Neustadt Das Glanzlicht in der Dunkelheit

Blieb fast zehn Sekunden unter der EM-Norm: Hanna Klein.
Blieb fast zehn Sekunden unter der EM-Norm: Hanna Klein.

«Karlsruhe.»Die Atmosphäre bei der Langen Laufnacht in Karlsruhe ist stets eine besondere. Wenn es dunkel wird und so langsam die Hauptläufe der Veranstaltung beginnen, dürfen die Zuschauer die Außenbahnen im Carl-Kaufmann-Station betreten, um näher an den Athleten zu sein – und um diese besser, das heißt lauter, anfeuern zu können. Die Stimmung ist dadurch eine spezielle. Eine, die den Athleten entgegenkommt. „Die Zuschauer haben mich über die Strecke getragen“, sagte dann auch Hanna Klein, am Samstagabend die Siegerin über 5000 Meter (15:30,01 Minuten). Klein war ab der fünften Runde auf sich alleine gestellt – bis dahin hatte die deutsche Marathonmeisterin Fabienne Amrhein (MTG Mannheim) für Tempo gesorgt. Dann setzte sich Klein an die Spitze und lief einsam vorneweg – teilweise bis zu 50 Meter vor der zweiten Gruppe. Unter diesen Umständen kam sie nicht an ihre Zeit aus dem Vorjahr heran. Bei der zweiten Langen Laufnacht war die heute 25-Jährige 15:17,14 Minuten gelaufen. „Ich finde, 15:30 Minuten alleine zu laufen, schon ganz gut“, sagte die deutsche Hallen-Vizemeisterin über 1500 Meter. Die gebürtige Edenkobenerin war mit dem, was sie in Karlsruhe auf die Bahn getrommelt hatte „sehr zufrieden“. Immerhin blieb sie ja auch knapp zehn Sekunden unter der 5000-Meter-Norm für die EM in Berlin (15:40 Minuten). „Das war das Ziel. Es ist nicht einfach, das alleine von vorne laufend zu schaffen“, bekannte Klein. Sie will in den kommenden Wochen nun auch versuchen, über 800 und 1500 Meter den Richtwert für die Europameisterschaften zu knacken. Über 800 Meter lief sie Ende April in Weinstadt in 2:02,35 Minuten ja schon recht nahe an die Norm (2:01,50) heran. 800, 1500, 5000 Meter – einen Strecken-Favoriten bezüglich des Starts in Berlin hat Klein noch nicht. „Wir werden sehen. Ich will mir so viele Optionen wie möglich offenhalten“, sagte sie: „Die Norm zu haben, heißt ja nicht automatisch einen EM-Startplatz zu haben. Die Konkurrenz ist in Deutschland stark, insbesondere über die 1500 Meter.“ Klein verband den Wettkampf in Karlsruhe mit einem Heimatbesuch. „Ich bin schon am Donnerstag angereist und fahre jetzt auch wieder mit meiner Mutter zusammen nach Edenkoben“, erzählte Klein. Hinter ihr lief 5000-Meter-Debütantin Denis Krebs (TSV Bayer Leverkusen) in 15:30,85 Minuten ebenfalls deutlich unter dem EM-Richtwert ins Ziel. Die mehrmalige deutsche Meisterin über 1500 Meter überzeugte dabei mit einem starken Finish und lief fast noch auf Klein auf. Die abgehakten Normen von Klein und Krebs waren die beiden einzigen erfüllten Richtwerte für die EM in Berlin am Samstag in Karlsruhe. Die deutschen Mittelstreckler hinkten den Anforderungen noch ein bisschen hinter her – was zu dem frühen Zeitpunkt der Saison nicht so schlimm ist. Über 800 Meter der Männer gewann so Baptiste Mischler aus Frankreich in 1:48,02 Minuten, über 1500 Meter siegte Isaac Kimeli (Belgien/3:37,05 Minuten). Bester Deutscher über die dreidreiviertel Runden war Hanna Kleins Freund Marcel Fehr (SG Schorndorf/3:41,11), knapp vor Lokalmatador Christoph Kessler (LG Region Karlsruhe/3:41,70). 1500-Meter-Spezialist Timo Benitz (LG farbtex Nordschwarzwald) stieg über 800 Meter in der letzten Kurve aus. Den 800-Meter-Sieg bei den Frauen sicherte sich Tanja Spill (LAV Bayer Uerdingen/Dormagen), die in 2:05,11 Minuten noch ein Stückchen von der EM-Norm entfernt war (2:01,50). Den Weitsprung gewann Maximilian Enzholzner vom 1. FC Passau, der mit 7,92 Metern die EM-Norm (7,95 m) nur knapp verfehlte. Julian Howard (LG Region Karlsruhe/7,72) belegte Rang drei. Er hatte bei seinem fünften Sprung Pech. Dieser wäre wohl über acht Meter weit gewesen, war aber ganz knapp übertreten.

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