Deidesheim
Comedy in Deidesheim: Liebe auf den ersten Blick
„Ich erzähle euch Dinge, die ich noch nie erzählt habe“, berichtet Daphne de Luxe ihrem Publikum, so als könne sie es fast selbst nicht glauben. Die Wahl-Hannoveranerin fühlt sich wohl bei ihrem Auftritt in der Pfalz und gerät dadurch sichtlich in Plauderlaune. Schon als sie zu „Sway“ in der Version von Michael Bublé auf die Bühne schwebt, ist das Eis zwischen ihr und dem Publikum gebrochen. „Pass ich auf das Handy drauf?“, fragt sie einen Besucher in der ersten Reihe, der direkt das Smartphone fürs obligatorische Erinnerungsfoto gezückt hatte – und damit ist er nicht alleine. „Das ist ja eine Fotosession hier vorne“, stellt die Dame, die sich selbst als „Germany’s next Topmoppel angekündigt hat, überrascht fest.
Es ist quasi Liebe auf den ersten Blick zwischen der „Ladies Night“-Moderatorin und dem Pfälzer Publikum. „Ich habe mich so gefreut auf euch“, gesteht de Luxe, der schon im Vorfeld mit einem Spezialitäten-Präsentkorb Lust auf ihr Gastspiel gemacht worden sei. „An den Saumagen habe ich mich noch nicht herangetraut, aber den könnt ihr vermutlich empfehlen“, meint die Comedienne.
Muttergefühle für Tim Poschmann
Unterstützung beim Öffnen einer Sektflasche erhält sie von Tim Poschmann, dem Publikumsliebling des Boulevardtheater Deidesheim, der bei dem Stargast offensichtlich mehr als einen Stein im Brett hat. „Weiß jemand, wie Tims Vater aussieht?“, fragt sie das Publikum, denn auch wenn sie Erfahrungen mit jungen Männern gesammelt habe, sei der als Winzer Bu bekannte Comedian und Schauspieler doch etwas zu jung. „Da weiß ich ja gar nicht, ob es nicht doch Muttergefühle sind“, meint de Luxe, die in mehr als zweieinhalb Stunden ziemlich viel von sich Preis gibt und dabei auch herrlich selbst über sich lachen kann.
Die Besucher hängen förmlich an ihren Lippen, wenn sie von sich als Michael-Bublé-Fan-Girl berichtet, das sich nach einem Konzert in ein T-Shirt der Größe M zwängte, denn „wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“ und „jedes Material gibt irgendwann nach“ – allerdings mit dem Effekt, dass sich das sonst schmal und jung anmutende Antlitz des Sängers in das eines „fetten Asiaten“ verwandelt hatte.
Ein Lied für eine Motte
Sogar eine Motte, die sich in den Saal verirrt hat, baut die routinierte Komikerin in ihr Programm ein. „Sah von unten aus wie eine Fledermaus“, scherzt de Luxe und stimmt dann das von Nicole 1981 veröffentlichte Lied „Flieg nicht so hoch, mein kleiner Freund“ an. Munter springt sie von einem Thema zum nächsten, macht Gedankensprünge, findet aber immer wieder gekonnt zurück. Neben allerlei Selbstironie und kokettem Flirten mit den Zuschauern, bei dem sie ihre Reize in ihrem samtblauen Prinzessinnenkleid gekonnt einzusetzen weiß, kommt auch der Tiefgang nicht zu kurz. So stellt sie klar, dass auch der Erfolg zwei Seiten hat und dieser sehr kurzlebig sein kann, was die Pandemie auch gezeigt habe. Sie habe gelernt, dass Erfolg nicht alles im Leben sei und schon gar nicht, wenn er auf Kosten anderer entstehe. Daher plädiert sie in allen Bereichen für mehr Verständnis für einander und das Motto: „Leben und leben lassen.“
Das Publikum hätte das aus Franken stammende Energiebündel gerne noch viel länger erzählen lassen, denn mit Authentizität, Esprit und ihrem ganz eigenen Sinn für Humor hat Daphne de Luxe ihr Motto „Comedy in Hülle und Fülle“ mehr als erfüllt.