Radsport RHEINPFALZ Plus Artikel Daniela Gass zur Master-Weltmeisterschaft

Kann es einfach nicht lassen: Daniela Gass.
Kann es einfach nicht lassen: Daniela Gass.

Es gab Auf und Abs im sportlichen Leben von Daniela Gass. Die inzwischen 43 Jahre alte Radsportlerin hat aber ihr Sportgerät nie ganz in die Ecke gestellt.

Im Gegenteil. Sie ist immer wieder stärker zurückgekommen. Am Sonntag startet sie bei der Master-WM in Aalborg in Dänemark und wird sich mit der internationalen Konkurrenz messen. Mit der Vergangenheit will sich Daniela Gass gar nicht mehr so intensiv beschäftigen. Sie schaut stattdessen lieber nach vorne. Nur das kann sie auch selbst beeinflussen. Dazu gehört ihre ungebrochene Liebe zum Radsport.

Trotz vieler Rückschläge durch zahlreiche Stürze und damit verbundenen Pausen, blieb die Haßlocherin der Sportart treu. Derzeit befindet sie sich wieder auf einem Höhenflug. Bereits elf Siege stehen in der laufenden Saison schon in ihrer Vita, der wichtigste Erfolg war der Gewinn der deutschen Meisterschaft am 30. Juni in Görlitz. Zuletzt siegte sie auch in Bellheim und in Rülzheim.

„Ich bin einfach happy, mit den Siegen motiviert zur WM zu fahren“, sagte Gass. Jetzt will die gelernte Physiotherapeutin, die ihre Anfänge beim RV 08 Dudenhofen gemacht hatte und in München erstmals die deutsche Jugendmeisterschaft holte, mehr. Sie will sich der internationalen Konkurrenz stellen und wird deshalb im Trikot der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft der Seniorinnen, wie die Master genannt werden, im dänischen Aalborg ebenfalls um die Medaillen kämpfen.

153 Kilometer

Insgesamt 153 Kilometer stehen diesmal auf dem Plan. Ein Kurs, der ihr nach der ersten Inaugenscheinnahme auf den Leib geschnitten zu sein scheint. „Ja so belgisch-niederländisch, auf und ab, aber auch mit viel Wind muss gerechnet werden. So etwas liegt mir“, meinte Gass. Sie schätzt ihre Chancen durchaus realistisch ein.

„Auch wenn ich hoch motiviert bin und auch in guter Form bin, muss ich erst mal sehen, wie stark die internationale Konkurrenz ist“, sagte die Pfälzerin und schiebt gleich nach: „Wenn man in ein Rennen geht, will man auch gewinnen.“ Nach dem sie im Monat März krank war, geht ihre Formkurve weiter nach oben.

National war sie in den letzten Wochen nicht zu schlagen und so ist sie auch mit viel Selbstvertrauen nach Dänemark gereist. Dabei kommen ihr sicherlich die Erfahrungen als Ex-Profi zugute. Erst mit 31 Jahren erhielt sie nach zuvor vielen Jahren Pause ihren ersten Profivertrag. Dabei hatte sie 1998 als damals sechsfache deutsche Jugendmeisterin nach einem schweren Sturz ihre Karriere vorläufig beendet.

Fachwelt überrascht

Sie machte ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin und war auch in dieser Funktion im Einsatz der deutschen Nationalmannschaft. Da scheint ihr auch der Gedanke an eine Rückkehr gekommen zu sein. Genau zwölf Jahre später kam sie wieder. Und sie sorgte für Aufsehen: Mit dem vierten Platz bei den deutschen Straßenradmeisterschaften 2011 überraschte die Haßlocherin die Fachwelt.

Auch als Bahnradfahrerin holte sie Medaille um Medaille. Nur an Kristina Vogel und Miriam Welte kam sie nicht vorbei. Acht Medaillen gewann sie nach ihrem Comeback bei den deutschen Titelkämpfen auf der Bahn und erwies sich auch auf der Straße als zuverlässige Sprinterin. Sie durfte sogar von den Olympischen Spielen 2016 in Rio träumen.

Da nahm sie das deutsche Profiteam Abus Nutrixxon im Alter von 31 Jahren unter Vertrag. Es war die Zeit, als sie sich mehreren Teams und Renngemeinschaften in Italien, Belgien und in den Niederlanden anschloss und auch bei den deutschen Meisterschaften die Plätze neun (2016) und zehn (2018) belegte. Der große Durchbruch blieb aber aus.

Im Jahr 2019 beendete sie mit 39 Jahren eigentlich ihre Sportlerkarriere. Sie konnte es wieder nicht lassen, nach diversen privaten Rückschlägen ist sie wieder zurückgekehrt. Inzwischen hat sich Gass dem RSC Nordhausen, einem Club in Sachsen, angeschlossen und startet für Team Plasmatreat – rts – electronic mit Sitz in Bielefeld, dessen Schriftzug auch deutlich über dem Meistertrikot zu sehen ist. Und dieses Jersey dürfte für sie genug Motivation sein, nochmals international angreifen zu wollen …

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