arbeitet er hart an sich selbst. Nahezu tägliches Training ist für ihn Pflicht. Im Fitnessstudio hält er sich körperlich fit: Er geht regelmäßig in den Weinbergen rund um Deidesheim joggen, um die Ausdauer zu verbessern. „Das komplette Körpertraining ist enorm wichtig“, weiß Weitlauff. Seine Trainingspläne erstellt er selbst. Aber er macht kein Geheimnis daraus, dass er noch professioneller werden möchte und träumt von einer Zusammenarbeit mit einem Profiteam. Derzeit lässt er sich aber in seine Pläne nicht reinreden. Auch bei der Ernährung achtet er auf gesunde Kost. Er trinkt keinen Alkohol. „Nur ein Bier nach dem Rennen zum Entspannen“, verrät er augenzwinkernd.
Mit bis zu 300 Sachen unterwegs
Der junge Deidesheimer hat inzwischen ausreichend Erfahrung und weiß, dass lediglich ein gut trainierter Körper auch im Rennsattel erfolgreich sein kann. „Nur Gas zu geben, reicht nicht mehr aus. Die Kraft und Ausdauer sind das A und O. So kann ich Ermüdungserscheinungen vorbeugen, und meine Konzentration bleibt hoch.“ In der Regel sitzt der 1,95 Meter große und 85 Kilogramm schwere Motorsportler 40 bis 45 Minuten bei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern im Sattel, ehe der Wechsel wegen des Tankstopps erfolgt. „Die Pausen sind auch mental ganz wichtig, um den Akku aufzuladen“, erzählt Weitlauff.
In den ersten fünf Wettbewerben der Saison in Hockenheim, Nürburgring, Dijon und Most stand der Deidesheimer regelmäßig auf dem Podest. Nur zum Auftakt in Hockenheim fiel das Team nach einem schweren Sturz seines Kollegen Mathias von Hammerstein auf Platz sechs zurück. Weitlauff ist derjenige, der meist als Letzter in der Schlussphase nochmals ins Rennen einsteigt, um seinem Team den Podestplatz abzusichern.
Nur einmal war er in dieser Saison nicht dabei. In Oschersleben musste er zusehen. Der Grund: In den Tagen zuvor hatte sein Bike einen Motorschaden, und die Zeit bis zum Renntag reichte nicht mehr zur Reparatur aus. Dennoch belegte das Team mit einem Ersatzfahrer noch den dritten Platz.
Am Samstag letztes Rennen
Mit 93 Punkten liegt es klar in Führung und kann im letzten Rennen der Saison am Samstag, 12. Oktober, erneut in Oschersleben den Gesamtsieg perfekt machen. „Davon haben wir geträumt, jetzt sind wir nicht mehr allzu weit weg. Aber es muss auch an diesem Tag alles passen“, betont Weitlauff und erinnert noch an den Auftakt am Karsamstag in Hockenheim, als das Team auf Platz zwei gelegen hatte und nach dem Sturz eines Teamkollegen auf Rang sechs zurückgefallen war.