Neustadt
Deidesheim: Bildhauerin Bettina C. Morio öffnet wieder ihre Galerien
DEIDESHEIM. „Ich bezweifle, dass viele Leute kommen und dass es lange vorhält“, beschreibt sie ihre Sorge, dass die jetzige Öffnung eine zweite Corona-Welle nach sich ziehen und dann zu noch viel drastischeren Einschränkungen führen wird. „Kommen Sie also jetzt, und nutzen Sie die Gelegenheit“, scherzt sie. Normalerweise ist der Frühling für die Stein- und Bronzebildhauerin mit die beste Zeit für Verkäufe. Die sind in den vergangenen Wochen aber völlig zum Erliegen gekommen. „Da läuft aktuell nichts mehr“, sagt die 52-Jährige, die eigentlich 2020 ihr 30-jähriges Jubiläum als selbständige Künstlerin feiern wollte, und räumt ein, dass sie auf ihre Rücklagen zurückgreifen muss, um über die Runden zu kommen. Sie sieht sich außerdem in der Verantwortung für eine Mitarbeiterin, die sie auf keinen Fall entlassen oder in Kurzarbeit schicken will.
Als bildende Künstlerin ist es Bettina Morio natürlich gewohnt, ganz für sich allein an ihren Kunstwerken zu arbeiten. Die Zeit der Zeit der Isolation war für sie deshalb keine besondere Belastung, auch wenn ihr, wie sie sagt, der Kontakt mit an ihrer Kunst interessierten Menschen sehr fehlt. Ihre Kunstwerke wie zum Beispiel ihre knuffigen „Alltagshelden“ aus Sandstein stattdessen übers Internet zu offerieren, ist für sie aber ein No-Go. „Nein, meine Werke sind was ganz Persönliches, da ist der Dialog zwischen den Menschen ganz wichtig“, beschreibt Morio ihre Philosophie. Dass ihr von Behörden-Seite geraten wurde, doch jetzt einfach mal so einen Online-Shop einzurichten, empfindet sie deshalb als Witz. „Das funktioniert bei Einzelstücken doch gar nicht.“
Deshalb kämpfte sie auch vehement um die Erlaubnis, Kunstinteressierten bei konkreten telefonischen Anfragen ihre Werke zeigen und verkaufen zu dürfen, die schließlich auch erteilt wurde. Die Öffnung ab Freitag ist nun ein weiterer Schritt – auch wenn man, um in die Galerien zu kommen, jeweils klingeln und einen Mundschutz tragen muss. Da der für Deidesheim so wichtige Tourismus flach liegt, wird es aber schwierig vorauszusagen, ob sich das Ganze lohnt. „Früher habe ich im Grunde immer gewusst, was ich in einem bestimmten Zeitraum des Jahres verkaufen werde. Das ist jetzt völlig anders.“ Große Hoffnungen setzt die Künstlerin auf ihre „Gutsteine“, signierte Steinplatten im Postkartenformat, die wie Gutscheine funktionieren und ab einem Betrag von 20 Euro zu haben sind.
Sie wolle sich nicht unterkriegen lassen, erklärt sie, und deshalb setzte sie ihr künstlerisches Wirken in den vergangenen Wochen nahtlos fort – fast so, als gäbe es kein Corona. Und sie habe die Zeit genutzt, gleich mehrere neue Projekte vorzubereiten, über die sie aber noch nichts verraten will. Dass sie der Stein- und Bronzebildkunst treu bleibt, ist aber klar. „Eine Alternative kommt für mich nicht in Frage. Das ist mein Ding“, betont sie.