Deidesheim
Deidesheim: Auch „Intonation“ wird durch Corona ganz schön durchgewirbelt
In diesem Jahr ist es also die Corona-Sorge, die das Aufkommen von Routine bei der Organisation der Kunsttage verhindert: Hasan Şahbaz, ein Freund und Kollege aus der Türkei, der nach 2017 erneut nach Deidesheim kommen wollte, hat abgesagt – es sei zu unsicher, ob er danach wieder problemlos in seine Heimat einreisen könne, so Zeit. Spontan für ihn eingesprungen ist mit Sarah Bartmann eine junge Kollegin aus Halle an der Saale, die 2018 erstmals an der „Intonation“ teilgenommen hatte. Und gestern dann gleich die nächste Abmeldung: Auch die Schwedin Inger Sødergren wird nicht wie geplant kommen. Für sie hat Zeit ganz kurzfristig die Lettin Aisté Kalvelyté ins Boot geholt.
Das Material ist bestellt
„Das zeigt, dass sich stündlich etwas ändern kann“, meint Zeit, wähnt die „Intonation“ in ihrem 16. Jahr aber dennoch in trockenen Tüchern. Eine Tonne Ton – nach den Wünschen der Teilnehmer konfektioniert in Porzellan und unterschiedlich stark schamottierten Drehton in diversen Farben – ist ebenso angeliefert wie andere Rohstoffe und Werkzeuge, der Holzbrennofen, in dem ihr Partner Svein Narum einen Teil der während des Symposiums entstehenden Arbeiten brennen wird, ist vorbereitet, die Unterkünfte sind gebucht.
„Die Teilnehmer finden ihre fertigen Arbeitsplätze vor“, sagt Zeit – und betont, dass ihre Gäste in den kommenden Tagen durchaus einiges zu leisten haben. Der enge Kontakt untereinander und das Arbeiten vor Publikum während der offenen Werkstätten in Kombination mit dem Anspruch, während der Arbeitswoche Stücke für die Abschlussausstellung fertigzustellen, verlange den Künstlern viel ab – gebe ihnen andererseits aber auch einiges zurück: „Wer einmal da war, kommt immer gerne wieder“, sagt sie über die Resonanzen auf ihre Einladungen. Denn während der gemeinsamen Tage in Deidesheim sei schon so manche gegenseitige Inspiration gelungen und so manche Freundschaft entstanden.
In diesem Jahr werden Sarah Bartmann und Aisté Kalvelyté gemeinsam mit Friederike Zeit und Svein Narum im Zeit’schen Atelier im Deidesheimer Schloss arbeiten. Die ehemalige Synagoge teilen sich der junge Spanier Julen Ussia, die Französin Clémentine Dupré und Anna Dorothea Klug aus Leipzig.
Sarah Bartmann wird sich während ihrer zweiten Woche in Deidesheim dabei einem ihrer neuen Sujets widmen, dem Kannen-Thema im Bauhaus-Stil – ein „spannendes Spiel mit experimentellen Formen“, verspricht Zeit. Zeit selbst wird weiter an ihren skulpturalen Wandobjekten arbeiten und sich ihren Gästen widmen, während ihr Ehemann Svein Narum sein mit kalligraphischer Ornamentik verziertes Gefäßthema verfolgt und sich um die Bestückung des Holzbrennofen kümmert. Inger Sødergren, eigentlich als ihre Nachbarin im Zeit’schen Atelier vorgesehen, ist zwar nun doch nicht selbst dabei, dafür aber ihre Arbeiten, die schon zuvor auf die Reise gegangen sind – Landschaften und von der Natur inspirierte Formen wie Fruchtkapseln und gewachsene Strukturen, die aus dem Kontrast von langsamem, kontrolliertem Aufbau und dem nicht vorhersagbaren Ergebnis des Brennens ihre Wirkung erzielen.
Drei „Neue“ in der Synagoge
Die altehrwürdige ehemalige Synagoge teilen sich in diesem Jahr drei Neuzugänge der„Intonation“, nämlich der Spanier Julen Ussia, der seine installativen Arbeiten aus Ton und Objets trouvés zusammensetzt, Anna Dorothea Klug aus Leipzig, die in ihren figurativen Installationen mal anrührende, mal lustige, mal comichafte und auch absurde Elemente vereint, und die Wahl-Bretonin Clémentine Dupré mit ihren architektonisch aufgebauten Gitterbergen und -häusern, die sie raumbezogen auf ihre Umgebung aufbaut.
Eine Woche lang können die Besucher beim Spaziergang durch Deidesheim erleben, wie die Arbeiten entstehen und dabei auch ins Gespräch mit den Künstlern kommen – eine Gelegenheit, die in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen nutzten, wie Friederike Zeit berichtet: „Das Interesse wächst, und das spornt unsere Künstler an.“
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