Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Deidesheim: Deutsche und französische Schüler beschäftigen sich gemeinsam mit der Geschichte der beiden Länder

Schüler aus Deidesheim und St. Jean de Boiseau beschäftigten sich mit der Geschichte der beiden Ländern und präsentierten die Er
Schüler aus Deidesheim und St. Jean de Boiseau beschäftigten sich mit der Geschichte der beiden Ländern und präsentierten die Ergebnisse ihrer Erfahrungen in der ehemaligen Synagoge. Foto: Linzmeier-Mehn

Geschichte vor Ort lernen statt aus den Büchern: Darum ging es bei einem Besuch französischer Jugendliche aus der Partnerstadt Deidesheim. Eine Stadt- und Geschichtsführung durch Neustadt übernahmen gleichaltrige Schüler.

Hannah Adam besucht die Integrierte Gesamtschule Deidesheim/Wachenheim, Carmen Villemur geht in St. Jean de Boiseau, der Partnergemeinde Deidesheims in der Nähe von Nantes, in die Schule. Die beiden haben an dem Projekt „Hundert und eins Jahre – Cent un ans“ teilgenommen, dessen Ergebnisse am Samstag in der ehemaligen Synagoge präsentiert wurden. Dafür hatten Jugendliche aus Deidesheim und St. Jean de Boiseau sich vor allem mit der Zeit der beiden Weltkriege in Frankreich und Deutschland befasst .

Besuch in der NS-Gedenkstätte

Sehr aufschlussreich fanden die beiden 17-Jährigen den Besuch der NS-Gedenkstätte in Neustadt. Carmen wunderte sich vor allem darüber, wie wenig selbst die deutschen Jugendlichen über die Zeit des Nationalsozialismus wüssten. Hannah räumt ein, dass ihr beispielsweise gar nicht klar gewesen sei, dass der Name „Deutsche Weinstraße“ aus dieser Zeit stammt. „Eigentlich hätten es alle wissen müssen“, meint Carmen.

Auch wenn die Neustadter Gedenkstätte im Gegensatz zu den großen Gedenkstätten „nur ein kleiner Ort ist“, wie Carmen feststellt, sei ein Besuch sehr aufschlussreich. Darin sind sich beide einig, denn „der Ort ist so gemacht, dass alle von einem Besuch profitieren: Kinder und Erwachsene, Unerfahrene und solche, die schon Bescheid wissen.“ Auch die Führung durch Neustadt hat die beiden sehr beeindruckt. Besonders gut fanden sie es, dass die Stadt- und Geschichtsführung ein gleichaltriger 17-jähriger Schüler übernommen hatte. „Jugendliche können Jugendlichen Fakten ganz anders vermitteln als Erwachsene“, sagen sie. Die Führung sei richtig spannend und lehrreich gewesen. Nachhaltig beeindruckt haben vor allem Carmen die Stolpersteine, die als kleine Gedenkplatten im Boden an jüdische Mitbürger erinnern, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, deportiert und ermordet wurden oder sich selbst das Leben nahmen. „Die Stolpersteine kannte ich noch nicht.“

Auch Persönliches erfahren

Großen Eindruck hat es auf sie in diesem Zusammenhang gemacht, dass sie bei der Führung auch Persönliches über die Menschen erfahren haben, für die die Stolpersteine gesetzt wurden. Menschen, die in der Gesellschaft integriert waren und denen alles genommen wurde. „Es war sehr gut, dass bei dieser Führung nicht nur geschichtliches Wissen wiederholt wurde, sondern dass Persönliches einfloss“, sagt Hannah. Carmen stimmt ihr bei: „Es ist wichtig, dass Geschichte nicht anonymisiert wird.“ Carmen hätte gern noch mehr erfahren, denn Neustadt sei zwar nur eine kleine Stadt, habe ja aber eine ähnliche Geschichte wie viele andere Städte. Auch das habe sie nachdenklich gemacht.

Hannah und Carmen sind ein schönes Beispiel auch dafür, wie über Grenzen und Entfernungen hinweg Freundschaften entstehen können. Beide sind in der 12. Jahrgangsstufe, beide interessieren sich für Sprachen und Geschichte. Hannah lernt seit der elften Klasse Französisch und hat Geschichte als Leistungsfach gewählt. Carmen lernt Deutsch schon seit der sechsten Klasse. Auf ihrem Stundenplan bildet es einen Schwerpunkt: sechs Stunden pro Woche deutsche Sprache und Literatur, vier Stunden Geschichte und Erdkunde, ebenfalls auf Deutsch. Hannah will jetzt „ganz viel Französisch lernen“, um Carmen im nächsten Jahr in der Bretagne damit zu überraschen.

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