Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel „Choriander“ aus Mußbach vertritt die Region beim Landeschorfest in Mainz

Den Grönemeyer-Song „Musik nur, wenn sie laut ist“ übersetzen die „Choriander“ sogar in Gebärdensprache.  Foto: Schulz
Den Grönemeyer-Song »Musik nur, wenn sie laut ist« übersetzen die »Choriander« sogar in Gebärdensprache.

Werbung für das Singen im Chor will das erste Landes-Chorfest machen, das am Samstag, 31. August, zum 70. Geburtstag des Chorverbandes Rheinland-Pfalz in Mainz über die Bühne geht. Mehr als 150 Chöre mit über 5.000 Aktiven präsentieren sich bei dieser Premiere auf 14 Bühnen in der Mainzer Altstadt. Aus der Pfalz nehmen über 40 Ensembles teil, den Raum Neustadt und Umgebung repräsentiert aber nur ein einziger: der junge Chor „Choriander“ der Chorgemeinschaft MC 1860 Mußbach.

Neustadt/Mainz. „Rheinland-Pfalz singt!“ lautet das Motto. „Die Akteure wollen zeigen, wie Chormusik heute klingt: lebhaft, mitreißend, frisch und jung, auf keinen Fall angestaubt“, betont Karl Wolff, Präsident des Chorverbandes Rheinland-Pfalz und selbst begeisterter Sänger. Den Beweis tritt „Choriander“ aus Mußbach gerne an. Etwa 15 Minuten lang dürfen die Neustadter auf der Bühne im Leichhof ab 14.20 Uhr singen. „Das reicht vermutlich nur für drei Lieder. Wir haben so viele Songs, die Auswahl fällt uns schwer“, erklärt Viola S. Hofmann, Choriander-Chorleiterin seit 2015. Vorgetragen werden auf jeden Fall „Leichtes Gepäck“ von „Silbermond“ und zwei Titel von Herbert Grönemeyer.

Gesang wird kombiniert mit Gebärdensprache für Gehörlose

Mehrere Lieder des aktuellen Programms trug der Chor bereits bei der „Kultur am Bach“ am Samstag in der Wallgasse vor, darunter Songs von Nena, Sarah Connor und Peter Maffay. „Wir legen derzeit einen Schwerpunkt auf ein deutschsprachiges Programm, das kommt bei unseren Sängerinnen und Sängern sehr gut an“, so Hoffmann. Zu den Highlights zählt bei den jüngsten Auftritten der Grönemeyer-Song „Musik nur, wenn sie laut ist“, der auch für Mainz gesetzt ist. Das Besondere: zwei Akteure „übersetzen“ den Text in Gebärdensprache für Gehörlose. „Beigebracht wurden dem Chor die entsprechenden Handbewegungen von Nadja Wornewski, Freundin unseres Chorreferenten Oliver Weintz“, erzählt Hoffmann. Weintz habe die Idee entwickelt, weil diese begleitende Interpretation perfekt zum Inhalt des Liedes passe. „Meine Eltern waren gehörlos, ich bin die Gebärdensprache von Kindheit an gewohnt. Auf einer Freizeit kam mir der Gedanke mit der Gebärdensprache, und der Chor war sofort mit Begeisterung dabei“, berichtet Weintz, der auch schon bei Rheinland-Pfalz-Tagen als Übersetzter für Gehörlose fungierte. Mit weißen Handschuhen lenken er und Fachfrau Wornewski die Blicke während der Strophen auf sich, beim Refrain deutet das Chorplenum den Text aus. „Eigentlich war es leichter zu erlernen, als man glaubt“, so Chorleiterin Hoffmann.

Neue Sänger rekrutiert und Pläne für 2020 geschmiedet

Die Teilnahme am Landes-Chorfest initiierte Oliver Weintz als Organisationsmotor der Vereinsgruppe: „Ich bin im regen Austausch mit den Chorverbänden und informiere mich auch im Internet über Veranstaltungen. Mir ist es wichtig, den Chor voranzubringen und zu schauen, was zu uns passt“, so Weintz. So hat er auch schon die Fühler zu weiteren Veranstaltungen ausgestreckt und den Chor zum Deutschen Chorfest nächsten Mai in Leipzig angemeldet. Sein Engagement in Zusammenarbeit mit der Chorleitung zahlt sich ebenso hinsichtlich der Chorstärke aus, die mittlerweile auf rund 50 Aktive angewachsen ist. „Jeder Sänger bringt jemanden mit“, lautete die Parole vor dem diesjährigen Konzert im Mai in der Mußbacher Johanneskirche. Gut 25 Interessenten fanden sich zum Projektchor zusammen, studierten die Zugabe „Auf uns“ von Andreas Bourani ein. Aus dieser Gruppe der „Freunde von Choriander“ habe man zehn neue Mitglieder gewinnen können, darunter auch einige Männerstimmen, die in Chören stets gefragt seien, freut sich Leiterin Hoffmann.

Zur Sache: Das Landeschorfest in Mainz

Eröffnet wird das Landes-Chorfest am Samstag, 31. August, um 10.30 Uhr auf der Lotto-Bühne am Gutenbergplatz. Gegen 11.30 Uhr folgt dort das Mitsing-Konzert „Größter Beatles-Chor in RLP“. Zwischen 12 und 17.45 Uhr finden auf allen Bühnen Konzerte statt. Das Fest endet mit einem offenen Abschluss-Singen um 18.15 Uhr auf dem Liebfrauenplatz, bei dem auch „Choriander“ mitwirkt, und dem Konzert „Heimat/en“ um 19.30 Uhr in der Christuskirche. Der rheinland-pfälzische Verbandspräsident Karl Wolff möchte durch das Festival den Blick auf die Bedeutung der Chormusik in der Kulturlandschaft lenken. „Chorsingen ist echte Vielfalt“, betont er. „Vom klassischen Ensemble bis zum Rock-Chor ist alles vertreten.“ Hartmut Doppler, Präsident des beim Fest kooperierenden Chorverbandes der Pfalz, zeigt sich ebenfalls zuversichtlich: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass wir mit dieser Veranstaltung wirklich etwas zum Wohle der Chormusik im Land bewegen.“ Wie Dieter Meyer, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Veranstaltung, auf Anfrage erklärt, ist eine Wiederholung des Landes-Chorfestes im Abstand von einigen Jahren denkbar – auch an wechselnden Veranstaltungsorten. Der Organisationsaufwand sei aber sehr hoch, so dass man erst nach den Abschlussgesprächen Pläne für die Zukunft entwickeln könne.

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