Neustadt
Blumen und ein Versprechen: Beobachtungen rund um die Beigeordnetenwahl
Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) verkündete am Dienstagabend um 18.47 Uhr im Stadtrat das Ergebnis der Beigeordnetenwahl. Demnach bekam Johanna Kunzendorff (FWG) im ersten Wahlgang mit 32 Ja-Stimmen locker die erforderliche Mehrheit.
Danach folgten herzliche Umarmungen, Blumensträuße und Wein wurden überreicht – und es gab etliche Glückwünsche per Händedruck. Kunzendorff (Jahrgang 1978) kam kaum noch aus der kleinen Nische im Stadtratssaal. Weigel freute sichtlich über den Zuspruch und sprach von einem „sehr guten Ergebnis“. Denn Kunzendorff bekam offensichtlich auch über die Koalition von FWG, CDU und FDP hinaus, die zusammen auf 24 Sitze kommt, Zuspruch aus den Stadtratsfraktionen. Die FWG hatte das Vorschlagsrecht für die Nachfolge von Waltraud Blarr (Jahrgang 1961). Die achtjährige Amtszeit der Grünen-Politikerin endet am 9. September. Sie verantwortet das Dezernat III mit der Stabsstelle Klimaschutz, Klimaanpassung und nachhaltige Entwicklung, dem Fachbereich Familie, Jugend und Soziales sowie der Abteilung Landwirtschaft und Umwelt.
Drei Blumensträuße
Als die erste Gratulationsrunde rum war, ging die Vorsitzende der FWG Kernstadt, die sich schon in Umwelt- und Hauptausschuss engagiert, kurz ans Mikrofon. Kunzendorff war sichtlich gerührt. Sie freue sich sehr über das Vertrauen und das Ergebnis. Mit diesem Zuspruch habe sie nicht gerechnet, betonte Kunzendorff und versprach zugleich: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit allen Fraktionen.“ Bis zu ihrem Amtsantritt wird sie aber noch bei der Stadt Mannheim tätig sein. Ihre offizielle Berufsbezeichnung ist Local-Green-Deal-Managerin – übersetzt kann man dabei von „grüner Vereinbarung“ sprechen. Es geht also um die Nachhaltigkeitsziele rund um Klimaschutz, saubere Energie und Ressourcenschonung. Das Schwerpunktthema von Kunzendorff lautet ambitionierte Klimaziele. Ihre Vorgesetzte aus Mannheim war am Dienstagabend sogar auch im Neustadter Ratssaal und gratulierte ihrer Kollegin herzlich zur Wahl und überreichte nach Weigel und Christoph Bachtler (FWG) noch einen dritten Blumenstrauß.
Für eine kleine Kuriosität sorgten die Formalitäten rund um die Wahl. Der Stadtrat hatte sich im Dezember für die öffentliche Stellenausschreibung ausgesprochen, obwohl Kunzendorff schon als FWG-Kandidatin feststand – und ihre Wahl angesichts der Koalitionsmehrheit gesichert war. Tatsächlich reichte ein Neustadter eine zweite Bewerbung auf die Stelle ein. Der Mann saß auch im Ratssaal. Auf dem Stimmzettel landete sein Namen indes nicht, denn dafür hätte er von einem Ratsmitglied vorgeschlagen werden müssen – was nicht passierte. So ging es beim Urnengang mit ausgeklügeltem Rundlaufsystem, das manche Ratsmitglieder dann rätseln ließ, wo sie den Stimmzettel bekommen, dann doch nur um Johanna Kunzendorff. Dass das Auszählen recht lange dauerte, sorgte nur für einen kurzen Spannungsmoment. Die satte Mehrheit, die OB Weigel um 18.47 Uhr verkündete, beseitigte alle Zweifel und das fröhliche Gratulieren konnte beginnen.