Neustadt „Da habe ich nur noch weggeschaut und weggehört ...“

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Berlin. Seit 2012 erst ist Janusz Gogola Trainer des Wasserball-Bundesligisten SC Neustadt. Der Verein gilt bei den traditionellen Vorsaison-Umfragen echter und selbst ernannter Experten oft als Abstiegskandidat. Im ersten Jahr unter der Ägide des hauptberuflichen Lehrers war das so, im zweiten nicht anders. 2012/2013 war der SCN am Ende Zwölfter im 16er Feld der Deutschen Wasserball-Liga, zu deren Gründungsmitgliedern der Verein 1971 gehört hat. Nach dem Best-of-three-Abstiegsduell mit Wedding Berlin steht fest: Neustadt bleibt erstklassig und wird nach den nun noch folgenden Platzierungsspielen wiederum mindestens Zwölfter, im besten Fall Neunter.

Herr Gogola, die drei Spiele gegen Wedding waren nichts für schwache Nerven …

Kann man wohl sagen. Und das dritte Match hielt noch eine besondere Steigerung parat. Ich habe das Schlussdrittel für meine Verhältnisse eher ruhig „hingenommen“, wenn man das so sagen kann. Anders war das ja nicht auszuhalten. Beim 10:7 vier Minuten vor dem Ende schien eine Vorentscheidung gefallen, aber dann kriegen wir nur 22 Sekunden danach das 8:10, können anschließend eine Überzahl nicht nutzen, verlieren Stefan Ehrenklau mit drittem Wasserverweis, und 2:55 Minuten vorm Ende schießt Wedding das 9:10. Da habe ich nur noch weggeschaut und weggehört, bis ich endlich jubeln konnte. Weil es beim 10:9 blieb und das den Klassenverbleib bedeutete … Genau! Das haben uns nur wenige zugetraut, aber ich wusste: Das können wir! Unsere größten Trümpfe sind Herz und Leidenschaft, und die haben alle in der Truppe noch mal auf einer nach oben offenen Skala bis zu Spitzenwerten getrieben. Auch wenn das dritte Match am Ende sehr emotional war und die Gastgeber sich von den Referees ungerecht behandelt fühlten, habe ich keine Seite bevorteilt gesehen. Es hat Wedding genauso getroffen wie uns – und es war wohl für uns durchaus nützlich, dass wir uns auf uns selbst und weniger auf das Drumherum konzentriert haben. Würden Sie jemanden hervorheben? Da wären so viele zu nennen, dass die wichtigste Positiverkenntnis klar wird: Wir haben eine starke Teamleistung gezeigt. Jeder Einzelne war so gut, dass die Summe am Ende für uns sprach. Aber dennoch: Torwart Michael Knelangen als Rückhalt, der mit den Playdowns zurückgekehrte Stefan Ehrenklau als Turm in der Schlacht, Kapitän Matthias Held als Antreiber, Motivator und Vollstrecker in Personalunion, Bojan Matutinovic – obwohl angeschlagen – als ständiger Unruhe- und Gefahrenherd für Weddings Abwehr, Lukas Schneider, Tim Hornuff und die anderen haben auf den Punkt gebracht, wofür wir die ganze Saison unter ganz gewiss nicht immer einfachen Bedingungen gearbeitet haben. Wie geht es jetzt weiter in der Restsaison? Der Ablauf hat sich nicht geändert, die Prämisse aber erfreulicherweise schon. Als Realisten sind wir davon ausgegangen, dass wir in dieser Runde den Klassenverbleib noch nicht sichern können. Und hatten längerfristig für April ein Trainingslager in Ungarn gebucht, um uns auf die Entscheidung in der zweiten Playdownrunde vorzubereiten. Der jetzt für Wedding feststehende Kontrahent Duisburg 98 wäre ein ganz hartes Brot geworden. Im Stillen hatte ich da manchmal den Gedanken: Jetzt bist Du seit 30 Jahren Trainer, Janusz, und nun steigst Du ab … Es ist eine absolute Wohltat, dass wir das abgewendet haben. Nun wollen wir das Camp in Ungarn nutzen, um den Kopf wieder frei zu bekommen und auch in den Platzierungsspielen beweisen, dass wir dort, wo wir in der kommenden Saison spielen werden, auch hingehören: in die Erste Liga!

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