Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Deidesheim: Über 2000 Besucher bei der 13. Jazzwanderung

Premiere: zwei der vier Jazz Sisters in Aktion.
Premiere: zwei der vier Jazz Sisters in Aktion. Foto: Linzmeier-Mehn

Die Jazzwanderung in Deidesheim ist inzwischen ein Geheimtipp. Fast alljährlich könnten die äußerlichen Bedingungen nicht besser sein. Das war auch in diesem Jahr so. Schon vor dem eigentlichen Start am Winzerverein strahlte die Sonne von oben.

Die ersten Klänge der Berliner Jazzpolizei waren schon von Weitem zu hören. Polizisten, die Schubidu durchs Megafon singen und dazu mit der Konfetti-Pistole schießen. Wo gibt es so etwas? Nur bei der Jazzpolizei, die eigens aus der Hauptstadt an die Weinstraße gekommen war. Die drei Jungs hatten sichtlich Spaß. Auf ihren Instrumenten Trompete, Banjo und Sousafon machten ihnen keiner was vor. Es war einfach akustischer Swing und Dixie vom Feinsten. „Grandios, wir bleiben hier. Dann müssen wir nicht laufen“, sagte Bernd Knapp. Der 59-Jährige genoss den Sekt vom Winzerverein und saß auf Holzpaletten.

Die vielen Wanderer aus nah und fern hatten schon die Musik im Ohr, noch ehe sie ihr Ticket lösen konnten. Und der prickelnde Genuss kam gleich beim Start nicht zu kurz. Sekt gab es bei der kultigen Jazzwanderung, die Yvonne Suzette Moissl vor 13 Jahren aus der Taufe gehoben hatte und zu einem Geheimtipp reifen ließ. „Das war wieder eine perfekte Veranstaltung“, erklärte die Kulturmanagerin zufrieden. „Es werden immer mehr Stammgäste, die alljährlich diesen Tag einfach genießen wollen“, stellte Moissl fest. „Wir wollen aber keinesfalls noch größer werden. Es soll auch familiär bleiben.“

So What mit Überraschungsgast

Dennoch waren wieder über 2000 Gäste nach Deidesheim gekommen. Es geht alljährlich mit dem Stilglas und dem Rucksack auf dem Rücken durch die besten Weinberglagen bei Deidesheim und Ruppertsberg von einer Station zur Nächsten. „Es gibt doch nicht schöneres, als in den Weinbergen, die Seele baumeln lassen. Wir kommen sehr gerne hierher“, sagte Stefanie Wagner. Sie war diesmal mit Freunden aus Heppenheim an die Weinstraße gekommen. „Wir haben vor drei Jahren erstmals davon erfahren und seitdem kommen wir immer wieder gerne. Solch eine Form gibt es nicht überall“.

Auch diesmal gab es wieder feinsten Jazz. Besser könnte auch das Motto nicht sein: „Hab’ Musik im Ohr und Sonne im Glas“. Vier Jazz-Points lagen auch diesmal auf dem Weg. Dort gab es bekannte und neue Gesichter. Zu den Erstgenannten gehört ohne Zweifel So What, ein Quartett, das sich nach dem Lieblingsspruch des Jazz-Trompeters und Komponisten Miles Davis benannt hat. Und sie hatten mit Bo Schmich eine weit über die Rhein-Neckar-Region bekannte Sängerin als Special-Guest, die mit ihrer eindrucksvollen Stimme ihr außergewöhnliches Können bewies.

Premiere für die Jazz Sisters

Zu den Stammgästen gehört auch diesmal wieder der soulig singende und Trompete spielende Entertainer Huub Dutch. Der Niederländer, der gemeinsam mit außengewöhnlichen Pianisten Christ Oettinger unterwegs war, empfing seine mit seinem Programm „When you’re on the Wäscheleine“. Einfach unverwechselbar, wenn Huub Dutch seinen Bass in einem alten Betonmischkübel erzeugt und selbst dem Wäscheleinphon einen satten Sound abzuringen weiß.

Dass der Spaß nicht zu kurz kam, dafür sorgte auch Skotty, der jazzige Eisverkäufer. Der Bottroper Jazzkünstler überzeugte nicht nur als Trompeter sondern auch als Entertainer mit seiner Show „Der Eismann kommt“. Eine kabarettistische Einlage von persönlich erlebten Geschichten, die einerseits liebenswert aber auch komisch machten.

Premiere feierten die Jazz Sisters, ein Quartett das keine Genregrenzen kennt. Sie boten aber Musik vom Ohr ins Herz. Alles, nur nicht kompliziert. Aus dem Swing-Standard machten sie eine Funk-Nummer, aus einem Pop-Hit wurde ein Jazzwalzer und dass ein Rockklassiker auch in satten Latin-Rhythmen klingen kann, das bewiesen die vier Musikerinnen. Das gefiel auch den Besuchern, die es sich bei den Klängen und einem Gläschen Wein oder Sekt einfach nur gut gehen ließen.

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