Deidesheim / Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Dachs-Höhlen: Bahnstrecke zwischen Bad Dürkheim und Neustadt ein halbes Jahr dicht

Die Bahnstrecke zwischen Bad Dürkheim und Neustadt ist besonders bei den großen Weinfesten wichtig für die Veranstalter.
Die Bahnstrecke zwischen Bad Dürkheim und Neustadt ist besonders bei den großen Weinfesten wichtig für die Veranstalter.

Die Bahn plant Arbeiten zwischen Deidesheim und Wachenheim, weil Dachse dort Höhlen gegraben haben. Die Strecke soll über ein halbes Jahr komplett gesperrt werden. Das hat Auswirkungen – nicht zuletzt auf Wurstmarkt und Weinfeste in der Region.

Die Sanierungsarbeiten zwischen Deidesheim und Wachenheim sind nötig, weil Dachse tiefe Höhlen in den Bahndamm gegraben haben. Die Arbeiten werden nach Angaben eines Bahnsprechers von 11. Juli bis 13. Dezember über die Bühne gehen. Die Strecke ist in dieser Zeit komplett gesperrt.

Der Damm werde mit einem Fräß-Misch-Injektionsverfahren bearbeitet, informierte die Bahn weiter. Es handele sich um umfangreiche und arbeitsintensive Arbeiten, die eine vollständige Sperrung des Streckenabschnitts erforderlich machten. Über die Auswirkungen auf die betroffene Linie sowie die Alternativen werde rechtzeitig informiert.

Anreise zum Wurstmarkt wird erschwert

Was der Bahnsprecher mit nüchternen Worten ankündigt, verursacht bei vielen Touristikern entlang der Strecke Bauchweh. „Der erste Schritt war, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um den Zeitpunkt der Arbeiten zu verschieben“, berichtet Stefan Wemhoener, Leiter der Tourist Service GmbH in Deidesheim. Er hat von den Planungen bereits vor einigen Monaten erfahren.

Die Arbeiten fallen ausgerechnet in die Zeit, in der die großen Weinfeste zwischen Neustadt und Bad Dürkheim stattfinden: die Deidesheimer Weinkerwe am zweiten und dritten August-Wochenende, der Dürkheimer Wurstmarkt am zweiten und dritten September-Wochenende sowie schließlich das Deutsche Weinlesefest in Neustadt vom 26. September bis zum 13. Oktober.

Der Zeitpunkt bereitet auch Marcus Brill, Chef des Wurstmarkt-Organisationsteams, Kopfzerbrechen. Deswegen habe er sofort nach Bekanntwerden der Pläne Bedenken angemeldet und gefragt, ob nicht ein Zeitraum in der ersten Jahreshälfte für die Arbeiten infrage käme. Dies sei verneint worden, berichtet der Fachbereichsleiter für Kultur und Tourismus bei der Stadt Bad Dürkheim. Die Bahnstrecke aus Richtung Süden sei ein wichtiger Anreiseweg für viele der etwa 600.000 Besucher, die es im Jahr auf den Wurstmarkt zieht. Passagiere aus Richtung Mannheim steigen in Neustadt-Böbig um und nehmen dann die Verbindung über Deidesheim und Wachenheim nach Bad Dürkheim. Für diese sei es nicht unbedingt möglich, auf die Rhein-Haardtbahn umzusteigen, weil diese über die Wurstmarkt-Tage bereits an der Kapazitätsgrenze angekommen sei.

Für Festbesucher, die aus Richtung Kaiserslautern und Landstuhl mit der Bahn kämen, gäbe es nicht einmal diese Möglichkeit. „Betroffen sind hier auch die Amerikaner, wenn sie mit der Bahn anreisen“, sagt Brill. Die Bahn habe zwar die Einrichtung eines Schienenersatzverkehrs zugesagt. „Aber wir werden die Sperrung merken“, ist Marcus Brill überzeugt.

„Ich habe da große Bedenken“, sagt auch Stefan Wemhoener. Deidesheim bewerbe den Öffentlichen Personennahverkehr „sehr intensiv“, da die Parksituation in der Stadt immer angespannt sei. Auch wenn die Bahn statt der Züge Busse einsetzen würde, fürchtet Wemhoener zusätzlichen Autoverkehr und eine Belastungsprobe für die Parksituation. Über seine Bedenken habe er bereits im März die Kreisverwaltung und die Bahn informiert.

Bei der Stadt Neustadt ist die geplante Sperrung ebenfalls bekannt, nähere Informationen fehlten indes, wie Pressesprecherin Dagmar Seidel auf Anfrage mitteilte. Auswirkungen auf Festivitäten seien im Moment noch nicht einschätzbar. Ein kleiner Trost aus Neustadter Sicht: Die Sperrung soll erst nach dem Rheinland-Pfalz-Tag (23. bis 25. Mai) beginnen.

Was ist mit dem Schülerverkehr?

Auch das Wachenheimer Weinfest im Juni geht vor der Sperrung über die Bühne. „Da haben wir Glück gehabt“, sagt Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU). Allerdings befürchtet er vor allem Auswirkungen auf den Schülerverkehr, denn in Wachenheim ist ein Teil der Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim angesiedelt. Außerdem besuchen viele junge Wachenheimer Schulen in Neustadt. „Ich erwarte von der Bahn, dass unseren Schülerinnen und Schülern kein Nachteil entsteht“, sagt der Bürgermeister. In der Vergangenheit sei stets ein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Dachse einen Bahndamm zum Sanierungsfall machen: Ab Juli 2021 war der 6,2 Kilometer lange Abschnitt von Bad Dürkheim nach Freinsheim fast ein Jahr lang gesperrt. Der Bahndamm wurde gerodet und Jäger versprühten unangenehm riechende Duftstoffe, um die Tiere zu vertreiben.

Im Juli 2022 musste der Bahndamm zwischen Freinsheim und Grünstadt saniert werden.

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