Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Deidesheim: Der Weinheimer Kabarettist Daniel Helfrich zu Gast im Boulevardtheater

Ein Tanz und 35 Todesfälle: Musikkabarettist Daniel Helfrich im Boulevardtheater Deidesheim.  Foto: Mehn
Ein Tanz und 35 Todesfälle: Musikkabarettist Daniel Helfrich im Boulevardtheater Deidesheim.

„Eigentlich bin ich ja Tänzer“ ist der Titel von Daniel Helfrichs aktuellem Programm, mit dem der Klavierkabarettist am Donnerstag im ausverkauften Deidesheimer Boulevardtheater gastierte. Eigentlich, denn immer kommt etwas dazwischen. Meistens das Ableben potenzieller Partnerinnen.

Von Achim Wagner

Deidesheim. „Tanzen ist nicht ganz ungefährlich“, schickte Helfrich nach der Auftaktnummer am Keyboard voran. „Es gibt in meinem Programm heute 35 Todesfälle.“ Damit niemand den Überblick verliert, hat er auf der Bühne einen Zähler aufgestellt. Und jedes Mal, wenn er das tragische Ende einer hoffnungsvollen Tanzkarriere besingt, klappt Helfrich anschließend wieder eine Zahl um. So stürzen sie, ertrinken, strangulieren sich, werden von Kühen erdrückt oder von Brüdern erschossen. Klar, dass Tanzen Helfrichs „Kindheitstrauma“ wurde und er schon bald Tanzfilme zu verschlingen der aktiven Betätigung vorzog. Aus jedem seiner für den Moment absoluten Lieblingsfilme spielt er die bekanntesten Melodien mit eigenen Texten versehen – meist über versehentliche Todesfälle.

Auch für einen psychopathischen Serienkiller ist sich Helfrich nicht zu schade

In einem Stück über gesunde Ernährung, Sport und Bildung bekommt Helfrich vom Deidesheimer Publikum den meisten Beifall für den Refrain, in dem er sich zu gedankenlosem Fleischkonsum, Faulheit und Bildung durch Privatfernsehen bekennt. Beeindruckend sein Lied zur Ohrwurmbekämpfung, bei dem er Hits in immer schnellerer Abfolge nahtlos ineinander übergehen lässt. Oder ein Stück, in dem er den Verfall der Manieren in der Gesellschaft beklagt: im Refrain übers Taktgefühl singt er gewollt komplett am Takt des Stücks vorbei.

Genervt ist Helfrich von der allgegenwärtigen Frage nach Bonuspunkten und Sonderaktionen beim Bezahlen. Seine proaktive Marathonantwort auf die noch nicht gestellte Frage füllt klein gedruckt eine Postkarte, die er im Publikum verteilt. Kabarettistisch bleibt es auch in seinem Lied über Reiche, die auf der Insel für die Hungernden der Welt „Pommes mit Trüffel“ schlemmen und „Champagner schlürfen.“ Gegen Ende des Programms gibt er noch den psychopathischen Serienkiller, der 27 Leichen im Garten hat – so springt der Zähler auf einen Schlag von sieben auf 34.

Zum Schluss gibt’s ein Geschenk zur Geburt seines Sohnes

Statt einem Tänzer wurde so ein „Tanzlegastheniker“ aus Helfrich. „Das einzige, was mir am Tanzen nicht gefällt, sind die Bewegungen“, sagt seine Bühnenfigur. Die aus der Passivität resultierenden orthopädischen Probleme besingt er in einem flotten „Rücken Roll“.

Bevor er sich mit zwei Zugaben, eine davon ein Stück aus seinem neuen Programm „Trennkost ist kein Abschiedsessen“ verabschiedet, überrascht ihn das Team des Boulevardtheaters und Fans aus der ersten Reihe noch mit Geschenken zur Geburt seines Sohns, der Anfang Mai unmittelbar nach Helfrichs damaligem Auftritt in Maikammer zur Welt gekommen ist.

x