Hassloch
Comidians spielen auf der Haßlocher Pferderennbahn 3000 Euro für einen guten Zweck ein
„Lache fer ään guude Zwegg“ erfordert solide Vorbereitung: Es war beinahe ein Einlass wie in einer Großstadt - nur, wer sein limitiertes Onlineticket mit Barcode ordentlich ausgedruckt plus einen ausgefüllten Kontaktbogen dabei hatte, durfte seine genau markierten Plätze auf der Tribüne aufsuchen. Natürlich war der Weg dorthin auch noch wacker mit Mund-Nasen-Schutz zu bestreiten.
Dann gab es allerdings schon bald kein Halten mehr. „Ich glaube, ihr wart zu lange in der Coronapause!“, rief Moderator und WWP-Leiter Peter Ruffer aber erst dem Publikum zu, damit es sich endlich wieder traute, maskenfrei zu jubeln und zu klatschen. Danke akribischer Online-Vorbestellung konnte er die Zuschauer quasi nach Wohnort und fast schon einzeln begrüßen. Den Akteuren war die Aufregung anzusehen: Zwischen schadlos überstandener Unwetterwarnung und Corona-Bekämpfungsverordnung hatten sie auch noch Lampenfieber zu bewältigen, aus dem alle keinen Hehl machten.
Guschd und Dorle reden kräftig aneinander vorbei„Die
Theater sinn grad leer unn die Flugzeuge widder voll“, rief Boris Stijelja in die Menge. Das Coronavirus fahre schließlich lieber öffentlich mit der Bahn. Halb Kroate, halb Serbe, riss der Leiter des Boulevardtheaters Deidesheim auf Spezial-Pfälzisch durch die Geschichte seines bewegten Bühnen-Werdegangs mit. Von drei Sätzen als Transe über die schräge Sondervorstellung nur für über 90-Jährige bis zur Akzeptanz durch seinen Vater, dass „de Bu“ nun Schauspieler und Comedian mit Leib und Seele ist, brachte Stijelja das Publikum dazu, wenigstens beim Lachen das Thema Corona kurz zu vergessen.
Aneinander vorbei parlierten Peter Ruffer und Karin Rittinger alias „Die Dollboorer“. Zuerst definierte der einfach gestrickte „Guschd“ die Alltagsmaske neu, indem er sich eine Damenbinde mit Flügeln ins Gesicht klebte: „Babbt guud, unn wommer spuckt, nemmt´s ah noch die Flissichkeit voll uff.“ Danach lieferte er sich mit seiner „Dorle“ ein großes Wortgefecht, ob sie nun zum Hochzeitstag einen Tanzkurs mit ihm wagen will - leider hat die Gute das Ansinnen aber fälschlicherweise als mutige Aufforderung zum Swingerclub-Besuch verstanden. Und so redete das Paar unter johlendem Applaus dauernd aneinander vorbei: „Drei Schdunne unn mit Trainer? Do schwitzt mer doch wie verriggt!“
Gleich zweimal befreite auch Boulevardtheater-Liebling Tim Poschmann das Publikum vom langen Kulturentzug. Denn als Neu-Single Georg aus der Ein-Mann-Komödie „Warum heiraten - Leasing tut’s auch“ zeigte er, wie schwierig Flirten dieser Tage sein kann. Aber wenn man sich beim Online-Dating als „Rammeltiger“ ausgibt, ist es womöglich kein Wunder, wenn man dann an eine 1,93 Meter große, behaarte „Pimpermaus“ gerät. Vielleicht darum hat das Boulevardtheater mit Stefan Beyer und Jutta Barie-Scholl alias „Dieter und Amanda“ ebenfalls ein Bühnenpaar der alten Schule an Bord, bei dem er mit der T-Shirt-Aufschrift „Sklave meiner Frau“ für Mitleid sorgte und sie mit „Rote Lippen soll man küssen“ einen Klassiker neu auslegte.
Die Zuschauer sind in einer Lose-Lose-Situation
„Endlich wieder Publikum, wo keiner hupt“, freute sich der aus der Eifel stammende Toby Käp in Anspielung auf seine letzten Auftritte in Autokinos. Der 31-Jährige, schon bekannt aus dem heiligen Stand-up-Comedy-Gral „Quatsch Comedy Club“, imponierte mit schlauen wie auch sehr schonungslosen Witzen über seine Hörbehinderung samt Sprachfehler. Dem Publikum versprach er breit grinsend eine sicher garantierte „Lose-Lose-Situation“, denn: „Wenn ihr über mich lacht, habt ihr mich diskriminiert, und wenn nicht, dann eben auch.“ Das hielt die Zuschauer allerdings nicht ab, ihm später – natürlich mit jetzt extralauten Rufen – eine knallharte Zugabe abzuringen.
Das wiedergewonnene Glück des Live-Auftreten-Könnens teilten die Künstler des unter der Schirmherrschaft des Haßlocher Gewerbevereins stehenden Benefizabends nur zu gern mit der Tafel Neustadt-Haßloch. Aus dem Erlös u. a. von Eintrittsgeldern und „Schorlepaketen“ – eine weitere Verpflegung war wegen Corona nicht möglich – konnte der Vorsitzende des Gewerbevereins eine Spende von 3000 Euro überreichen: „Wir haben, gerade jetzt, viele Leute am Rande der Gesellschaft, denen wir helfen müssen“, betonte Christian Scheib.