Deidesheim RHEINPFALZ Plus Artikel Boulevardtheater Deidesheim spielt wieder vor Publikum

Zurück auf der Bühne: (von links) Biobauer Jan (Damilo Fioriti ), Postbotin Gertrude (Jutta Barie Scholl), Richard (Hendrik Hoff
Zurück auf der Bühne: (von links) Biobauer Jan (Damilo Fioriti ), Postbotin Gertrude (Jutta Barie Scholl), Richard (Hendrik Hoffmann), Schweinebauer Jens (Tim Poschmann) und Wirt Heinz (Stefan Bayer).

Mit der Premiere seiner Komödie „Landeier“ ist das Ensemble des Boulevardtheaters Deidesheim erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie wieder auf der Bühne zurück. Allerdings musste es in die Stadthalle umziehen. Dafür darf das Publikum ohne Mundschutz zuschauen.

Das Boulevardtheater Deidesheim ist „wieder hier, zurück im Revier“ und feierte mit der Komödie „Landeier“ mit Gesang und Tanz eine umjubelte Premiere nach Corona-angepassten Richtlinien.

Drei „Eschdeler“ Jungbauern sind in Beziehungsnot. Den Herren wachsen Stielaugen. Schneit da doch eine junge, hübsche, wohlgeformte und von einem saftigen Pfälzer Unwetter durchnässte Bayerin (Lena Seidl) ins Wirtshaus hinein, um sich aufzuwärmen und spontan ein Nachtquartier zu suchen. Dass sie ausgerechnet bei dem nach Frauen lechzenden Esthaler Jungbauerntrio Jens (Tim Poschmann), Jan (Danilo Fioriti) und Richard (Hendrik Hoffmann) landet, die ihre Freizeit gerne bei Kneipenwirt Heinz (Stefan Beyer) verbringen, ahnt Nikki zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Streit bekommt sie allerdings sofort mit dem sportlichen Richard, den sie als radelnden Verkehrsrowdy vom Vormittag wiedererkennt. Wörter wie „Blädi Pluns“ und „Saupreiss“ sind lautstark in der Wirtsstube zu hören, in der sich die übrigen Herren bereits schmachtend ihren romantischen Tagträumen hingeben.

Kontaktanzeigen und Partnerschaftsportale

Denn hinter den Jungbauern liegen Monate herber Enttäuschungen nach einer Odyssee vergeblich aufgegebener Kontaktanzeigen und „unseriöser“ Antworten auf Partnerschaftsportalen bei der Suche nach ihren Herzensdamen. Die dürfen allerdings nicht allzu zart besaitet sein, müssen Schweine, Schafe und Skat lieben. Videobotschaften sollen die Vorzüge der unerfahrenen Junggesellen ins rechte Bild setzen, was mit Ratschlägen vom urigen Freund Heinz als langjährig erfahrenem Ehemann zur großen Freude des Publikums nur recht schräg gelingt. Heinz’ Beraterfähigkeiten scheinen eingerostet, ist er doch bereits seit Jahren Witwer.

Riesige Freude habe das Theaterteam empfunden, als es vor einer knappen Woche erfahren habe, dass es endlich, nach unzähligen Formularen und Verhandlungen bei wechselnden Corona-Auflagen seine Landeier-Premiere mit acht weiteren Terminen spielen dürfe, erklärt Theaterleiter Boris Stijelja, der auf humorige Art mit seinem Kollegen Rüdiger Willisch ernsthaftes Geschehen hinter den Kulissen schildert. Denn einfach sei es nicht gewesen, den gewohnten Probenort im eigenen Theater kurzfristig gegen den großen Saal der Deidesheimer Stadthalle wegen der Corona-Auflagen zu tauschen.

Technik auf- und abbauen

Insbesondere die Technik, für die Thomas Heitz und Kai Jablonski verantwortlich seien, müsse jedes Mal auf- und abgebaut werden. Das nehme man aber gerne auf sich. Hauptsache sei, wieder vor Publikum spielen zu dürfen. An den Plätzen an den Bistrotischen, an denen auch der Mundschutz abgenommen werden darf, herrscht beste Stimmung. Etwas Freiheit ist zurückgekehrt. Wirtschaftlich seien die wenigen Aufführungen anstelle der ursprünglich über 30 geplanten jedoch noch nicht, bedauert der Theaterleiter und hofft, dass alle Aufführungen, für die noch Karten erhältlich sind, am Ende restlos ausverkauft sein werden.

„Werd des Schwoin erschlage vum Blitz, dann isses Döner, kän Witz“, dichtet Publikumsliebling, Schweinebauer Jens, und wird gerügt. Denn um „endlich enni uffzureiße“, braucht es mehr Feingefühl, meint Wirt Heinz und bekommt Schützenhilfe „vun de Trudel vun de Poschd“ (Jutta Barié-Scholl). Die hat es zu ihrem Leidwesen als Vertretung in den einsamen Pfälzerwald-Landkreis nach Esthal verschlagen. Ein Schicksal, mit dem sie sich erst versöhnt, als sie feststellt, dass es da ledige, „liebesbedürftige“ Männer gibt. Sie beschließt, dass insbesondere Heinz nach jahrelangem Witwerdasein Nachholbedarf hat. Leider ist der jedoch zunächst hartnäckig vom Gegenteil überzeugt.

Folgt die Geschichte erst einmal vorhersehbaren Wegen, kommt mit dem Männerüberschuss Tempo ins Spiel. Auch Nikkis Rat ist nun gefragt. Er soll klären, was Frauen denn an Männern besonders lieben. Mit Elan geht es an weitere Videobotschaften, um die drei jungen „Landeier“ endlich an die Frau zu bringen. Ganze Kerle sollen sie darstellen, aber mit deutlich sichtbarer „weicher Seite“. „Sexy bügeln, kochen und putzen“ sollen sie zeigen, finden Nikki und Trudel.

Warum die Herren schließlich den ganzen Saal mitreißen, indem sie ihre „weiche Seite“ auf ganz besondere Art präsentieren und damit minutenlangen stehenden Applaus erhalten, können Gäste live in den nächsten Aufführungen erfahren. Dabei wird ihnen auch klar werden, warum Gastwirt Heinz noch eine ganze Weile auf seine Pfannen verzichten muss, schließlich steht der Schutz von „Landeiern“ über allem.

Termine

Aufführungen von „Landeier“ in der Deidesheimer Stadthalle am 4., 24. und 25. Juli, Beginn jeweils 20 Uhr. Karten (20,90 Euro) unter www.boulevard-deidesheim.de.
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