Neustadt Das Bett im Kornfeld und eine Flasche Pommes frites

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Nein, in dieser auffallenden Kostümierung wollte Pfarrer Jochen Keinath, wie er sagte, am Sonntag nicht die Konfirmation feiern. Aber für den bunten Abend des protestantischen Kirchenchors, der unter dem Motto „70er Jahre“ stand, war das Hippie-Outfit genau passend. Ebenso wie die Deko im Gemeindesaal, die Hits, die Sketche und das Essen.

Die Sängerinnen und Sänger haben keine Mühe gescheut. In farbenfrohen, auffallend gemusterten Röcken und Blusen, mit Tüchern um den Kopf oder weiten Hosen betreten sie die Bühne im Gemeindesaal. Begleitet von Dirigentin Tatjana Geiger, die abwechselnd Keyboard und Klavier spielt, steigt der Chor mit „Anita“ ein. Dank der ausgeteilten Liedblätter können alle mitsingen. Die Ohrwürmer wie „Ein Bett im Kornfeld“, „Aber bitte mit Sahne“ oder „Dschingis Khan“ kennt jeder. Auf der Fensterbank dreht sich die Discokugel, und an den Wänden hängen Tapetenstücke mit großen eckigen oder runden Designs. Eine weiße dickbauchige Vase mit einer langen Blume und ein Kofferradio verweisen auf die Dekade, in der Abba nicht nur mit „Waterloo“ Europa eroberte. Erinnerungen werden wach: Den Sketch, in dem Didi Hallervorden mit seinem Knastkollegen Kaufmannsladen spielt, imitieren gekonnt Regine Badenbach-Faul und Inge Keinath. Natürlich verlangt die eine wie das Vorbild – nach dem berühmten „Palümm-palümm“ – eine Flasche Pommes frites. Warum der Gast (Klaus Hammer) permanent ein Stück Apfeltorte ohne Gräten bestellt, erschließt sich nicht, aber den Ober (Hermann Brudke) bringt er zur Weißglut. Ob „Dinner for one uff Pälzisch“ aus dieser Zeit stammt, ist nicht überliefert, dass aber Brudke als Butler Karl in dieser Rolle zur Hochform aufläuft, ist gewiss. Und mit seinem Fräulein Sofie (Bärbel Heger) erntet er riesigen Applaus. Auch Tiere in Hülle und Fülle bevölkern den Bühne: das Zirpelschwein und die Kuh Elsa sind die wahren Helden (Klaus Hammer, Jürgen Blumenstiel und Hans-Martin Kuby). Im Nebenraum lachen Schinkenröllchen, Toast Hawaii, Russische Eier, Kartoffelsalat, Tomatenpilze und Spieße vom Käseigel die Besucher an. „Prima, klasse“, kommentieren einige die Spezialitäten – „genau wie die Bowle“. Verantwortlich dafür zeichnet Ingrid Brudke. Die Raucher allerdings müssen, anders als in den 70ern, heute vor der Tür bleiben. Zwischen Gedichten von Heinz Erhardt, die Werner Back vorträgt, und den Schlagern wirft Jochen Keinath einige Schlagzeilen aus den 70ern ein: Olympische Spiele in München, Fußball-Weltmeisterschaft, Einweihung des World Trade Centers, autofreier Sonntag, Apollo 13, die Vergabe des Literaturnobelpreises an Heinrich Böll oder Bundeskanzler Willy Brandts Kniefall in Warschau. „Saturday Night Fever“, Abba, auch Udo Jürgens verbindet Keinath privat mit den 70ern, wie er gegenüber der RHEINPFALZ sagt. In jener Zeit habe sich sein Berufsweg herausgebildet. Die Jugendgruppe, die er seinerzeit in Ludwigshafen besuchte, habe einen „tollen Leiter gehabt“. Dieser habe ihn motiviert, nach dem 1979 abgelegten Abitur Theologie zu studieren. Tanzmusik mit Livekapelle in Duttweiler, fröhliche Weinfeste und die erste Liebe fallen Vera und Stefan Eichhorn spontan zu diesem Jahrzehnt ein. Ein Paar sind sie noch heute. Wie Eichhorns findet Arnold Krauß den Abend prima. Das sei eine runde Sache, „alles ist stimmig“. Alle drei hoffen auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr. (giw)

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