Neustadt Commedia dell’arte auf modern

„Bezahlt wird immer!“ handelt von zwei Möchtegern-Profiteuren, die sich mehr schlecht als recht in der Toskana durchschlagen – z
»Bezahlt wird immer!« handelt von zwei Möchtegern-Profiteuren, die sich mehr schlecht als recht in der Toskana durchschlagen – zu sehen ist das Stück am Samstag in Forst und am 12. August in Mußbach.

«Forst/Neustadt.»Ein knallrotes, altes Feuerwehrauto mit Anhänger, der die Bühnenkonstruktion trägt, dazu viel Engagement und Kreativität – das sind die Kennzeichen des „Theaters Carnivore“, das auch diesen Sommer wieder durch die Lande zieht, um an ausgewählt schönen Plätzen der Pfalz sein neues Stück zu präsentieren: „Bezahlt wird immer!“ ist eine respektlose, turbulente, aber auch poetische Komödie um zwei schräge Scharlatane in der Toskana. Die Aufführungen in unserer Region finden am Samstag in Forst und im August in Mußbach statt.

Der Heidelberger Schauspieler Florian Kaiser (44) verwirklichte sich mit seiner 2014 gegründeten Wanderbühne „Carnivore“ einen langgehegten Traum. Wanderbühnen gibt es, seit der legendäre erste griechische Tragödiendichter Thespis seine Theaterstücke auf einem Karren aufführte. Im 17. und 18. Jahrhundert unterhielten Wanderkomödianten mit durchaus derben Sprüchen das Volk. An diese unterhaltsame Tradition des Theaters will auch Kaiser mit seiner selbst geschriebenen Komödie „Bezahlt wird immer!“ anknüpfen. Die handelt von Guru und Scarpin, denen das Wasser finanziell bis zum Hals steht. Ob „Schöner Atmen“ oder „Wie wechsle ich die Farbe meiner Aura“ – keiner will bei ihnen in der wunderschönen Toskana Selbsthilfekurse belegen. Selbst das „Bluttränen-Wein-Wunder“ zieht nicht mehr. Und seitdem Scarpin der Ehefrau des Vermieters die innere Freiheit nahegelegt und diese sich daraufhin von ihrem Mann getrennt hat, sitzt den beiden auch noch der wutentbrannte und scharf bewaffnete Palazzi im Nacken. Als die trostbedürftige Frau Müller sich ankündigt, wittert Guru das große Geschäft. Scarpin soll sie verführen und erpressbar machen – doch natürlich läuft der großartige Plan vollkommen aus dem Ruder, und am Ende bleibt nur die Frage, wer hier wen hängen lässt. Eine schräge Komödie über eine durchtherapierte Gesellschaft und ihre Möchtegern-Profiteure, eine moderne Commedia dell’arte – oder ganz einfach: ein Stück über Schein und Sein und die Suche nach dem wahren Selbst jenseits der Macht des großen Geldes! Genau wie Regisseur Kaiser bringen auch die drei Darsteller Theatererfahrung mit. Kaiser selbst studierte Schauspiel in Besançon und Berlin, um dann an der Komödie Kassel, am Kinder- und Jugendtheater Speyer und im „Boulevard Münster“ engagiert zu werden. Rebekka Herl, die die Frau Müller spielt, schloss ihre Schauspielausbildung 2017 in Wiesbaden ab. Während der Ausbildung war sie am Staatstheater Wiesbaden in „Die Schutzflehenden“ und „Der Zauberer von Oz“ zu sehen. Guru wird von Eric Haug dargestellt, der seine Ausbildung an der Freiburger Schauspielschule erhielt. Seit 2010 leitet er mit Kollegen das mobile Kinder-und Jugendtheater „Theater 3D“, wo 2013 auch seine erste Regie-Arbeit „Eine Heldin bin ich nicht“ entstand. Scarpin, eine Figur aus der Commedia dell` arte, wird von Markus Schultz verkörpert, Noch während der Schauspielausbildung an der Theaterakademie Mannheim war er als Gast am dortigen Nationaltheater sowie am Theater Heidelberg engagiert. Gespielt wird die wilde Komödie auf einer Bühne von gerade mal 16,8 Quadratmetern (inklusive Backstage-Bereich), die Kaiser in Eigenleistung zusammen mit dem Bühnenbildner Motz Tietze gebaut hat und die den Vorteil bietet, dass man sie – wenn es sein muss – auch alleine auf- und abbauen kann. Das Publikum sitzt auf Bierbänken, allerdings solchen mit Lehne und Kissen. Zum Erfolg des sommerlichen Wandertheaters tragen natürlich auch die schönen Standorte bei, die das „Theater Carnivore“ auch bereits 2015 mit seiner Goethe-Parodie „Fast Faust“ und 2016 mit der Krimi-Komödie „Revanche“ bespielte: In unserer Region sind dies das Forster Weingut Acham-Magin und das Mußbacher Weingut Weik. Bleibt noch die Frage, was es mit dem Namen „Carnivore“, deutsch „Fleischfresser“, auf sich hat. Dies ist ein Beiname des Weingottes Dionysos, der den Griechen als Schirmherr des Theaters galt. Schamlos, lustvoll, rauschhaft wie die Feste zu Ehren dieses Gottes, aus denen dann auch das Theater als Kunstform entstand, werde auch das Stück „Bezahlt wird immer!“, verspricht der Regisseur. Und in die gleiche Richtung führt auch Kaisers nächste Produktion, die schon auf den Weg gebracht ist: Ein junger Mann verliebt sich da in eine Prostituierte und überfällt für sie, in Ermangelung eines lukrativeren Objekts, seine Stammkneipe. Man ahnt schon, dass das nicht klappen kann. Termine Die Aufführungen finden am Samstag, 1. Juli, um 20 Uhr im Weingut Acham-Magin, Weinstraße 67, in Forst und am Samstag, 12. August, um 20 Uhr im Weingut Weik, Lutwitzistraße 10, in Mußbach statt. Karten (17 Euro) unter 06221/3929582 oder unter www.reserviv.de. Weitere Infos unter www.theater-carnivore.de.

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