Am Rande der Bande RHEINPFALZ Plus Artikel Das Wasserball-Gymnasium in Neustadt

Das Neustadter Käthe-Kollwitz-Gymnasium liegt nur etwa 1400 Meter vom Stadionbad entfernt.
Das Neustadter Käthe-Kollwitz-Gymnasium liegt nur etwa 1400 Meter vom Stadionbad entfernt.

Das „Käthe“ in Neustadt und seine sportlichen Schüler und Lehrer: Wann wird ein gewisser Lehrer geduzt und wann gesiezt?

Eine Neustadter Schule, das Käthe-Kollwitz-Gymnasium (KKG), ist gleich mit fünf Nachwuchsspielern im SC Neustadt vertreten. Dazu kommt Luis Ananias, der das KKG vor einem Jahr mit dem Abitur verlassen hat. Selbst sein Vater, Lars Ananias, war einst Schüler dieses Gymnasiums. Der ehemalige Spieler unterstützt jetzt den SCN als Betreuer, Cotrainer und Pressesprecher. Auch SCN-Zweitliga-Trainer Thorsten Preuß war Absolvent am KKG. Jetzt ist er seit Jahren an seiner alten Schule als Sport- und Biologielehrer im Einsatz.

So laufen ihm die aktuellen SCN-Spieler Matteo Ananias, Ege Engin, Joona Vagts und Alex Chaloupka sowie Flynn Laux in den Fluren der Schule regelmäßig über dem Weg. Laux, als Sohn von Thorsten Preuß, hat dabei natürlich noch eine weitere Ausnahmestellung. Luis Ananias gehört als ehemaliger Absolvent des KKG ebenfalls zur jetzigen Neustadter Zweitliga-Mannschaft. Der langjährige Keeper Kai Ulrich baute „natürlich“ sein Abitur auch an diesem Gymnasium.

13 Spieler in einer Mannschaft

Auf dem Spielberichtsbogen einer Wasserball-Mannschaft stehen 13 Spieler, sieben steigen ins Becken, ausgewechselt werden kann „fliegend“ und jederzeit. Die sechs Spieler auf der Bank sind in der Regel die Zweitbesetzung, darunter im Idealfall ein Ersatztorwart. So sitzen also fünf Mannschaftsspieler bereit, ihre Kollegen im Wasser zu ersetzen. Gewechselt wird oft, aus taktischen Gründen, wegen einer Verschnaufpause, einer Verletzung oder um dem drohenden Spielausschluss zu entgehen, weil vielleicht einer schon zwei Zeitstrafen kassiert hat. Eine dritte Hinausstellung oder ein verursachter Fünfmeter bedeuten nämlich das Aus für diesen Spieler in dem jeweiligen Spiel. Soweit also die Regeln für den Einsatz der Spieler.

Das Zweitliga-Team des SC Neustadt füllt seit einigen Jahren erfolgreich seinen Kader auf mit dem Einsatz der jeweiligen Nachwuchsspieler, die in der Jugend aufgebaut wurden. Der aktuelle Mix besteht neben den erfahrenen Führungsspielern Matthias Held und Timo van der Bosch aus Nachrückern der SCN-Jugend sowie aus einigen ambitionierten Nachwuchsspielern, die noch die Schulbank drücken.

Wenn aus „Tossi“ „Herr Preuß“ wird

Zu den Spielern des „Käthe“ gehört in der Schule ein besonderer Umgang mit dem Coach. Schließlich duzen alle Spieler im Stadionbad ihren Trainer, rufen ihn oft „Tossi“ und schätzen seinen fairen, offenen Umgang. Egal, ob 30 plus oder unter 18. Trifft Preuß die Spieler in der Schule, dann gehört ein freundliches Nachfragen nach dem aktuellen Befinden dazu, etwa ob Blessuren aus dem jüngsten Spiel ausgeheilt seien, ob die Erkältung sich gebessert habe. Auch dann duzen die jungen Spieler ihren Trainer noch. Betritt Preuß allerdings in offizieller Lehrerfunktion einen Klassensaal, dann wird aus dem „Du“ ein „Sie“. Preuß: „Die Jungs können damit schon umgehen. Sie wissen, wann sie mich besser mit „Herr Preuß“ ansprechen. Aber wir sprechen außerhalb des Unterrichts schon über Wasserball, einfach ein Small Talk, dann duzen wir uns auch. Wenn ich aber im Schwimmbad mit ,Herr Preuß’ angesprochen werde, bekomme ich Gänsehaut. Wasserball ist Teil meiner Freizeit. In der Schule sind sie Schüler, im Verein sind sie Wasserballer.“

Er sei auch als Lehrer gerne in der „flachen Hierachie“ unterwegs, spreche mit allen Schülern auf einer Ebene. Er versuche, transparent zu sein, kein Schubladendenken aufkommen zu lassen, betont Thorsten Preuß. Daher spielt es keine Rolle im Unterricht, ob ein Spieler Wasserballer ist. Doch Preuß versucht ebenfalls, jeglichen Berührungspunkten aus dem Weg zu gehen. „Wenn bei der Planung des Stundenplans möglich ist zu entscheiden, eine Klasse ohne SCN-Spieler zu übernehmen, dann wähle ich die Klasse ohne Wasserballer“, erklärt er.

Mitschüler als Fans

Ansonsten sieht er mit Freude, dass sich sogar eine kleine Fangemeinschaft aus Schülern des KKG gebildet hat, die neugierig sind auf die Spiele ihrer Schulkameraden. „Im Bad begrüße ich sie alle“, so Preuß.

Im Sommer, in der Projektwoche des KKG kurz vor den großen Ferien, ist dann auch Wasserball im Angebot. Entweder als „Aquaball“ im nur brusthohen Wasser für die jüngeren Schüler oder aber „echter“ Wasserball für die Oberstufe. Dann engagieren sich die SCN-Spieler selbst und bieten Übungen an. Preuß kann sich hier als aufsichtführender Lehrer im Hintergrund halten.

Der ehemalige Schulleiter

Und nebenbei gesagt, gehört zum SCN-Personal auch ein ehemaliger Schulleiter des KKG. Als engagierter Nachwuchscoach und geduldiger Pädagoge steht Peter Jacqué am Beckenrand und trainiert die Jungs. Der 76-Jährige ist schon einige Jahre im Ruhestand, die jetzige Schülergeneration hat ihn daher nicht mehr als Lehrer erlebt. Doch Jacqué war selbst auch ein erfolgreicher Erst- und Zweitligatrainer im SCN, damals unter anderem mit Thorsten Preuß als Spieler.

So lässt sich wirklich nicht verleugnen, dass zwischen „Käthe“ und dem SC Neustadt eine besondere Anziehungskraft besteht. Vielleicht auch deshalb, weil die Schule nur rund 1400 Meter vom Stadionbad entfernt liegt.

Sie sind alle am Käthe: Matteo Ananias, Flynn Laux, Thorsten Preuß, Ege Engin, Joona Vagts, Alex Chaloupka (von links).
Sie sind alle am Käthe: Matteo Ananias, Flynn Laux, Thorsten Preuß, Ege Engin, Joona Vagts, Alex Chaloupka (von links).
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