Neustadt
Cello-Klavier-Duo begeistert beim Mandelringkonzert in Haardt
Mit dem Duo Adriana Schubert, Violoncello, und Juliane-Sophie Ritzmann, Klavier, präsentierte Jörg Sebastian Schmidt, der stets ein Händchen für vielversprechende Newcomer hat, beim 232. Mandelringkonzert so eine kammermusikalische Wundertüte. Gleich zweimal – am Samstagabend und Sonntag zur Matineezeit. Glücklich, wer das doppelt genießen durfte.
Die beiden Künstlerinnen sind 22 Jahre jung und studieren an der Musikhochschule Leipzig. Studieren? Was noch? Man fragt sich das ernsthaft angesichts dieses ausgereiften Kammermusikrezitals, das mit der Folge Beethoven, Schumann und Brahms im Übrigen programmatisch sehr stringent zu Werke ging. Und sich bezüglich des (auch emotionalen) Schwierigkeitsgrads der Stücke auch nichts schenkte.
Den großen Tondichtern neu begegnen
Über die technische Perfektion der beiden Solistinnen auch nur ein Wort zu verlieren, ist müßig. Da stimmte einfach alles. Seit zwei Jahren proben Schubert und Ritzmann das Duettieren. Ihre Interaktionen sind makellos, minutiös austariert. Studiotauglich sozusagen. Aber das allein ist es nicht, was letztlich so fasziniert. Ihr Spiel ist auf eine Art unaufgeregt, einander zugewandt, faszinierend schwerelos und so weit jenseits jeglicher Attitüde, dass man sich wie von ungefähr wohltuend aufgehoben heimisch fühlt bei den großen Tondichtern. Und ihnen, zur eigenen Überraschung, ganz neu begegnet.
Die 3. Cello-Sonate op. 69 A-Dur – Beethoven hat sie in unmittelbarer Nachbarschaft zur 5. Sinfonie in die Welt geschickt – lässt das Klavier nicht nur begleiten, sondern schickt Cello und Taste in einen Wettstreit. Die Künstlerinnen kosteten Konkurrieren und Schlagabtausch aus; allürenfrei, dafür in einem Dialog, der an Brillanz kaum zu überbieten war.
Atemstillstand im Auditorium
Wann je hat man das querständige Scherzo mit seinen Synkopen so frech, so auftrumpfend und gleichzeitig so samtig gehört? Es ist auch die Ambivalenz der Stimmungen und Gefühle zwischen Melancholie und Furor, wie sie die Ecksätze proklamieren, die diese Künstlerinnen auf so außerordentlich intensive Weise zu erspüren vermochten. Von Beethoven führt ein direkter Weg zu Robert Schumann, der mit seinen 1849 komponierten Fantasiestücken op. 73 bereits gegen die latente seelische Zerrüttung anschrieb. Und das sind sie auch: tiefenscharfe Charakterstücke mit oszillierenden Gemütsbildern zwischen nachsinnend, lebhaft und feurig. Da braucht es schon einen weitgefächerten Darstellungskatalog, um so eindringlich, so fein ausdifferenziert und seelenvoll von der Rampe zu fließen wie diesmal. Drunten im Corona-ausgedünnten Auditorium herrschte Atemstillstand.
Danach war der Wechsel zu Johannes Brahms, dem Schumann-Schüler und –Seelenfreund, fast logische Folge. Von ihm lag ein Opus Magnum auf den Pulten. Die zweite Cello-Sonate, mehr als 20 Jahre nach dem ersten Opus für diese Besetzung verfasst, ist ein opulentes, kompositorisch dichtes und spieltechnisch hochanspruchsvolles Meisterwerk.
Vibrierende Atmosphäre
Schubert und Ritzmann befeuerten das Geschehen ebenso mit hochvirtuosen Aktionen wie einem schillernden Fächer an pastosen Farbschattierungen und klanglichen Momenten, die geradezu elektrisierten. Beide Frauen schienen selbstvergessen einfach nur zusammen zu spielen; aber die Atmosphäre vibrierte unglaublich. Als Dank für großen Beifall zelebrierten sie Rachmaninows „Vocalise“. Auch das anbetungswürdig.