Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Chorensemble Perpetuum Cantabile mit „Die Goldenen Zwanziger“

Das Perpetuum Cantabile unter der Leitung von Fabio R. Freud lockte zahlreiche Besucher in die Hambacher Pauluskirche.
Das Perpetuum Cantabile unter der Leitung von Fabio R. Freud lockte zahlreiche Besucher in die Hambacher Pauluskirche.

In der Pauluskirche Hambach erntete das Chorensemble Perpetuum Cantabile unter Leitung von Fabio R. Freund mit seinem Programm rund um die 1920er Jahre stürmischen Beifall.

Reine Männerchöre stehen mittlerweile in der Flora musikalischer Formationen quasi unter Artenschutz. Aber neben den zählbaren Überlebenden gibt es auch jene, die in frischer Besetzung im neuen Outfit erstanden sind. Zum Beispiel der A-Cappella-Chor Perpetuum Cantabile aus dem Neustadter Ortsteil Duttweiler, der den MGV-Status bereits seit 30 Jahren hinter sich gelassen hat und in gemischter Aufstellung offenbar stetig verjüngend seine Stimmen konzertant in der Region erhebt.

Am Ort ihrer wöchentlichen Probenzusammenkünfte, der Pauluskirche Hambach, hatte sich am Sonntag ein zahlreiches Publikum eingefunden, um dem Ensemble bei seiner rund um das Kultursommer-Motto „Die goldenen Zwanziger“ gestrickten Werkfolge zu lauschen. Klar, wenn es um die 1920er geht, assoziiert man die Comedian Harmonists nebst „Kleinem grünen Kaktus“, der im Übrigen später tatsächlich noch zum Stechen kam. Was Fabio R. Freund, Sänger und Musikwissenschaftler aus Mannheim und seit 2023 am Pult des Kammerchors tätig, indes nicht ungesagt und ungesungen lassen wollte, war das aufregend Innovative dieser Umbruchjahre, gerade auch im Bereich Tonkunst.

Schwergängige Harmonik und Dada-Rezitation

Und so hatte er im ersten Teil ein Stück Avantgarde verankert, behutsam zwar, mit Arnold Schönbergs „Schein uns, liebe Sonne“ und dem Ernst Krenek vertonten Goethe-Gedicht „Der Kläffer“, die beide nicht mit Atonalität, aber doch recht schwergängiger Harmonik daherkommen. Dazwischen passte recht gut ein Stück Dada-Rezitation aus der klangvollen Nonsens-Werkstatt Hugo Balls (perfekt: Leni Bohrmann!). Das Leichte, ebenso die Liebe lieferten Sätze wie „Wach auf, meins Herzens Schöne“ oder die mystisch verschattete Hymne „Ich seh Dich“ in der neueren Fassung von Oliver Giess.

Auch eine dem Ensemble zugeeignete Uraufführung erblickte in die Werkfolge eingebettet das Licht der Welt: Der 2001 geborene Komponist Klaus Brandstetter hatte sein harmonisch verdichtetes Chorstück „To his love“ den Opfern des Ersten Weltkriegs gewidmet und es dem jetzt sehr sorgsam und differenziert ausgestaltendem Perpetuum-Cantabile-Ensemble anheimgestellt. „My Soul, there is a Country“, der erste der „Songs of Farewell“, des während der Kriegsjahre geschaffenen Zyklus des 1918 an der Spanischen Grippe gestorbenen Briten Hubert Parry, schloss dieses erste, etwas ernstere Programmfeld.

Prächtige Aufschwünge

Es war ein rundum ambitioniertes Programm, das Freund seiner Chorgemeinschaft abverlangte. Und ein wenig Glanz und Souveränität im Sopran vermisste man schon gelegentlich. Generell aber gab es ganz wunderbare Momente verklingender Pianos und prächtiger Aufschwünge wie am Ende des Perry-Songs.

Im zweiten Teil nun ließen Duke Ellington („Moon Indigo“) und die Schlager des Charleston tanzenden Berlins herzlich grüßen: „Irgendwo auf der Welt“ – der Titel gebende Song des Programms – sodann „Wochenend und Sonnenschein“, „Liebling, mein Herz lässt Dich grüßen“ und natürlich jenes berühmt gewordene Balkongewächs. Und damit tat sich Perpetuum Cantabile sichtlich leichter, befreiter, beschwingter. Da kam Bewegung in den Chor, obwohl auch diese sogenannte „leichte Muse“ ganz schön ihre Tücken hat und saubere Stimmführung verlangt.

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