Neustadt
Deidesheim: Filmemacherin zeigt Doku
Fast jeder kann mit den heutigen technischen Möglichkeiten einen Film drehen. Wenn so entstandene Filme technische Schwächen haben, dann ist das in Ordnung. Wenn aber der Film einer professionellen Regisseurin, Autorin und Produzentin technische Mängel und auch handwerkliche sowie inhaltliche Schwächen hat, dann ist das nicht in Ordnung. Da darf es keine Rolle spielen, was das Thema des Films ist. Auch ein Film, der sich mit einer Hinrichtung in der Zeit des Nationalsozialismus beschäftigt, muss professionellen Kriterien genügen, wenn er von einem Profi gemacht ist.
Das tut der Dokumentarfilm „Viktors Kopf“ von Carmen Eckhardt, den der Freundeskreis ehemalige Deidesheimer Synagoge, am Samstagabend in dem ehemaligen jüdischen Gotteshaus einem zahlenmäßig recht überschaubaren Publikum präsentierte, nicht. Anlass für die Filmvorführung, bei der die Regisseurin anwesend war, war das Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938, in der Synagogen und jüdische Geschäfte angezündet und viele Juden verhaftet wurden.
„Viktors Kopf“ hat keinerlei Bezug zur Reichspogromnacht, auch nicht zur Verfolgung von Juden zur Zeit des Nationalsozialismus. Es geht um Georg Viktor Kunz, der am 17. August 1943 aufgrund eines Urteils des Volksgerichtshofs wegen „kommunistischer hochverräterischer Umtriebe“ hingerichtet wurde. Man kann sicher unterschiedlicher Meinung darüber sein, ob es nicht gerade in einem ehemaligen jüdischen Gotteshaus und angesichts dessen, dass Antisemitismus wieder ein Thema ist, es angebrachter gewesen wäre, zum Gedenken an die Reichspogromnacht eine Veranstaltung anzubieten, in der es um die Verfolgung von Juden geht.
Ermüdende Darstellung der eigenen Recherchen
„Der Film wird für sich sprechen“, sagte Georg Maybaum, Vorsitzender des Freundeskreises ehemalige Deidesheimer Synagoge, bei der Begrüßung der Besucher. Das tut er durchaus. „Viktors Kopf“ ist eine Art private Psychoanalyse von Carmen Eckhardt, der Urenkelin von Georg Viktor Kunz. Daraus kann man durchaus einen Film machen. Wenn man damit an die Öffentlichkeit geht, sollte man aber etwas mehr bieten, als eine ermüdende Darstellung der eigenen Recherchen.
Eckhardt ist es leider nicht gelungen, ihre Recherchen in Bilder umzusetzen. Stattdessen zeigt der Film über weite Teile Bilder, die uninteressant und ein Beleg dafür sind, dass der Autorin und Regisseurin die Bilder fehlen. Immer wieder sieht man Eckhardt beim Telefonieren, zwischendurch läuft mal eine Katze durch das Bild, mehrfach sieht man den Blick durch die Scheibe eines Autos auf eine Autobahn bei Regen.
Dazu komme handwerkliche Mängel, wie Aufnahmen im Gegenlicht, die sicher nicht gemacht wurden, um den Gegenlichteffekt zu nutzen, Spiegelungen, Menschen, die so gefilmt werden, dass die Perspektive nicht stimmt.
Es kann interessant sein, über die Recherche zu einem Thema einem Film zu drehen, doch muss man den Film so schneiden, dass die Recherche so kompakt zusammengefasst wird, damit sie interessant ist. Das ist bei „Viktors Kopf“ nicht der Fall. Stattdessen hat der Film unnötige Längen und Eckhardt führt Menschen vor, die ihre Arbeit machen. Etwa die Mitarbeiterin einer Behörde, die sich redlich bemüht, den richtigen Ansprechpartner für die Anfrage von Eckhardt zu finden, aufgrund der Art der Anfrage aber etwas überfordert ist.
Eckhardt hätte sich selbst bemühen können, herauszufinden, wer ihr Ansprechpartner ist. Auch sonst ist die Art ihrer Recherchen teils etwas fragwürdig, etwa wenn es darum geht, sich über Urteile des Volksgerichtshofs zu informieren.
Eckhardt hat den Film, in dem sie selbst im Mittelpunkt steht, 2016 mit ihrer eigenen Produktionsfirma auf eigene Initiative gedreht. Er war nicht im Fernsehen oder einem sonstigen Medium zu sehen.