Neustadt
Deidesheim: Gregor Hofer an Spitze bei Weingut Reichsrat von Buhl
Nach dem Ausscheiden des Elsässer Kellermeisters und Önologen Mathieu Kauffmann aus dem Weingut Reichsrat von Buhl hat inzwischen Gregor Hofer Verantwortung übernommen. Doch wie fand der 39-jährige Südtiroler überhaupt zu seiner großen Leidenschaft, zum Wein?
Gregor Hofer musste nicht lange überlegen, als er im Juli erstmals wegen eines Engagements im Weingut Reichsrat von Buhl angesprochen wurde. „Es gab für mich nur ganz wenige Weingüter, wo ich mir vorstellen konnte, tätig sein zu wollen. Dazu gehörte auch Buhl“, meint Hofer. Das Weingut ist seit über 150 Jahren im Familienbesitz und ist zertifizierter Biobetrieb. Eine Philosophie, die Hofer weiterentwickeln möchte. Seiner Meinung nach steht Reichsrat von Buhl „für eine terroirgeprägte, zeitlose Stilistik, die sich nie an Moden orientiert hat, sondern stets die Herkunft seiner Trauben aus den besten Deidesheimer und Forster Lagen stolz in sich getragen hat“. Den Sprung in solch ein Weingut nannte der gebürtige Südtiroler, der aus dem beschaulichen St. Ulrich im Grödnertal stammt, einen „Volltreffer“.
Önologie im Trentino studiert
Als Sohn einer Bergbauernfamilie hatte er zunächst die Gastronomie im Blick. Im Fünf-Sterne-Haus „Grödnerhof“ fand er als Restaurantfachmann auch den Weg zum Wein. Das faszinierte ihn, er bildete sich fort. Das reichte dem leidenschaftlichen Skifahrer, der auch gerne mal zum Ausgleich die Gitarre in die Hand nimmt, nicht. Als Sommelier tauchte er noch tiefer in die Weinwelt ein. Einen Schritt, der sein Leben ein Stück veränderte. Auch deshalb, weil er stets Fragen hatte, worauf er Antworten suchte. „Ich wollte mehr wissen, als ich bisher erlernt habe“, verriet Hofer.
Der mittlerweile 39-Jährige entschloss sich zum Studium der Önologie in San Michele all’ Adige in Trentino. Eine Zeit, an die er sich gerne erinnert. Auch deshalb, weil er parallel die Chance erhielt, im Weingut Unterortl-Castel Juval bei seinem väterlichen Freund Martin Aurich in Kastelbell/Tschars im Vinschgau erste Praxiserfahrung zu sammeln. „Mir war es enorm wichtig, während des Studiums die Abläufe im Weinbau kennenzulernen und auch mitzuarbeiten“, erzählt Hofer. Statt den Gast im Restaurant zu Wein zu beraten, fand es Hofer noch spannender, in und mit der Natur zu arbeiten und die Weine anschließend auszubauen. Biologisch, das versteht sich für ihn von selbst.
Deidesheim, St. Martin, Deidesheim
„Die Zeit bei Martin Aurich war für mich prägend für mein weiteres Berufsleben“, sagt Hofer. Sein Landsmann war es auch, der ihm 2010 erklärte, dass er für sein Weingut überqualifiziert sei und sein Weg ihn vielmehr zu renommierten Weingütern führen sollte. Aurich nutzte seine Kontakte an der Weinstraße. So landete Hofer in Deidesheim, wo Stephan Attmann, Betriebsleiter des Weingutes von Winning, ihm die Chance bot, als stellvertretender Kellermeister einzusteigen. Nur drei Jahre später folgte die „Beförderung“ zum Betriebsleiter des Bioweingutes Adriane Moll in St. Martin, ehe ihn Kirk Bauer als önologischen Berater für sein international tätiges Unternehmen „Kirks Total Wine“ wieder nach Deidesheim holte.
Nach nur 18 Monaten dann die Möglichkeit zum Wechsel zum Weingut Reichsrat von Buhl. Mit Mathieu Kauffmann sollte der Südtiroler dort auf einen erfahrenen Önologen treffen. Doch aus der Zusammenarbeit wurde nichts. Die Inhaberin des Weingutes, Jana Seeger, hatte dem Südtiroler Hofer den Ausbau der gutseigenen Weine und Kauffmann die Verantwortung für die Sektsparte übertragen. Ein Schritt, der zum Ausstieg Kauffmanns führte – nur zwei Wochen nach Hofers Dienstantritt. Die Folge: Gregor Hofer stieg stattdessen in die Geschäftsführung des Hauses ein, gemeinsam mit Peter Hüftlein-Seeger, und verantwortet inzwischen alle Bereiche.
Hofer blickt nach vorne
Darüber macht sich der Wahlpfälzer nicht allzu viele Gedanken. Er blickt nach vorne. Aus dem Lagen-Portfolio noch mehr als bisher herauszuarbeiten, sei der Anspruch, dem sich der mittlerweile in Maikammer lebende Vater eines Sohnes täglich stellt. „Reichsrat von Buhl müssen wir nicht neu erfinden. Mein Ziel ist es, mit dem Team die tollen Lagen, wo sich unsere Reben befinden, noch klarer, präziser und differenzierter herauszuarbeiten, sodass der Verbraucher dies spürt“, sagte Hofer. „Es gibt nichts Spannenderes, als wenn der Genießer die unterschiedlichen Lagen der Weine im Gaumen wahrnimmt“, sagt Hofer. Ob ihm das gelingen wird? „Mein Team und ich geben uns größte Mühe. Ob wir es schaffen, das entscheidet ganz allein der Verbraucher“, so Hofer. „Wir hatten einen sehr guten Herbst, die Mengen sind zwar etwas geringer, aber das Timing hat perfekt geklappt. Was wir bisher probiert haben, verspricht einen guten Jahrgang“, ist der Kellermeister zuversichtlich.
Besonders glücklich sei er, dass das Team so viel Leidenschaft und Herzblut eingebracht habe. „Das war eine ganze große Gemeinschaftsleistung“, verrät Hofer.