Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Das „Duo Caloroso“ nimmt die Reihe der Deidesheimer Spitalkapellen-Konzerte wieder auf

Charlotte Lettenbauer und Carolina Blumenschein begeisterten in der Spitalkapelle mit Werken aus drei Jahrhunderten.
Charlotte Lettenbauer und Carolina Blumenschein begeisterten in der Spitalkapelle mit Werken aus drei Jahrhunderten.

„Es ist für uns ein emotionaler Moment, wieder live spielen zu dürfen“, betonte Charlotte Lettenbauer, die Organisatorin der noch jungen, aber durch Corona gleich in der Debütsaison arg ausgebremsten Kammermusikreihe in der Spitalkapelle, beim ersten Nach-Lockdown-Konzert am Samstag. Zusammen mit ihrer Violin-Partnerin Carolina Blumenschein gab die seit über vier Jahren in Deidesheim lebende Cellistin als „Duo Caloroso“ ein wichtiges Lebenszeichen für die regionale Musikszene.

28 Besucher lauschen am Nachmittag, beim ersten von zwei Konzerten mit gleichem Programm an diesem Tag, hingebungsvoll der „Reise durch drei Jahrhunderte“, die Spitalkapelle - ist gemäß Corona-Abstandsregelung - damit voll besetzt. Bekanntes erklingt zum Einstieg mit „Inventionen“ von Johann Sebastian Bach, ursprünglich für Clavichord oder Cembalo geschrieben. Vielen Klavierschülern ist die zweistimmige Invention Nummer 4 in d-Moll aus dem eigenen Unterricht bekannt. Wesentlich lebendiger erscheint die Transkription, die hier von den beiden Saiteninstrumenten in punktgenauer Rhythmik und ausgefeilter Dynamik präsentiert wird. Eine genauso neue Klangerfahrung offenbart die Invention Nummer 11 in g-Moll.

Beethoven ist auch ein Corona-Opfer

Eine Hommage an Ludwig von Beethoven, dessen 250. Geburtstag dieses Jahr mit vielen großen Konzertprogrammen gefeiert werden sollte, ist ein Duo in C-Dur, ursprünglich für Klarinette und Fagott geschrieben. „Pech im Corona-Jahr, sein Gedenken konnte bisher nicht gewürdigt werden, wie er es verdient hätte“, bedauert Lettenbauer. Allegro, Larghetto und Rondo stammen aus einer frühen Schaffensperiode des Meisters, Witz und Spielfreude zeigt das Duo in allen drei Sätzen, einsteigend mit einem Dialog.

Die beiden Instrumente gehen ins Zwiegespräch, das Cello als ruhender Pol, die Violine flatternd und mit kokettierendem Charme. Es folgt ein heiterer Wechsel zwischen beiden in der Stimmführung, in der Modulation zum Moll werden trotzig aufbegehrende Töne laut. Beim elegischen Larghetto kommt das volltönende Cello in tiefen Lagen zur Geltung, während die Geige dezente rhythmische Akzente in den Höhen setzt. Im Rondo Allegretto entfaltet sich ein kontrastreiches, fröhliches Zwiegespräch zwischen beiden Instrumenten. Blumenschein und Lettenbauer bezaubern mit Fingerfertigkeit in rasanten Läufen und empathischer Klanggebung.

Das Programm ist ausgesprochen abwechslungsreich

Kurzweilig ist das Konzertprogramm auch dank der abwechslungsreichen, niemals langatmigen Sätze aus verschiedenen Epochen. Die „Acht Stücke“ (Opus 38) des sowjetischen Komponisten Reinhold Moritz Glière (1874-1956) zeugen von dessen Prägung durch russische Folklore und den Impressionismus aus seiner Berliner Zeit. Nationalromantik wie auch bildhaftes Erleben prägt schon das Prélude, bei dem Lettenbauer mit ihrem Cello das Hauptthema in satter Tiefe ausführt. Bei der „Gavotte“, dem gleichnamigen französischen Tanz nachempfunden, fühlt man sich in die Szenerie eines Dorffests versetzt. Die russische Seele kommt mit melancholisch-schmeichelnden Themen bei der „Berceuse“ zum Vorschein.

Nach zwei weiteren Sätzen lässt das „Impromtu“ aufhorchen, deutlich impressionist geprägt. Auf einen dramatischen Einstieg folgen – wie in einem Rollenspiel – abwechselnd klagende Einwürfe beider Instrumente, wie immer im lebhaften Dialog. Deutlich wird die Verschmelzung von Volksweisen und Neuer Musik ebenso beim abschließenden „Scherzo Vivace“. Taktwechsel, synkopische Themen und akzentuierte rhythmische Motive unterstreichen das Stimmungsgemälde.

Es soll nun doch noch ein weiteres Konzert in diesem Jahr geben

Die Begeisterung des Publikums entlädt sich am Schluss in anhaltendem Beifall. Als Zugabe erklingt, von Lettenbauer und Blumenschein spannend und mit Begeisterung interpretiert, ein Kanon des spätromantischen finnischen Komponisten Jean Sibelius. Und für Dezember ist nun doch noch ein weiteres Konzerte der Reihe unter dem Titel „Innehalten im Advent“, wieder mit dem „Duo Caloroso“, geplant. Ob es sich im Winter in der kleinen Kirche realisieren lässt, hängt aber von der Corona-Entwicklung - genauer den dann gültigen Vorgaben zu den Heizungs- und Lüftungsbedingungen - ab.

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